Wissenswertes - Christina Lora-Turteltaube
17.05.2017
Jobcoaching

Was ist eigentlich Arbeit?
„Arbeit ist der bewusste und zweckgerichtete Einsatz der körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte des Menschen zur Befriedigung seiner materiellen und ideellen Bedürfnisse.“ (vgl. Brockhaus)
Arbeit ist ein Prozess, in dem Menschen soziale Beziehungen eingehen, die im gesamten Lebenszusammenhang von zentraler Bedeutung sind; hierzu gehören die Strukturierung der Zeit, die soziale Anerkennung und das Selbstwertgefühl.
Arbeit kommt in unserer Gesellschaft ein sehr hoher Stellenwert zu. Die Beschäftigung dient nicht nur dazu, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sie ermöglicht auch ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben. 

Aus diesem Grund beinhaltet unser Therapiekonzept auch das Manual “Jobcoaching“. In der Integrationsphase wird mit jedem Klienten ein Orientierungsgespräch geführt. Es werden der berufliche Werdegang sowie die Vorstellung über die berufliche Zukunft erhoben. Gemeinsam mit dem Klienten wird ein Plan erstellt, der an die Bedürfnisse des Klienten angepasst ist und auch die Wünsche der Klienten berücksichtigt. Im Vierphasenmodell, Leistungsprofilerstellung, individuelles Jobcoaching, Jobcoaching in Kleingruppen und gezieltes Jobfinding, werden die Klienten auf einen beruflichen Wiedereinstieg vorbereitet sowie werden sie für die zukünftigen Herausforderungen am Arbeitsmarkt gestärkt. Im Rahmen des Jobcoachings werden auch Praktika organisiert, damit Klienten ihre tatsächliche Belastbarkeit und Stressresistenz erproben können und um sicherzustellen, ob ihr gewähltes bzw. angestrebtes Berufsfeld auch das richtige ist. 

Mit jenen Klienten, die sich bereits in Pension befinden bzw. Klienten die aufgrund multipler psychischer oder physischer Beeinträchtigungen nicht mehr in der Lage sein werden ins Berufsleben einzusteigen, wird ein gesonderter Integrationsplan vereinbart: das Besuchen einer Tagesstruktur, das Arbeiten in einer geschützten Werkstätte oder das Nachgehen einer ehrenamtlichen Tätigkeit werden organisiert. 

Wir, in den Therapiezentren der Agil-Sozialpädagogik, versuchen durch soziale Reintegration die persönliche Entwicklung und Selbstbestimmung zu fördern und Eigenverantwortung und Eigenständigkeit zu stärken. Letztendlich ist das Ausfindigmachen einer Beschäftigung (das Nachgehen einer Arbeit, der Besuch einer Tagesstätte etc.) ein Ziel des Therapiekonzeptes, um für die Klienten nach der Therapie eine ideale Struktur zu schaffen.

Wissenswertes - Siegrun Gutschi
19.04.2017
Frühlingskräuter im Alltag <br>„Wieder liegt ein neues Jahr vor uns“

Die Tage werden länger, die Natur erwacht langsam und lädt uns zu Spaziergängen über Wiesen, Felder und den Wald ein. Zwischen den graubraunen Farbtönen des Wiesenbodens schauen vorwitzige unterschiedliche grüne Farbtupfer hervor: Die Frühlingskräuter - sie suchen sich ihren Weg zu den ersten warmen Sonnenstrahlen. Was für ein Geschenk, dass uns die Natur so reich mit Pflanzen beschenkt.

Wenn sie mich mit ihren leuchtenden Farben „anlächeln“, dann kann ich nicht widerstehen sie zu pflücken (warum sollte ich auch)! Wilde Kräuter sind ideal, weil sie auf Wiesen, bei Hecken oder an Wegrändern wachsen und einfach nur gepflückt werden müssen. Sie sind in der Küche vielseitig einsetzbar:

Ein Pesto aus jungen Blättern der Brennnessel oder des Bärlauchs lässt sich einfach zubereiten. Die Blätter mit heißem Wasser überbrühen, ausdrücken, fein schneiden und mit Olivenöl, Parmesan und eventuell mit Nüssen zu einer homogenen Masse verrühren. In Gläser gefüllt ist dieses Pesto zwei Monate im Kühlschrank haltbar.

So zum Beispiel würde ich zu einem leckeren Frühlingsentschlackungssalat folgende Zutaten empfehlen:

  • Junge Löwenzahnblätter und -blüten, die leicht bitter schmecken
  • Blätter und die honigsüß schmeckenden Blüten der Taubnessel
  • die würzig maisartig schmeckenden Blätter und Blüten der Vogelmiere
  • die würzig scharfen Schnittlauchblüten
  • Verschiedene Blattsalate
  • Veilchen-, Gänseblümchen- und Rotkleeblüten

Wer all diese Geschmackskomponenten vereinigen will, schneidet die Blüten und Blätter klein und verrührt sie mit Butter. Diese Kräuterbutter in Kombination mit frischem Brot oder gegrilltem Fleisch bringt den Frühling ins Haus!

Die Heilpflanze des Jahres 2017 ist das Gänseblümchen, welches uns schon zeitig im Frühjahr mit seinen strahlenden Blüten erfreut.  Die Blütenköpfe des Gänseblümchens öffnen sich nur bei schönem Wetter. Bei Dunkelheit, Regen und Bewölkung bleiben sie geschlossen.

„Bellis perennis“ ist der Botanische Name des Gänseblümchens, was „die ewig Schöne“ bedeutet. Sie ist ein natürliches Multitalent, wird eingesetzt bei Hauterkrankungen, zur Entschlackung des Körpers und regt den Stoffwechsel an. „Die ewig Schöne“ hat auch kulinarische Qualitäten:

Blüten sind in Suppen, Salaten, Marmeladen und Desserts ein hübscher Anblick und bringen zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe ins Essen. Ebenso lassen sich Kräutersalze und Gelees herstellen und zudem können die Knospen zu eingelegten Kapern verarbeitet werden.

Gänseblümchengelee für einen schmackhaften und gesunden Start in den Tag:
1 Handvoll Gänseblümchenblütenblätter, 1l Bio Apfelsaft, 1-2 Bio Zitronen, 500g Gelierzucker.
Die mit Apfelsaft übergossenen Blüten einen Tag durchziehen lassen, dann in einen Topf abseihen, Saft der Zitronen und Gelierzucker dazu, 5min köcheln und in Gläser füllen. 1Jahr haltbar.

Viel Spaß beim nächsten Spaziergang!

Wissenswertes - Susanne Simoner
08.03.2017
Beziehungsarbeit mit abhängigen Menschen

Martin Buber, ein Religionsphilosoph, prägte den Ausspruch „Der Mensch wird am Du zum Ich“. Dies bedeutet, dass wir den Anderen (= unser Gegenüber) benötigen, um uns selbst zu finden. Wir alle haben unterschiedliche Beziehungsbedürfnisse: unabhängig davon, ob eine Suchterkrankung diagnostiziert ist oder nicht. Der entscheidende Faktor besteht in der erlebten Vergangenheit eines jeden. Wurden unsere Beziehungsanfragen in der Vergangenheit größtenteils nicht erhört oder missachtet, sind verletzte Beziehungsbedürfnisse entstanden. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen im Suchtbereich kann ich mit Gewissheit sagen, dass jeder suchterkrankte Mensch eine große Anzahl verletzter Beziehungsbedürfnisse mit sich trägt.

Zum besseren Verständnis davon, wie ich Beziehungsarbeit mit abhängigen Menschen verstehe, bediene ich mich der folgenden acht Beziehungsbedürfnisse, die die integrative Psychotherapie (R. Erskine) aus einer Fülle herausgenommen hat:

1. Beziehungsbedürfnis nach Sicherheit: Gerade in der heutigen Zeit hat dieses eine große Bedeutung, da die äußere Sicherheit durch Begebenheiten wie Anschläge etc. nur mehr sehr begrenzt werden. Dieses Bedürfnis wird durch das Therapiezentrum als geschützten Raum befriedigt. Unsere Klienten sprechen immer wieder davon, dass sie nach einem Wochenendausgang „wieder nachhause kommen“, was die sichere Atmosphäre der Einrichtung gut aufzeigt.

2. Beziehungsbedürfnis nach Wertschätzung: Menschen mit einer Suchtproblematik kommen häufig aus einem schwierigen familiären Umfeld, in dem es an Bestätigung gemangelt hat. Aufgrund ihres immer wieder auftretenden Alkoholmissbrauches - sowohl im beruflichen als auch im gesellschaftlichen Kontext- kam es zu Abwertungen. In der Therapie wird jeder Klient als Individuum behandelt und in seinen Stärken und Schwächen geschätzt.

3. Beziehungsbedürfnis nach Grenzen: Einige unserer Klienten haben eine Sucht entwickelt, da sie mit ihren überhöhten Selbstansprüchen nicht zurechtgekommen sind und in ein Burnout geraten sind. Therapie bedeutet für diese Personen dann anfangs Entschleunigung und im weiteren Verlauf das Erlernen eines „normalen Arbeitsverständnisses“. Hier ist es unsere Aufgabe, den Klienten auch klare Grenzsetzungen zu geben.

4. Beziehungsbedürfnis nach Einmaligkeit: Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung wollen nicht als „Abhängige“ oder „Alkoholiker“ bezeichnet werden. Sie haben das Recht in ihrer Einzigartigkeit mit ihren individuellen Fähigkeiten gesehen und anerkannt zu werden. Dies verstehen wir als ethisch-moralische Grundvoraussetzung unserer Arbeit und ist auch ein wesentlicher Teil unserer Qualitätspolitik.

5. Beziehungsbedürfnis nach Initiierung durch andere: Manchmal tut es auch gut, wenn man nicht immer den ersten Schritt machen muss. Die Klienten genießen es bei uns, dass wir auch auf sie zugehen oder ihnen entgegenkommen. Aus diesem Grund ist es uns wichtig, dass Geburtstage oder Therapieabschlüsse von uns mittels einer gemeinsamen Feier gestaltet werden. Hier können sie einmal im Mittelpunkt stehen und dies genießen.

6. Beziehungsbedürfnis nach Bestätigung der eigenen Erfahrungen: Wir alle haben eine subjektive Wahrnehmung, die geprägt ist von unserer Vergangenheit. Somit besitzt jeder Mensch eine andere Wirklichkeit. Diese ist abhängig von seinen individuell erfahrenen Ereignissen in seinem Leben. Es ist für uns alle wichtig, dass wir in diesen (unseren) Erfahrungen ernstgenommen werden. Für eine gelungene Therapie ist es unabdingbar, dass die Klienten in ihrem individuellen Erfahrungsprozess von uns als Suchtexperten bestärkt werden. Dies geschieht unter anderem auch dadurch, dass die subjektive Wirklichkeit eines jeden als (für ihn) bedeutend wahrgenommen und anerkannt wird.

7. Beziehungsbedürfnis nach Einfluss: Immer wieder erleben wir es im Therapiezentrum, dass Klienten mit neuen Ideen hinsichtlich des Therapieablaufes zu uns kommen. Hier ist es uns wichtig, diese Beiträge dankbar anzunehmen, sie einer kritischen Betrachtungsweise zu unterziehen und, sollten sie nicht realisierbar sein, den Klienten hierzu auch eine ernsthafte Stellungnahme zu geben.

8. Beziehungsbedürfnis, Etwas zu geben: Für viele Klienten ist die Therapie bei uns die erste Situation - nach mitunter sehr langer Zeit - in der man ihnen mit Respekt, Wertschätzung und Empathie begegnet. Sie haben dann oft das dringende Bedürfnis, uns etwas zurückgeben zu wollen. Dies ist völlig normal, sofern es sich um ein Ereignis handelt, das keinen sich ständig wiederholenden Charakter bekommt. Hier ist es allerdings wichtig zu erklären, dass wir unsere Klienten auch ohne Aufmerksamkeiten in ihrem Wesen schätzen.

Dies ist ein kurzer Abriss unserer Arbeit mit den unterschiedlichen Beziehungsbedürfnissen unserer Klientel. Es geht hierbei um unsere täglichen Tätigkeiten in den unterschiedlichen Funktionen im Therapiezentrum. Wir versuchen auf diese Weise einen Beitrag dazu zu leisten, dass die oftmals verletzten Beziehungsbedürfnisse unserer Klienten durch positive Beziehungserfahrungen in der Therapie wieder ein Stückchen Heilung erfahren.

Wissenswertes - Sinikka Huhndorf
07.02.2017
Mineralstoffmangel bei der chronischen Alkoholkrankheit

MINERALSTOFFE oder ELEKTROLYTE (Calcium, Kalium, Magnesium, Natrium, Chlorid) sind für den Organismus lebenswichtig und müssen täglich über die Nahrung aufgenommen werden. Die Konzentration der Mineralstoffe kann im Serum bestimmt werden.

CALCIUM ist mengenmäßig der wichtigste Mineralstoff im Körper. Ein gesunder Erwachsener enthält 800 – 1000 g. Mehr als 99,5 % sind in Knochen und Zähnen lokalisiert. Wir benötigen Calcium nicht nur für die Knochen, sondern auch für die Kontraktion der Muskeln, das Nervensystem, die Ausschüttung von Insulin über die Bauchspeicheldrüse, die Blutgerinnung und die Gesunderhaltung der Darmschleimhaut.

Der Calciumbedarf beträgt 1000 – 1500 mg/Tag.
Calcium ist besonders in Milch und Milchprodukten zu finden. 
In den pflanzlichen Lebensmitteln Grünkohl, Mandeln und Haselnüssen sind nennenswerte Mengen Calcium enthalten. 110 g Hartkäse oder 750 g Joghurt oder 450 g Haselnüsse oder 850 ml Magermilch oder 1100 g Hüttenkäse oder 450 g Grünkohl enthalten die tägliche Zufuhrmenge. Oxalsäure (enthalten in Spinat, Tomaten, Rhabarber, Schokolade) kann die Calciumaufnahme negativ beeinflussen. Die Calciumaufnahme über den Darm wird durch Vitamin D gefördert. Medikamente gegen Epilepsie, Magensäureblocker und regelmäßiger Alkoholkonsum können die Calciumaufnahme stören. 
Der Alkohol führt zu einer Steigerung der Ausscheidung im Urin. Bei der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung (keine Seltenheit bei der chronischen Alkoholkrankheit) kann es zu Calciummangel kommen.
Von den Calcium-Mangelerscheinungen ist die Osteoporose, die bei den chronisch Alkoholkranken gehäuft vorkommt, von größter Bedeutung. Die Knochenentkalkung führt zu zunehmender Knochenbrüchigkeit. Die empfohlene Therapie: tägliche Einnahme von Vitamin D3, Calcium und Magnesium.

MAGNESIUM ist an fast allen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Der größte Teil befindet sich in den Knochen. In den Muskeln ist reichlich Magnesium eingelagert und hier wirkt es als Gegenspieler von Calcium.

Der tägliche Magnesiumbedarf beträgt 350 - 400 mg.

Es ist in der Regel schwierig, den Bedarf an Magnesium täglich zu decken, da magnesiumreiche Kost sehr fetthaltig ist und nur in wenigen Lebensmitteln enthalten ist. Gute Lieferanten sind Nüsse, Hülsenfrüchte sowie magnesiumreiches Mineralwasser.            
100 g Sonnenblumenkerne oder Leinsamen oder Haferflocken oder 200 g Nüsse enthalten die empfohlene tägliche Zufuhrmenge.  

Da bei regelmäßigem Alkoholkonsum Magnesium vermehrt ausgeschieden wird, kommt Magnesiummangel bei Alkoholabhängigen häufig vor. Auch durch Erbrechen oder Durchfall (bei der chronischen Alkoholkrankheit häufig anzutreffen) wird Magnesium ebenfalls vermehrt ausgeschieden. Typische Magnesium – Mangelsymptome sind Muskelkrämpfe (nächtliche Wadenkrämpfe), Kopfschmerzen, Migräne, Schlafstörungen, Nervosität, Depressionen, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck.
Die empfohlene Therapie: Magnesium in Form von Tabletten oder Kapseln über den Tag verteilt in kleinen Portionen einnehmen.

KALIUM gehört zu den wichtigsten Mineralstoffen. Es kommt vorwiegend innerhalb der Zellen vor und ist für den Elektrolythaushalt von entscheidender Bedeutung. Bei der Funktion von Nerven, Muskeln und Herz spielt es eine wichtige Rolle.

Der Tagesbedarf beträgt 2000 mg.

Kalium ist in allen Lebensmitteln vorhanden. Gute Quellen sind Spinat, Mangold, Feldsalat. Der Tagesbedarf ist mit 500 g Gemüse gedeckt.
Kaliummangel tritt meistens als Folge von Kaliumverlust auf: Erbrechen und Durchfall (wie es bei den Alkoholabhängigen gehäuft vorkommt), Abführmittelmissbrauch, Diuretika (harntreibende Mittel), übermäßiger Konsum (2 – 3 l/Tag) von Cola-Getränken.
Die Symptome sind Schwäche bis zu Lähmungen der Skelettmuskulatur, Verstopfung bis zum Darmverschluss sowie Beeinträchtigung der Herzfunktion mit Neigung zu Rhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand. 
Gewebswasseransammlungen können bei Kaliummangel auftreten.
Therapie des Kaliummangels: kaliumhaltige Lebensmittel Obst und Gemüse, getrocknete Früchte und bei Bedarf Kaliumpräparate.

NATRIUM und CHLORID sind wichtige Mineralstoffe in allen Körperflüssigkeiten. 
Der Natriumstoffwechsel verläuft parallel zum Chloridstoffwechsel.

Die tägliche Kochsalzzufuhr (Natriumchlorid) sollte 6 g nicht übersteigen.

In den Grundnahrungsmitteln ist relativ wenig Natrium und Chlorid enthalten.

Gründe für Natriummangel können Erbrechen und Durchfall, Leberzirrhose oder Herzinsuffizienz (Wasserüberschuss) sein. Der Blutdruck kann niedrig sein, der Herzschlag beschleunigt, Muskelkrämpfe können vorkommen.

Ein Natriummangel kann zu Wasserverschiebungen, insbesondere ins Gehirn (Hirnödem), mit Hirndrucksteigerung führen. Es dominieren Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Tremor, Krampfanfälle. Unbehandelt kann es zu Bewusstseinsstörung bis zu zentraler Atemlähmung kommen. Diese Erkrankung kann tödlich enden.  

Therapie des Natriummangels: Kochsalzgabe in Form von Tabletten oder als Infusion.

In den beiden Therapiezentren der Agil-Sozialpädagogik werden Mineralstoffe (Elektrolyte), etwaige Mangelerscheinungen sowie die therapeutischen Optionen im Rahmen der Ernährungsmedizin mit den Klienten ausführlich besprochen.

Wissenswertes - Dietmar Haider
09.12.2016
Case Management als Allheilmittel in der Sozialarbeit?

Die Wurzeln des Case Managements (im Folgenden CM) liegen Kleve (2006) zufolge in den USA, wo man Ende der 1970er Jahre dazu überging, die stationäre Unterbringung von Klienten der Sozialarbeit abzubauen und die-se möglichst in ihren je individuellen Lebenswelten zu betreuen. CM bietet also eine lebensweltlich fokussierte soziale Unterstützung, was Social Casework, die soziale Einzelfallhilfe, allerdings ebenso leistet. Das wirft zu-nächst die Frage auf, was CM – im Vergleich zu Social Casework – denn eigentlich ist?

Es finden sich für beide Ansätze naturgemäß eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen, die prägnanteste lie-fert m. E. die simple (semantische) Transformation ins Deutsche: Soziale Einzelfallarbeit vs. Soziales Einzel-fallmanagement. Während sich die Einzelfallarbeit auf das einzelne Individuum konzentriert und dabei vor allem funktionale, psychosoziale und/oder problemlösende Ansätze verfolgt, versucht man beim CM, den Betroffe-nen – das können Einzelne, Familien oder Gruppen sein – benötigte Leistungen über die Verbindung individuel-ler und institutioneller Systeme entlang definierter Effektivitäts- und Effizienzkriterien zuzuführen. CM fungiert somit als Schnittstelle zwischen Klienten und Versorgungssystem, das neben formellen auch informelle Res-sourcen integriert – mit dem primären Ziel, den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und dabei ökonomi-schen Kriterien hinsichtlich der Versorgungssysteme, sprich: v. a. staatlicher Leistungen zu genügen, also zu sparen.

Bei der Arbeit im Therapiezentrum verfolge auch ich das Primat der Hilfe zur Selbsthilfe. Die Klienten sollen, um mit Freud zu sprechen, Herr im eigenen Haus, d. h. kompetent werden, ihr Leben in Eigenregie zu meistern und bei Problemen in der Lage sein, individuelle, soziale und institutionelle Ressourcen entsprechend zu aktivieren. Der CM-Ansatz stellt auch eine probate Methode dar, einen Fall aus einer sozusagen auktorialen Perspektive zu bearbeiten, alle tatsächlich oder potenziell am Hilfeprozess Beteiligten mit ihren jeweiligen Möglichkeiten zu identifizieren, den Wert gut geplanter Vernetzungs- und Vermittlungsarbeit zu erkennen, ihre Vorzüge zu nutzen und dabei ressourcenschonend, nicht zuletzt im eigenen bzw. im Interesse der Einrichtung zu agieren.

Trotz all dieser methodischen Vorzüge kann in unserem multidisziplinären Setting auf eine lebensweltorientierte Einzelfallhilfe nicht verzichtet werden, besonders dann, wenn die zu bearbeitenden Probleme in den Klienten selbst lokalisiert werden. Zudem haftet dem CM ein wenig der Geruch an, Erfüllungsinstrument für einen auf dem Rückzug befindlichen Sozialstaat zu sein oder dies zumindest zu werden. „Hilfe zur Selbsthilfe“ und „Res-sourcenorientierung“ können auch als euphemistisch interpretierte Schritte zu einer in Wahrheit umfassenden Verschlankung der sozialen Systeme sein, die immerhin integrale Bestandteile unseres bewährten gesellschaft-lichen Konzeptes, der sozialen Marktwirtschaft, darstellen. Dass dies nicht völlig von der Hand zu weisen ist, zeigt sich auch in der täglichen Arbeit mit und für die Klienten. Beispielsweise nehmen wir besonders in letzter Zeit länderspezifische Novellierungen in den Mindestsicherungsgesetzen wahr, die die Kürzung einzelner sozia-ler Leistungen zum Ziel haben.

Es zeigt sich also, dass das CM eine ambivalente Angelegenheit ist, deren methodische Vorzüge man in Er-gänzung zur Einzelfallhilfe durchaus nutzen sollte, deren implizite negativen Potenziale jedoch nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Insofern ist es nicht angebracht, es zum Allheilmittel sozialer Arbeit zu erheben.

Zum Nachlesen:
Kleve, Heiko (2006): Systemisches Case Management. Eine effektive und effiziente Methode lebensweltlich und sozial-räumlich orientierter Fallarbeit. In: SIO – Sozialarbeit in Oesterreich. Zeitschrift für Soziale Arbeit, Bildung und Politik 1/06, S. 14-

Wissenswertes - Christina Lora-Turteltaube
07.06.2016
NachbetreuungNachbetreuung
NachbetreuungNachbetreuung

Die Nachbetreuung im Anschluss an eine Langzeittherapie in den Therapiezentren der Agil-Sozialpädagogik wird als integraler Bestandteil einer abstinenten Lebensführung betrachtet. Somit wird im Anschluss an den stationären Aufenthalt den Klienten eine suchtspezifische Nachbetreuung dringend angeraten. Die weiterführende ambulante Therapie soll die Aufrechterhaltung der erreichten Stabilität gewährleisten.

Die Erarbeitung einer passenden Betreuungsstruktur erfolgt gemeinsam mit dem Klienten, idealerweise in einzelnen Phasen. In einer ersten Phase wird von unserer Seite das Gespräch zu jenem Klienten gesucht, der sich ca. drei Monate vor Ende der stationären Therapie befindet.

Im Gespräch mit uns Sozialarbeiterinnen wird gemeinsam erläutert, wohin sich der Lebensmittelpunkt nach Beendigung des Therapieaufenthaltes verlagern wird. In diesem Zusammenhang wird ersichtlich, wo die Suche nach möglichen Angeboten der Nachbetreuung zu erfolgen hat.

In einer weiteren Phase werden gemeinsam mögliche Ziele zur Erreichung einer passenden Betreuungsstruktur festgelegt. Ein kurzfristiges Handlungsziel kann zum Beispiel die Kontaktaufnahme mit einer in Frage kommenden Einrichtung sowie die Vereinbarung eines Termins für ein Erstgespräch darstellen. Als ein weiteres Ziel kann noch während des stationären Therapieaufenthaltes, im Zuges eines therapeutischen Ausganges, ein erster Termin vor Ort wahrgenommen werden. In weiterer Folge geht es darum, aus mehreren möglichen Angeboten das für den Klienten passende auszuwählen.

Während der Umsetzung der vereinbarten Ziele nehmen wir Sozialarbeiterinnen die Rolle der vermittelnden Schlüsselperson ein. Der Klient findet von uns Unterstützung dabei, den (telefonischen) Kontakt zu einer Einrichtung zu knüpfen und wird unter Umständen zu einem ersten Termin begleitet. Somit besteht unser Aufgabenbereich in der Vernetzung zwischen Klientel und diversen Einrichtungen.

Abschließend erfolgt eine gemeinsame Reflexion über die eingeleiteten Maßnahmen bzw. getätigten Schritte, wobei die Klienten immer wieder auf die Wichtigkeit der Nachbetreuung hingewiesen werden – sei es die Inanspruchnahme von psychotherapeutischen Einzel- oder anderen Beratungsgesprächen (beispielsweise durch Sozialarbeitern) als auch von Gruppentherapien.

Wir Sozialarbeiterinnen in den Therapiezentren Eisenhut und Saualpe bieten gerne unsere Unterstützung bei der Suche nach einer passenden Einrichtung an. Für uns ist von großer Wichtigkeit, die Klienten weiterhin in professioneller Betreuung zu sehen. Diese soll ihnen vor allem die erste Zeit im Alltag außerhalb der Therapie erleichtern.

Wissenswertes - Sinikka Huhndorf
30.03.2016
Alkohol (-krankheit) und Störungen des Verdauungstrakts

Der Alkohol schädigt alle Organe, und so wird auch der Verdauungstrakt nicht verschont! Der VERDAUUNGSTRAKT besteht aus der Mundhöhle, dem Rachen, der Speiseröhre, dem Magen und dem Darm. Zu den Verdauungsorganen gehören die zwei großen Darmanhangsdrüsen: die Leber mit den Gallengängen und die Bauchspeicheldrüse.

Die Speiseröhre ist ein ca. 25 cm langer Muskelschlauch, der Rachen und Magen verbindet und ist ein Transportweg zwischen Mund und Magen.
Der Alkohol schädigt durch den direkten Kontakt die Schleimhaut der MUNDHÖHLE und der SPEISERÖHRE und verursacht häufig eine Entzündung insbesondere im unteren Drittel der Speiseröhre. Die Symptome der sogenannten Refluxösophagitis sind Sodbrennen, saures Aufstoßen (Rückfluss von Magensäure in den Mund), brennende Schmerzen hinter dem Brustbein und Schluckbeschwerden. In besonders schweren Fällen kann sich eine Verengung der Speiseröhre bilden. Die Refluxösophagitis entsteht dadurch, dass der Alkohol die regelmäßige wellenförmige Beweglichkeit der Speiseröhre hemmt und der Schließmuskel erschlafft. Dadurch fließt vermehrt Magensäure in die Speiseröhre zurück.

Beim chronischen Alkoholkonsum ist das Risiko für bösartige Tumorerkrankungen in Mundhöhle, Kehlkopf, Rachen und Speiseröhre erhöht. Dabei spielen die chronische Entzündung der Schleimhäute und der Rückfluss der Magensäure eine große Rolle.
Durch häufiges Erbrechen können in der unteren Speiseröhre längsgestellte, schmerzhafte Schleimhauteinrisse entstehen, das sogenannte Mallory-Weiss-Syndrom.
Bei der Leberzirrhose können sich die Venen in der Speiseröhre zu verletzungsempfindlichen Krampfadern (Ösophagusvarizen) erweitern, leicht platzen und zu lebensbedrohlichen Blutungen führen.

Die MAGENWAND besteht aus drei Muskelschichten. Dadurch kann sich der Magen kontrahieren, seine Größe anpassen, den Nahrungsbrei mit dem Magensaft mischen und den Nahrungsbrei zum Magenausgang transportieren.
Alkoholische Getränke wie Bier und Weißwein stimulieren die Magensäuresekretion. Es kann zu Magenschleimhautschäden und bis zu einer Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis) kommen.
Akuter Alkoholmissbrauch führt zu akuter erosiver Gastritis (blutige Magenschleimhautentzündung). Die Symptome der akuten Gastritis sind: Druckgefühl im Oberbauch, Völlegefühl, Übelkeit, Brechreiz.
Chronischer Alkoholkonsum verursacht chronische Magenschleimhautentzündung (chronische Gastritis). Die Symptome sind oft uncharakteristisch.
Bei dauernder Schädigung der Magenschleimhaut kann es zu Magengeschwüren (Ulcera) kommen. Etwa 15 % der Alkoholiker leiden unter Magengeschwüren.

Der DÜNNDARM, ca. 3 -4 m lang, besteht aus drei Abschnitten (Zwölffingerdarm oder Duodenum, Leerdarm oder Jejunum und Krummdarm oder Ileum) und ist der auf den Magen folgende Abschnitt des Verdauungsrohres. Der Dünndarm verdaut den Speisebrei zu Ende (mit Hilfe von Galle und Bauchspeicheldrüsensaft). Die dabei entstehenden Bruchstücke werden über die Dünndarmschleimhaut in den Kreislauf aufgenommen.
Im Dünndarmbereich führt die Alkoholwirkung zu Zwölffingerdarmentzündungen (Duodenitis), zu Geschwüren und zur bakteriellen Fehlbesiedlung.

Chronischer Alkoholmissbrauch führt häufig zu Durchfällen, Mangelernährung und Gewichtsverlust. Chronisch Alkoholkranke nehmen ca. 50 % der täglichen Energiezufuhr in Form von Alkohol auf, und alkoholische Getränke enthalten kaum wichtige Nährstoffe.
Der Alkohol hat eine direkt toxische Wirkung auf die Darmschleimhaut, die zu gestörter Resorption der Nährstoffmoleküle führt.
Es wird die Aufnahme von Glucose, Xylose, Laktose, bestimmten Aminosäuren, Elektrolyten (Natrium, Kalium, Magnesium, Chlorid) und wasserlöslichen Vitaminen wie Folsäure, Vitamin B1 und B12 gestört.

Der DICKDARM und der Mastdarm (Rektum), ca. 1,5 m lang, bilden den letzten Abschnitt des Verdauungsrohrs. Eine wichtige Aufgabe des Dickdarms ist Wasser und Elektrolyte zurückzuresorbieren.
Bei den chronisch Alkoholkranken kommen vermehrt Durchfälle, Obstipation, Darmdivertikel, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (M. Crohn und Colitis ulcerosa) vor.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Alkoholmissbrauch und der Häufung von Rektumkarzinomen. Es dürfte vor allem die toxische Wirkung von Acetaldehyd (Alkoholabbauprodukt) von Bedeutung sein.  

In den beiden Therapiezentren werden regelmäßig im Rahmen der Ernährungsmedizin die Themenbereiche „Verdauungsapparat“ sowie „Magen-Darm-Erkrankungen bei der Alkoholkrankheit“ besprochen. Dies geschieht in Einzelgesprächen mit den Betroffenen und in den Gruppen.

Wissenswertes -
03.11.2015
Wohnungslosigkeit

Wohnungslosigkeit ist ein Thema, mit dem wir Sozialarbeiterinnen in unserer Arbeit mit suchtkranken Menschen immer wieder zu tun haben. 

Wohnungslosigkeit bezeichnet einen Zustand, in dem Menschen über keinen festen Wohnsitz verfügen und im Freien schlafen oder in Notunterkünften übernachten. Ein „treuer Wegbegleiter“ der von Obdachlosigkeit betroffenen Personen  ist häufig  Alkohol. Er hilft ihnen, aus der Realität zu flüchten und das Leben auf der Straße erträglicher zu machen. Daher hat Obdachlosigkeit oftmals übermäßigen Alkoholkonsum zur Folge. Gleichzeitig kann ein Alkoholmissbrauch bzw. eine Alkoholsucht aber auch den Verlust einer Wohnung bedingen. Laut einer Studie aus dem Jahr 1998 konsumieren 60% - 80% der obdachlosen Menschen regelmäßig Alkohol bzw. haben bereits ein manifestes Alkoholproblem (vgl. Pörksen/Wessel 1998; Henkel 1998a). Laut einer in Deutschland durchgeführten Erhebung leiden viele Obdachlose zusätzlich an psychischen Problemen. 

In unserer Arbeit in den Therapiezentren treffen wir immer wieder auf Klienten, die wohnungslos sind. Sie haben keine fixe Unterkunft, übernachten in Notschlafstellen oder schlafen im Freien. 

In Gesprächen zwischen Sozialarbeiterin und Klient wird der Grund für die Wohnungslosigkeit erhoben und in weiterer Folge wird versucht, Strategien zu erarbeiten, um einer zukünftigen Wohnungslosigkeit entgegen zu wirken. Vor allem in der zweiten Therapiehälfte wird diese Thematik verstärkt aufgegriffen. Es wird mit den Klienten erarbeitet, wohin es im Anschluss an die Therapie gehen soll und welche Art von Unterkunft sinnvoll ist. Hierbei wird der Gesundheitszustand des  jeweiligen Klienten berücksichtigt. Sollten medizinische Gründe oder schwere psychische Beeinträchtigungen vorliegen, sodass eine selbstständige Lebensführung nicht möglich ist, wird mit den Klienten nach Alternativen für eine eigene Wohnung gesucht, so z.B. werden die Klienten in teil- oder vollzeitbetreuten Wohneinrichtungen untergebracht. Diejenigen Klienten, deren Gesundheitszustand eine selbstständige Lebensführung zulässt, erhalten sozialarbeiterische Unterstützung bei der Suche nach eine passenden Wohnung.

Gesamt gesehen wird versucht, eine für den  Klienten optimale Wohnversorgung zu finden und damit ein für ihn bestmögliches Umfeld zu schaffen, welches zur Aufrechterhaltung der Abstinenz beitragen kann.

Wissenswertes -
30.07.2015
Beruflicher Wiedereinstieg

Arbeitslosigkeit wird von den Klienten oft als einschneidendes Erlebnis empfunden, das ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen hat. 

Lebensperspektive, gesellschaftliches Ansehen, finanzielle Absicherung, Lebenssinn und Lebensstruktur sind durch die meist bereits länger andauernde Arbeitslosigkeit ins Wanken geraten. 

Daher ist nach erfolgreich abgeschlossener Therapie die baldige Rückkehr in das Arbeitsleben sehr oft vorteilhaft. Eine längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt nach Therapieende würde die Rückkehr in den Arbeitsmarkt immer schwieriger machen. Arbeit bedeutet für Klienten, dass der Alltag einen stabilen Rhythmus und Struktur bekommt. Zusätzlich kann das Arbeitsleben zur psychosozialen Stabilisierung beitragen, da das Selbstwertgefühl gestärkt wird, regelmäßige soziale Kontakte ermöglicht und zur gesellschaftlichen Integration beiträgt. 

Die Integrationsphase stellt während des Therapieaufenthaltes  der Klienten, neben den suchttherapeutischen Maßnahmen, einen wichtigen Teil zur Erlangung und Erhaltung der Abstinenz dar. Diese Phase setzt nach 2/3 der Therapiezeit ein und soll die Klienten bei der sozialen und beruflichen Integration nach Therapieende unterstützen.

Während der Integrationsphase ist es wichtig auf eine schrittweise, systematische Vorgehensweise zu achten. Da die Klienten zumeist schon über längere Zeit nicht mehr im Arbeitsprozess integriert waren, würden sie durch den sofortigen Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt zumeist rasch massiv überfordert sein. Dies würde wiederum die Stabilisierung gegenüber der Alkoholerkrankung gefährden und die Gefahr eines Rückfalls erhöhen.

Die stufenweise Wiedereingliederung setzt aber auch die Bereitschaft der Klienten dazu voraus.

In der Integrationsphase wird daher besonders darauf geachtet, dass die Klienten ihre Ressourcen erkennen und sich ein gutes Zeitmanagement schaffen. Die tatsächliche Belastbarkeit und Stressresistenz wird sehr oft überschätzt. Finden Klienten nach Therapieende rasch einen Arbeitsplatz am 1. Arbeitsmarkt, müssen diese sehr oft erkennen, dass sie mit dem Tempo im Berufsleben nicht Schritt halten können. 

Ein gutes Instrument für den „sanften“ Wiedereinstieg stellt das berufliche Rehabilitationsgeld dar.  Es ist ein „Umschulungsgeld“ und wird nach Antrag und Überprüfung der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der gewünschten Maßnahme durch die zuständige Pensionsversicherungsanstalt gewährt und unterstützt die Klienten bei der Umsetzung ihrer beruflichen Zukunftspläne. Defizite in der Berufsausbildung und -erfahrung, würden die  Inanspruchnahme einer beruflichen Rehabilitationsmaßnahme rechtfertigen.

Während die medizinische Rehabilitation zum Ziel hat, die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit wiederherzustellen, steht bei der beruflichen Rehabilitation die Förderung und Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt im Vordergrund. Die berufliche Rehabilitation sollte sofort nach Beendigung der medizinischen Rehabilitation, einsetzen. Da eine Mehrzahl der Klienten über keinen beruflichen Abschluss verfügen, am aktuellen Arbeitsmarkt jedoch derzeit verstärkt Fachkräfte gesucht werden, kann durch die Inanspruchnahme des beruflichen Rehabilitationsgeldes der fehlende Lehrabschluss nachgeholt werden. Darüber hinaus ist für eine eventuell neue Berufswahl das Vorhandensein eines Lehrabschlusses wichtig. Oft ist sie sogar Voraussetzung für die Teilnahme an Umschulungsmaßnahmen. 

Zahlreiche Klienten beziehen während der Zeit ihres Aufenthaltes in unseren Therapiezentren das befristete medizinische Rehabilitationsgeld. Ca. drei Monate vor Ablauf des medizinischen Rehabilitationsgeldes wird gemeinsam mit den Klienten bei der Pensionsversicherungsanstalt, um Gewährung eines beruflichen Rehabilitationsgeldes angesucht. Es sollte im besten Fall bereits ein konkreter Schulungsplan als Begründung dafür vorliegen. Die endgültige Entscheidung ob eine berufliche Rehabilitation gewährt wird oder nicht obliegt schließlich der Pensionsversicherungsanstalt und dem Casemanagement.

Im konkreten Fall nehmen Klienten bereits während des Therapieaufenthaltes nach Rücksprache beim zuständigen Arbeitsmarktservice mit dem beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ) Kontakt auf. Nach einem Erstgespräch werden die notwendigen Unterlagen vorbereitet. Ca. drei Monate vor Beendigung des medizinischen Rehabilitationsgeldes kommt es zu einem Beratungstermin bei der zuständigen Pensionsversicherungsanstalt. Der Klient  legt seine bereits ausgearbeiteten Schulungspläne, welche die Sinnhaftigkeit der Gewährung des beruflichen Rehabilitationsgeldes belegen, vor. 

Da sowohl das Arbeitsmarktservice als auch das BBRZ über den Berufsplan des Klienten informiert sind, könnte er nach Erteilung der Bewilligung durch die Pensionsversicherungsanstalt in die Wirklichkeit umgesetzt werden.

Legen Klienten während der beruflichen Rehabilitation die Lehrabschlussprüfung erfolgreich ab, so besteht die Möglichkeit entweder im   erlernten Beruf als Fachkraft tätig zu sein oder sich einer völlig neuen beruflichen Perspektive zuzuwenden.

Wissenswertes - Christina Lora-Turteltaube
02.02.2015
Soziale Netzwerkarbeit in der Agil-Sozialpädagogik GmbH

In der Arbeit mit Suchtpatienten reichen beratende Interventionen bzw. Beratungsgespräche im klassischen Sinne oftmals nicht aus, wodurch Interventionen im sozialen Netzwerk erforderlich sind. Die Methode der Sozialen Netzwerkarbeit ist in bestimmten Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit von besonderer Bedeutung. Innerhalb der beiden Therapiezentren Eisenhut und Saualpe der Agil-Sozialpädagogik GmbH kommt diese Methode bei alkohol- und medikamentenabhängigen Menschen zur Anwendung.

Die Gestaltung von Netzwerken bildet eine wichtige Ergänzung zur sozialen Einzelfallhilfe. Im Bereich der sozialen Netzwerkarbeit wird zwischen persönlichem und institutionellem Umfeld unterschieden:
Seitens der Sozialarbeit werden bei Bedarf Angehörigengespräche (Aufklärung, Informationsvermittlung bezüglich finanziellen, behördlichen und Wohnungsangelegenheiten) angeboten. Des Weiteren bilden Institutionen wichtige Bausteine in der psycho-sozialen Versorgung. Im Speziellen für unsere Klienten zählen dazu: ambulante - (Alkohol- und Drogenberatungsstellen, Ärzte, und Psychotherapeuten) sowie stationäre - (andere Therapieeinrichtungen, Krankenhäuser und Kliniken und betreute Wohneinrichtungen) und weitere Einrichtungen wie Ämter und Behörden. Unsere Tätigkeit  hierbei umfasst die Koordination eines auf die individuelle Problemlage bzw. belastende Lebenssituation angeglichenen Unterstützungsnetzwerkes abgestimmt auf den jeweiligen Bedarf der einzelnen Klienten.

Die wichtigsten Ansprechpartner im Rahmen der Therapie bilden die Sozialabteilungen der zuständigen Ämter der Landesregierungen, Magistrate und Bezirkshauptmannschaften aus den sechs verschiedenen Bundesländern (Kärnten, Tirol, Salzburg, Burgenland, Steiermark und Oberösterreich). Die Kontaktaufnahme sowie  dessen Aufrechterhaltung erfolgen sowohl zur Klärung der Kostentragung als auch zu jener der Taschengeld- und Krankenversicherungsschutzsituation. Des Weiteren wird seitens der Sozialarbeit der Kontakt zu den vorbetreuenden und nachbetreuenden stationären bzw. ambulanten Einrichtungen hergestellt. Von besonderer Bedeutung in der Arbeit mit den Klienten ist ebenfalls die Vernetzung mit Gläubigern, Bezirksgerichten, Bewährungshelfern, Sachwaltern, da belastende Lebenssituationen oftmals mit finanziellen und behördlichen Angelegenheiten in Verbindung stehen.

Die Sozialarbeiterinnen der Therapiezentren Eisenhut und Saualpe betreuen daher nicht nur Klienten mit unterschiedlichen sozialen Backgrounds und individuellen Problemlagen, sondern stehen tagtäglich in Kontakt mit Personen unterschiedlichster Institutionen und Organisationen. Dies macht ihren bereits komplexen Tätigkeitsbereich noch umfangreicher. 
Ohne diese Vernetzung wäre die Arbeit mit und für die  Klienten nicht möglich und vor allem nicht hilfreich.

Pauls Helmut, Klinische Sozialarbeit. Grundlagern und Methoden psychosozialer Behandlung. 3. Auflage 2013

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