Therapeutisches Angebot - Margareta Rodler
30.05.2017
Bindung – Co-Abhängigkeit - Sucht

Michaela Huber (2012) beschreibt Bindung als die Fähigkeit einer spezifischen Form von Begegnung, bei der das Baby darauf drängt, einige wenige enge Beziehungen im frühen Leben einzugehen. Diese werden als ein basales, angeborenes Verhalten betrachtet. Hierbei sucht das Neugeborene Nähe zum versorgenden Erwachsenen. Es findet den „sicheren Hafen“, um bei Missstand getröstet zu werden und entwickelt somit sein Modell von sich im Verhältnis zum Bindungsobjekt (z. B. Mutter). Basierend darauf kann das Baby seine Welt erobern und sein Bindungsverhalten entwickeln (Brisch 2002, zit. nach Huber 2012).

In klinischen Studien zeigt sich deutlich ein Zusammenhang zwischen „unsicherer“ Bindung und dem Risiko einer psychischen Erkrankung. Wichtig ist, dass die Qualität der einzelnen Bindungsbeziehungen in den ersten Lebensjahren prägend ist. Die im Laufe des Lebens resultierenden weiteren Beziehungen werden an diesen gemessen und daraus interne Arbeitsmodelle entwickelt. Es entsteht ein allgemeiner Bewusstseinszustand, mit dem es gelingt, seine Erfahrungen zu integrieren. Dieser Mechanismus gibt uns auch die Chance, seinen eigenen Bindungsstil zu verändern und den Kreislauf der Weitergabe zu unterbrechen.

Der Begriff der „Co-Abhängigkeit“ beschreibt vor allem den Umgang mit einem suchtkranken Menschen. Dieser Begriff wurde im Laufe der Jahre auch sehr vielschichtig gedeutet und eingesetzt. Oft mit einer problematischen Assoziation. Die Erkenntnis, dass alle an einem System Beteiligten mehr oder weniger Einfluss ausüben können, wird bedenklich, wenn sekundäre Phänomene zu primären Problemen gemacht werden. Zum Beispiel: Durch die Suchterkrankung verursachte Probleme werden zunehmend als solche, welche durch die Partner aufrechterhalten werden, interpretiert. Hier wird es sehr bedenklich, wenn es Angehörigen nahegelegt wird, sehr strenge und kompromisslose Härte gegenüber dem suchtkranken Partner an den Tag zu legen. Bedenkt man die existenzielle Bedeutung von Bindung, sollte es gut überlegt sein, den abhängigen Angehörigen fallen zulassen. Die Hoffnung, dass sich dadurch ein Mensch von seiner Sucht lossagt und sich wieder mehr den Menschen zuwendet, kann sich rasch ins Gegenteil wandeln. Genauso wichtig ist es aber auch, dass Angehörige gut auf ihre Bedürfnisse achten und sich nicht vom süchtigen Verhalten von ihrem Leben abbringen lassen. Klingt einfach und scheint doch oft unmöglich. Auch hier gilt es, die Bindung nach Anteilen zu überprüfen, welche wertvoll bleiben und nicht von der Sucht dominiert werden (z. B. Angehörige besorgen keinen Alkohol und sie bieten auch keine Ausreden an).

Oft ist es durch die vielen und unterschiedlichen Einflussfaktoren und deren Wechselwirkung schwer möglich, ein annähernd überschaubares Bild von Sucht zusammenzustellen. Das heißt, die Wirkung psychotroper Substanzen (z. B. Alkohol) hilft, Nähe und Distanz in sozialen Interaktionen in einer subjektiv bekömmlicheren Art zu regulieren. So trägt es zum Aufbau eines, im Moment lebbaren, Erlebnisses und Handeln bei. Gleichzeitig kommt es allerdings auch durch das wiederholte Konsumieren zum Einschleichen anderer Erlebens- und Verhaltenssequenzen. Eine stärkere innere Bindung an den psychotropen Stoff entwickelt sich. Aussagen wie „ich gönne mir zur Entspannung einen Schluck…“ oder „ich trinke mir Mut an“ sind uns gut bekannt. Trinken wird zum Lösungsansatz, woran, trotz erlebter negativer Erfahrung und Konsumsteigerung zur Erhaltung der gewünschten Wirkung, festgehalten wird.

Von der Arbeit mit abhängigkeitserkrankten Menschen weiß man, dass der Begriff „Sucht“ weitgehend durch „psychische und körperliche Abhängigkeit“ abgelöst wurde. Das zeigt auch auf, dass hier ein multifaktorielles Bild eines menschlichen Verhaltens wahrgenommen wird. Es handelt sich um ein Zusammenspiel der folgenden Faktoren:

  • Biologische Faktoren (genetische Ausstattung, Besonderheiten des individuellen Stoffwechsels psychotroper Substanzen, somatische Faktoren wie z. B. Schmerzstörungen)
  • Psychischer (Temperament oder Persönlichkeitszüge wie z.B. komorbide Faktoren, Konsumerwartungen; Impulskontrolle)
  • Sozialer (familiäre Beziehungen, Peergroup-Beziehungen; Vorbilder; Verfügbarkeit psychotroper Substanzen)


Nun habe ich in meiner psychotherapeutischen Tätigkeit mit Personen zu tun, die dem Babyalter schon länger entwachsen sind. Somit haben sie schon Lebenserfahrungen gesammelt und für sich eingeordnet. Als Therapeutin biete ich Begegnung beziehungsweise Bindung in einem besonderen Kontext an. Eine tragfähige therapeutische Beziehung aufzubauen, ist zentral für einen therapeutischen Prozess und die Voraussetzung für jede korrigierende Beziehungserfahrung. Dies sehe ich als eine wichtige Stütze dafür an, die Substanz als Beziehungsersatz nicht mehr benutzen zu müssen.

Therapeutisches Angebot - Mario Obersteiner
04.04.2017
Intrapsychisches Erklärungsmodell der Alkoholabhängigkeit

Bereits der Probierkonsum von psychotropen Substanzen wie Alkohol und die damit einhergehen-den kurzfristig eintretenden und subjektiv angenehmen Wahrnehmungen und Erfahrungen kön-nen dazu beitragen, dass es aufgrund einer positiven Verstärkung zu einer erhöhten Wahrschein-lichkeit von wiederholtem Alkoholkonsum kommt. Die enthemmende/stimulierende oder dämp-fende/beruhigende Wirkung des Alkohols macht es in sozialen Situationen wie z.B. einem Treffen mit Kollegen nach der Arbeit leichter „geselliger“ zu sein, vor allem für unsichere Personen. Unter dem Einfluss von Alkohol oder bestimmten Medikamenten kann sich das Wohlbefinden bei Feier-lichkeiten und anderen sozialen Begegnungen erhöhen. Mit Alkohol können viele Menschen ihren Gefühlen freien Lauf lassen oder angenehme Erlebnisse intensiver genießen, andere trauen sich Verhaltensweisen zu, für die sie sonst eher zu schüchtern sind. Es gelingt dann leichter mit mehr Selbstbewusstsein aufzutreten, in eine heitere Stimmung zu kommen, gleichzeitig treten Ängste und Sorgen in den Hintergrund und man fühlt sich insgesamt weniger belastet.
 
Mit der Zeit entwickeln sich jedoch Gewohnheiten, zu bestimmten Tageszeiten eine beruhigen-de/dämpfende Wirkung (z.B. nach Dienstschluss) zu suchen, um den Stress und/oder Druck nicht mehr spüren zu müssen und wiederum zu anderen Gelegenheiten einen aufputschen-den/stimulierenden Effekt zu erzielen, um etwa eine  höhere Leistungsanforderung besser aushal-ten zu können.

In solchen „gewohnten“ Trinksituationen werden suchtspezifische Gedanken automatisch aktiviert – z.B. „Alkohol hilft mir dabei, dass ich den Druck in der Arbeit nicht mehr spüre und meine Probleme und Sorgen verschwinden“. Die Betroffenen überprüfen aber die Wahrheit dieser Gedanken nicht, respektive machen sie nicht die Erfahrung, dass diese verzerrt sind und nicht der Realität entspre-chen – d.h., dass der Alkohol nicht ihre Sorgen und Probleme löst, sondern diese nur für kurze Zeit, geschuldet der sogenannten positiven Wirkung der Substanz, in den Hintergrund treten lassen.

Die negative Wirkung hingegen ist, dass es je nach Substanz (z.B. Alkohol) zu einem relativ ra-schen Gewöhnungseffekt kommt und der positive Effekt dann kürzer anhält. Es kommt zu einer Toleranzentwicklung die in weiterer Folge zu einer Dosiserhöhung führt, um so zumindest die be-reits gewohnte Wirkung (Enthemmung/Stimulierung resp. Dämpfung/Beruhigung) erleben zu können. Zudem kommen noch zusätzliche unangenehme Nebenwirkungen hinzu, die irgendwann die Form der bekannten Entzugserscheinungen wie Zittern, Schwitzen, Erbrechen, etc. annehmen können. In weiterer Folge etablieren sich aus den unangenehmen Nebenwirkungen zusätzliche Trinkmotive – nämlich jene, um diese negativen Zustände mittels Substanz auch in den Hinter-grund zu versetzten.

Dies führt zu einem Teufelskreis aus dem ein Ausstieg aufgrund einer ständigen Wechselwirkung sehr schwer fällt.

Therapeutisches Angebot - Erich Kugler
21.03.2017
Beschäftigungstherapie im Therapiezentrum Saualpe

Montags bis freitags sind unterschiedliche Therapeuten in unserem Therapiezentrum anwesend, der therapeutische Ablauf erstreckt sich unter der Woche über den Zeitraum von acht bis siebzehn Uhr. Danach beginnt für unsere Klienten die „therapiefreie“ Zeit, der späte Nachmittag und der Abend, können für unsere Klienten oft sehr lange werden. Auch die Wochenenden können sich dann dahinziehen.

Manche Männer suchen in dieser therapiefreien Zeit eine Beschäftigung, andere wiederum wissen nur wenig mit ihrer freien Zeit anzufangen. Wir Betreuer versuchen laufend situationsbezogene Beschäftigung anzubieten. Auch im Rahmen der Instandhaltung des Hauses durch die Betreuer versuchen wir die Klienten miteinzubinden.

Wenn jemand selbst wenig mit seiner Zeit anfangen kann, ist es nützlich, Möglichkeiten von unterschiedlichen Beschäftigungen anzubieten. Das reicht vom Ausmalen, Garten abzäunen, Brot backen bis hin zum Pilzsammeln.  Beschäftigung ist einfach gut gegen die Langeweile des Alltags. Da bekommen die Klienten neue Ideen, was man so alles machen kann. Auch eigene handwerkliche Fähigkeiten werden (re-) aktiviert.

Für mich, als Betreuer des Therapiezentrums Saualpe, sollte Beschäftigungstherapie immer einen Sinn ergeben. Darum versuche ich Beschäftigungen zu finden, die für die Klienten sichtbar sind und einen Mehrwert für alle bieten können. Die Teilnehmer sollten bei der Planung, Ausführung und Nachbearbeitung dabei sein. 

Dazu bringe ich ein gutes Beispiel: Im Herbst kam die Anfrage von einem Klienten, ob wir nicht einmal ein Lagerfeuer machen könnten. Bald waren einige Interessenten gefunden. Es wurde Schadholz aus dem Wald geholt. Ich nahm eine Motorsäge mit und wir zerkleinerten die Baumreste. Danach wurde das Holz aufgeschlichtet. Für das Wochenende planten wir unser erstes Lagerfeuer mit Würstelgrillen und selbst produziertem Steckerlbrot. Unter den Klienten konnte auch ein versierter Gitarrenspieler gefunden werden, der die positive Stimmung zusätzlich bereicherte.

Aus dem einen Lagerfeuer wurden schließlich einige sehr schöne Samstagabende. So wurde aus einer kleinen Idee einer Beschäftigung im Herbst für die Einen eine regelmäßige Freizeitaktivität und für die Anderen eine sinnvolle Beschäftigung. 

Im Frühjahr werden wir wieder einen Gemüse- und Kräutergarten anlegen. Ein größeres Projekt wird die Arbeit an den Abtrennungen bei den Balkonen sein. Ich freue mich schon darauf, die Herren zu aktivieren und zu motivieren, an den Projekten aktiv teilzunehmen.

Therapeutisches Angebot - Markus Ruppnig
21.02.2017
Warum das Angebot der Sporttherapie bei Suchterkrankten?

In einer Studie zwischen aktiven und passiven Personen konnte festgestellt werden, dass sportliche Menschen signifikant weniger Nicotin, Alkohol und illegale Drogen konsumieren als inaktive (Escobedo et al. 1993; Kulig et al. 2003; Ströhle et al. 2007; Terry-McElrath u. o´Malley 2011).

Dies konnte auch in einer Zwillingsstudie beobachtet werden, die über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren während der Adoleszenz1 durchgeführt wurde. Die im Jugendalter sportlich aktiveren Geschwister konsumierten im Erwachsenenalter signifikant weniger Tabak bzw. illegale Drogen (Korhonen et al. 2009; Kujala et al. 2007).

Es ist auch wissenschaftlich belegt, dass die Beziehung zwischen körperlicher Aktivität und Substanzgebrauch korreliert, da nach einer zwölfwöchigen Trainingsintervention von 329 Jugendlichen nachgewiesen wurde, dass nicht nur der körperliche Fitnesszustand verbessert werden konnte, sondern auch weniger Studienteilnehmer Alkohol und Nikotin konsumierten (Collingwood et al., 2000).

Auch in den beiden Therapiezentren der Agil-Sozialpädagogik sind die trainings- und bewegungstherapeutischen Zielsetzungen gegliedert in Ziele für

  • Körperstruktur: Verbesserung des kardiovaskulären- und des Nervensystems, des Immun- und Atmungssystems sowie des Verdauungs-, Stoffwechsel- und endokrinen Systems,
  • Körperfunktion: Verbesserung und Stabilisierung der Ausdauerkapazität, Ökonomisierung des Herz-Kreislauf-Systems, Verbesserung der aeroben Kapazität, Erhaltung/ Wiederherstellung von Körperwahrnehmung, Kraft, Koordination, Flexibilität,
  • Aktivitäten und Partizipation2: Verbesserung der Handlungskompetenz sowie der Aktivitäten des täglichen Lebens, Erneuerung der sozialen Kompetenz mit Mitteln der Bewegung und des Sports, Vermittlung von Selbstwahrnehmung und eines Leistungsmotivs, Soziale Interaktion, Selbststeuerung und Selbstkontrolle  - sowie
  • Umweltfaktoren: Motivation und Vermittlung zu krankheitsangepasster körperlicher Aktivität, Verbesserung der körperlichen Aktivität.

Durch die unterschiedlichen Settings der trainings- und bewegungstherapeutischen Einheiten (Einzel- wie auch Gruppentraining) führen das Bewegungs- und Konditionstraining, die Durchführung von Spielsportarten sowie erlebnispädagogische Maßnahmen bei unseren Klienten zu Muskelaufbau, Verbesserung der Koordination und des Gangbildes sowie der Steigerung der aeroben Leistungsfähigkeit. Durch den Abbau von Ängsten und Hemmungen sollen die Handlungs- und Verhaltensmuster sowie die soziale Integration und das Spüren der Gruppendynamiken emotional positiv verstärkt werden. 

__________________________________
Endphase des Jugendalters
das Teilhaben, teilnehmen, beteiligt sein

Therapeutisches Angebot - Bettina Puster
24.01.2017
Stress

Das Wort Stress kommt aus der englischen Sprache und bedeutet im ursprünglichen Sinn „Dehnung, Beanspruchung“.

Der österreichisch-kanadische Mediziner und Pionier der Stressforschung Hans Selye hat den Begriff erst in den 1930er Jahren geprägt. Selye hat den Begriff aus der Physik entlehnt, um die „unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anforderung“ zu benennen. Stress bedeutet in der Werkstoffkunde die Veränderung eines Materials durch äußere Krafteinwirkung: es folgen Anspannung, Verzerrung und Verbiegung. 

Ursprünglich sollte der Begriff nur beschreiben, was im Körper passiert, wenn er belastet ist. Stress ist also zunächst ein neutraler Ausdruck und ein Symbol für Belastung ganz allgemein geworden. Die negative Komponente hat Selye ursprünglich DISSTRESS genannt, während er positiven Stress als EUSTRESS bezeichnete.

EUSTRESS (griechische Vorsilbe eu-): bedeutet wohl, gut, richtig, leicht positiver Stress (Herausforderung, Muntermacher, gesteigerte Leistungsfähigkeit und Kreativität).

DISSSTRESS oder DYSSTRESS (griechische Vorsilbe dys- ): bedeutet miss, schlecht negativer Stress (die Bewältigungsmechanismen sind erschöpft oder überfordert).

Stress erlebt und spürt jeder anders im Körper. Stress ist eine Aktivierungsreaktion unseres Körpers. Ob diese Aktivierung für den Körper positiv (Eustress) oder negativ (Disstress) ist, ob sie gesundheitsschädlich oder gesundheitsfördernd ist, hängt von unserer Bewertung der Stressfaktoren ab.

Stress wird dann als negativ empfunden, wenn er häufig oder dauerhaft auftritt und körperlich und oder psychisch nicht kompensiert werden kann und deshalb als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd gewertet wird. Insbesondere können negative Auswirkungen auftreten, wenn die individuelle Person keine Möglichkeiten zur Bewältigung der Situation sieht oder hat.

Ob Stress positiv oder negativ für den Organismus ist hängt also davon ab:

  • Ob wir die Stressfaktoren als positiv oder negativ bewerten
  • Ob wir uns der Situation gewachsen fühlen und uns sicher fühlen
  • Ob wir uns freiwillig in die Situation begeben und
  • Wie lange ein als negativ bewerteter Stress anhält

Psychosoziale Stress-Faktoren:

Schwerwiegende Lebensereignisse, die beim Menschen Stress auslösen können, sind insbesondere der Tod eines nahen Mitmenschen und die Trennung durch eine Ehescheidung. Weitere Stress-Faktoren sind:

  • Chronische Konflikte in einer Paarbeziehung
  • Zeitmangel, Termindruck
  • Lärm
  • Geldmangel, Armut, Schulden, Überschuldung
  • Mobbing am Arbeitsplatz
  • Angst nicht zu genügen (Versagensangst)
  • Perfektionismus (überhöhte Ansprüche an sich selbst und an andere)
  • Soziale Isolation, Verachtung und Vernachlässigung
  • Schlafentzug
  • Reizüberflutung
  • Krankheiten und Schmerzen
  • Seelische Probleme, unterschwellige Konflikte

Stressreaktionen werden durch STRESSOREN (= belastende Reize) ausgelöst, die man in unterschiedlicher Weise klassifizieren kann:

  • Chemische Stressoren wie Drogen oder Chemikalien
  • Körperliche Stressoren wie Hitze, Kälte, Lärm, Hunger, Infektionen oder Verletzungen
  • Seelische Stressoren wie Versagensängste, Zeitdruck, Leistungsüberforderung – bzw. Unterforderung
  • Soziale Stressoren wie Konflikte, Meinungsverschiedenheiten, Verlust von Angehörigen und Ablehnung durch andere Menschen, Isolation, Gruppendruck, Rivalität und Intrigen

Hier die häufigsten körperlichen, geistigen und psychischen Symptome, die bei länger andauerndem Stress auftreten können (Stresssymptome, die sich körperlich, geistig und im Verhalten bemerkbar machen:

  • Herzkreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindel, Herzrasen, Atembeschwerde
  • Schmerzen wie etwa Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Gelenksschmerzen
  • Störungen des Magen-Darmtraktes wie etwa Durchfall, Verstopfung, Magendruck, Reizdarm, Reizmagen, Sodbrennen
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger
  • Schlafstörungen – wie Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, Ausschlafstörungen
  • Unkontrollierbare Zuckungen, Muskelkrämpfe
  • Allergien, Hautirritationen
  • Konzentrationsstörungen, Denkblockaden, Vergesslichkeit, Wortfindungsprobleme, leicht irritierbar sein
  • Nägel kauen, Zähneknirschen, Schluckbeschwerden
  • Ruhe – und Rastlosigkeit, Nervosität
  • Chronische Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Sexuelle Probleme, Erektionsprobleme

Stress Symptome, die sich psychisch bemerkbar machen:

  • Geistig nicht mehr abschalten können
  • Sich fremdbestimmt fühlen, sich hilflos fühlen, sich überfordert fühlen, sich in der Falle fühlen, sich wie in einem Hamsterrad fühlen
  • Innerlich unruhig fühlen
  • Schlecht gelaunt, gereizt bis hin zu aggressiv sein
  • Unzufrieden sein, lustlos sein – auch in sexueller Hinsicht
  • Ängstlich sein – man befürchtet vielleicht, den beruflichen Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, entlassen zu werden
  • Ärger und Wut über sich selbst, über die nachlassende psychische und seelische Belastbarkeit
  • Deprimiert sein, da man an sich und seinen Fähigkeiten zweifelt und nicht weiß, wie man einer Besserung der Beschwerden erreichen könnte

Stressbewältigung:

Um Stress zu reduzieren und damit seine eigene Arbeit und sein Leben in den Griff zu bekommen, unterscheidet man vier Wege:

  • Das Zeitmanagement, mit dem man die Arbeit in passende Zeitintervalle legt
  • Das Reizmanagement, mit dem man Störreize zu reduzieren oder zu kanalisieren versucht
  • Das Erregungsmanagement, dass die vegetative Reaktion auf Stressoren zu mindern sucht
  • Das Belästigungsmanagement, mit dem man die subjektive Bewertung von Stressoren ändern will

Viele unserer Klienten haben in der Vergangenheit unter Stress zur Flasche gegriffen und damit passive Stressbewältigung betrieben. Die alkoholinduzierte Entspannung hält allerdings nur circa zwei Stunden an, danach bewirkt der Alkohol selbst eine erneute Spannungsphase. Weiterer Alkoholkonsum zum Spannungsabbau eröffnet hier langfristig einen Teufelskreis. In der Therapie lernen unsere Klienten diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem mit ihnen Strategien zum adäquaten Umgang mit Stresssituationen erarbeitet werden.

Therapeutisches Angebot - Marion Girbl-Weinmüller
10.01.2017
Upcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetztUpcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetztUpcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetzt
Upcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetztUpcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetztUpcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetzt

Erstmalig erwähnt wurde der Begriff Upcycling 1944 in einem Artikel in der britischen Zeitschrift „Salvo“, in dem der Ingenieur Reiner Pilz, mit seiner Kritik an der Abfallrahmenrichtlinie und der Praxis beim Baustoffrecycling zitiert wird: „‚Recycling‘, sagte  er‚ich nenne es Downcycling. Sie schlagen Steine kaputt, sie schlagen alles kaputt. Was wir brauchen, ist Upcycling, wo alte Produkte einen höheren Wert erhalten, keinen geringeren.‘“ (Quelle Wikipedia)

Upcycling gewinnt in der heutigen Zeit aus mehreren Gründen an Bedeutung – neben dem zunehmenden Rückgang der Ressourcen kann man auch von einem ästhetischen, kreativen Trend sprechen, der gesellschaftlich durchaus große Kreise zieht und sein Standing im Bereich von gehobenem Design und Kunst genauso findet, wie in der DIY-Bewegung (Do-it-yourself) oder auch in der Therapie.

Vor allem im Bereich der Langzeittherapie finden sich dabei interessante Projekte, die das Upcycling- Thema erfolgreich umsetzen. Zum Beispiel das Projekt „Gabarage Upcycling Design“ in Wien, wo ehemals drogenabhängige Menschen auf dem Weg in einen geregelten Arbeitsalltag begleitet werden. Oder auch das Upcycling Hotel Binder mit 13 Designzimmern.

Auch im Therapiezentrum Eisenhut der AGIL-Sozialpädagogik GmbH auf der Flattnitz, wird das Thema Upcycling im Rahmen der Ergotherapie unterschiedlich realisiert und neu in Szene gesetzt. Eines der dabei verwendeten Materialen ist Schwemmholz. Die Arbeit mit diesem vermeintlich „wertlosen“ Material hat auch therapeutisch mehrere positive Aspekte zu bieten.

In der Auseinandersetzung mit dem Material entwickeln die Klienten häufig ein kreatives Potential, das Ihnen oft gar nicht bewusst ist. Manchmal entsteht zuerst die Idee für ein Werkstück und dann geht es darum, die passenden Holzstücke dafür zu finden. Oder ein Holzstück besticht durch seine außergewöhnliche Beschaffenheit, Struktur und es gilt zu entscheiden und sich auf den kreativen Prozess einzulassen, was daraus entstehen könnte.

Aus therapeutischer Sicht beinhaltet gerade das Schwemmholz sehr interessante Möglichkeiten hinsichtlich dem Erwerb und Ausbau verschiedenster Fähigkeiten. Die Bearbeitung erfordert aufgrund der Beschaffenheit oft hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Gleichzeitig bietet es ein großes Übungsfeld im Umgang mit Widerständen und Hürden bzw. dem Erwerb und Ausbau von Fähigkeiten wie Ausdauer, Konzentration, Sorgfalt etc. Gleichzeitig ermöglicht es auch besondere Erfolgserlebnisse, wenn letztendlich aus etwas vermeintlich Nutzlosem ein außergewöhnliches Unikat entsteht!

Therapeutisches Angebot - Karin Ferstl
24.11.2016
Wickel und Auflagen

Die Anwendung von Wickel und Auflagen in der Pflege von Menschen ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon immer nutzte man die vielfältige Einsatzfähigkeit zur Anregung der Selbstheilungskräfte, zur Schmerzlinderung und Entspannung. Das vorrangige Ziel ist die Verbesserung der Befindlichkeit.

In den letzten Jahren haben komplementäre Pflegemaßnahmen, zu denen unter anderem auch die Wickel gehören, glücklicherweise wieder an Bedeutung gewonnen. Auch im privaten Bereich werden Wickel von Menschen, die auf der Suche nach ergänzenden Methoden zur Schulmedizin sind, mehr genutzt. Sie sind einfach anzuwenden, kostengünstig und bei richtiger Anwendung nebenwirkungsfrei.

Die positive Beeinflussung von Beschwerden geschieht vor allem über die Durchblutung. Durch den äußeren Impuls kommt es zu einer Reaktion im Inneren des Körpers. Abhängig von der angewandten Technik und Dauer, die der Wickel auf dem Körper bleibt, treten verschiedene Wirkungen ein. Als verstärkende Wirksubstanzen werden vor allem heimische Erzeugnisse aus Küche und Garten, Heilpflanzen, fette Pflanzenöle und ätherische Öle verwendet.

Wärme führt zu einer verstärkten Durchblutung, wodurch es zu einer Lösung von körperlichen Verkrampfungen und seelischen Anspannungen kommen kann. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Kartoffelwickel bei Verspannungen. Sehr häufig leiden Suchtpatienten an Entzugssymptomen wie Unruhe, innerer Getriebenheit und Schlafstörungen und hierbei können Wickel unterstützend gute Erfolge bringen.

Kühle Wickel bewirken eine Verengung der Blutgefäße, wodurch Schwellungen und entzündliche Prozesse zurückgehen können. Nach gezielten Kälteanwendungen kommt es zu einer Erweiterung der Gefäße, wodurch wieder Wärme entsteht. Fast jeder kennt die berühmt-berüchtigten Essigpatscherl, die jedoch ohne Essig genauso gut funktionieren.

Wickeltücher sollten immer aus natürlichen Materialien wie z.B. Baumwolle, Flanell, Leinen, Wolle sein. Bei der Auswahl der Temperatur bzw. des Wickelzusatzes ist es wichtig auf die Vorlieben der betreffenden Person einzugehen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Anwendung von Wickeln ist die psychosoziale Komponente: Die Ruhe und Zuwendung von Seiten der verabreichenden Person lassen Gefühle von Geborgenheit und Wohlbefinden aufkommen. Dies wirkt beruhigend und entspannend für Körper und Seele und ist besonders bei psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen ein wichtiger Teil des Heilungsprozesses.  Gestresste Menschen profitieren von Wickeln ungemein. Übermäßiger Stress ist krankheitsfördernd und ein wichtiger Auslöser von Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen, Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen – die Entspannung heilt.

Therapeutisches Angebot - Christa Bliem
08.11.2016
Malen als integraler Teil der KreativtherapieMalen als integraler Teil der Kreativtherapie
Malen als integraler Teil der KreativtherapieMalen als integraler Teil der Kreativtherapie

Die Kunst-Maltherapie findet ihren Ursprung in der psychoanalytischen Lehre C. G. Jungs. Die ersten Impulse zur Einbindung bildnerischen Gestaltens in therapeutische Maßnahmen gab es Mitte der 1920er Jahre in der Schweiz und in Deutschland. Einer der ersten, der das künstlerische Gestalten in eine Behandlung einbezog, war der Psychiater Leo Navratil. Er regte seine Patienten zu künstlerischer Tätigkeit an und nutzte das zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken. In ihrer Weiterentwicklung als handlungs- und erlebnisorientierte Methode dient sie dem Menschen zur Belebung der kreativen Kräfte und zur Stärkung innerer Ressourcen.

In Ergänzung zur bewährten psychotherapeutischen Behandlung wird auch in unserer Einrichtung den Klienten die Maltherapie angeboten. Therapeutisches Malen ist weit mehr als das Erschaffen von Gemälden. Es ist ein lebendiger Prozess, der zur inneren Friedensarbeit werden kann. Er beinhaltet das Kennenlernen der eigenen Gefühle, auch der eigenen Aggressionen und Abwertungen und ihre mögliche Verwandlung durch den Prozess der Bewusstwerdung. Es geht dabei einerseits um den Ausdruck von Gedanken und Gefühlen in kreativer Form und andererseits auch um die symbolische Bedeutung und Wirkung der Darstellung. Im Gestaltungsprozess werden innere Bilder, Gefühle, Vorstellungen, Wünsche, Bedürfnisse und Erfahrungen belebt, erlebt und zum Ausdruck gebracht. Durch kreatives Gestalten können Autonomie und Selbstwertgefühl gesteigert, eigene Ressourcen und Selbstheilungskräfte aktiviert und Entwicklungsmöglichkeiten gefördert werden.

Die Maltherapie bringt Kräfte zur Veränderung hervor und in der Arbeit am Werk wird die eigene Gestaltungskraft entdeckt und stärkt die Fähigkeit, auf innere und äußere Umstände Einfluss zu nehmen. Anfangs benötigen die meisten Klienten viel Struktur und Vorgaben, da sie die totale Freiheit des „leeren“ Malgrundes und eines gänzlich freien Themas nicht angstfrei annehmen können.

Für den wirklich freien spontanen Ausdruck ungeeignet sind Techniken, die viel Planung und viele Arbeitsschritte erfordern. Den Klienten kleine anregende und wirklich einfache Demonstrationen einer leichten Einstiegstechnik (z.B.: abstrakte Bundfenster) mit „garantiertem Erfolgserlebnis“ zu zeigen, ist hilfreich, um Blockaden zu überwinden und den Einstieg in die Welt der Malerei zu erleichtern. Abstrakte Stimmungsbilder ermöglichen über Farbwahl und Psychomotorik den unmittelbarsten Ausdruck reinen Gefühls jenseits des Zwanges zu erkennbar gegenständlicher Gestaltungsform. Mit bildnerischen Mitteln lassen sich neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen, die visuelle Wahrnehmung und das bildhafte Gedächtnis werden trainiert und durch das Einlassen in den Umgang mit Farben werden innere Bewegungen und Empfindungen angeregt. Diese Form der nonverbalen Kommunikation wirkt öffnend auf die Beziehung zu sich und zu seiner Umgebung.

Nach dem Malprozess können im Gespräch Erfahrungen besprochen und Möglichkeiten reflektiert werden. Neue Sichtweisen, die sich positiv auf die Lebensgestaltung auswirken, können erarbeitet werden. Kunsttherapeutische Methoden lassen sich wirksam zur Ich-Stärkung, zur Genesung und Begleitung bei Veränderungsprozessen einsetzen. Die Maltherapie kann somit der Entwicklungsförderung, der Förderung sozialer und kreativer Fähigkeiten sowie der Schulung und Ausbildung der visuellen Wahrnehmung dienen und ist daher hervorragend als Ergänzung anderer therapeutischer Methoden geeignet.

Therapeutisches Angebot - Markus Ruppnig
18.10.2016
FIT und GLÜCKLICH - Werden Sie aktiv

Die Schwerpunkte in meinem Praktikum lagen u.a.  im Kennenlernen der Krankheitsbilder der zu betreuenden Klienten, der Planung und Durchführung von Gruppen- sowie Einzeltrainingseinheiten sowie Anamnesegesprächen und Leistungstests und deren Evaluierung. 
Die Relevanz für mein Studium bestand darin, Praxiserfahrung zu sammeln, was mir ausgesprochen gut gelungen ist. Ich konnte meine Zeit in den Therapiezentren Eisenhut und Saualpe wirklich gut nutzen und viel an Erfahrung dazugewinnen. 

Ich habe mich sehr wohl gefühlt, mich schnell eingefunden und wurde von den Teammitgliedern sofort akzeptiert. Dadurch konnte die Zusammenarbeit spannend und interessant gestaltet werden. In einigen Bereichen konnte ich mein Wissen einbringen und in vielen anderen, für mich neuen Bereichen, mein Wissen erweitern und vieles lernen. Nicht nur in der Motivation, sondern auch in der Balance von Optimismus und Realismus bekam ich einige neue Eindrücke.

Das Arbeiten in der Natur bereitete mir große Freude, da ich gerne an der frischen Luft bin und die Schönheit und Vielfalt der Natur genieße. Besonders begeistert war ich über die Tatsache, dass ich mein vorhandenes Wissen über Yoga, Qi Gong, Entspannung, Jonglieren, Koordination, Konzentrations- & Aufmerksamkeitssteuerung zeigen durfte, sei es in den Einzel- oder auch Gruppentherapien (Outdoor, Fitness, Sense, Frisbee, Laufen) gewesen. Was ich damit bei anderen erreichen möchte ist, dass ich ein kleines Stück meiner Begeisterung an der Bewegung teilen kann und somit vielleicht eine bessere Lebensqualität angestrebt wird. Außerdem verbessert sich durch körperliche Aktivität die Schlafqualität, sowie die Gesundheit, der Lebensstil und vieles mehr. 

In der Arbeit mit den Klienten versuchte ich stets, den folgenden Leitsatz einfließen zu lassen:  „Wenn man aufgeben will, muss man daran denken, warum man begonnen hat.“

In der Gesundheits- und Erlebnisförderung sehe ich im Bereich Sport und Bewegung großes Potenzial. Nicht umsonst habe ich mich für eine sportliche und aktive Zukunft entschieden und möchte mich in meiner beruflichen Zukunft diesbezüglich verwirklichen. Insbesondere zu Yoga möchte ich noch ein paar Worte loswerden. Yoga ist eine ganzheitliche Lebensweise, von der ich einen kleinen Teil an Körperübungen (asanas) und Atemübungen (pranayamas) an die Klienten weitergegeben habe. Positive Rückmeldungen stärkten mich in meinem Tun. Wie im Yoga Bewegung und Atmung miteinander verbunden werden, verbinde ich zusätzlich noch Yoga mit Naturgegebenheiten und beziehe in die Übungen sowie in die Entspannung, Sonne, Wind, Wärme etc. mit ein. Diese gezielte Wahrnehmung im Augenblick, lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was zählt und auf das Hier & Jetzt. Durch eine bewusste Atmung beim Üben können tiefere Wahrnehmungsebenen betreten werden. Von zunehmend großer Bedeutung ist es, sich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen und zu versuchen, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen. Die innere Balance zu finden und zu bewahren ist oftmals nicht leicht, aber erstrebenswert. Ein Ziel am Ende des Weges bedeutet, dass man den Weg gehen muss, um sein Ziel zu erreichen, d. h. dass jeder Schritt in die richtige Richtung zählt, doch befindet man sich vor einem Abgrund, reichen 2 kleine Schritte nicht aus, sondern muss man einen Sprung wagen, um sein Ziel zu erreichen.

Lange Rede, kurzer Sinn - ich bin froh eine leidenschaftliche Lebensfreude zu haben, wenn ich mag, sie zeigen zu können und dass ich bei AGIL mein erstes sport- und bewegungswissenschaftliches Praktikum absolvieren durfte. Mit vielen positiven Eindrücken und Erlebnissen werde ich nach den Ferien wieder studieren und bestimmt manchmal an die Zeit hier zurückdenken. Abschließend möchte ich Ihnen allen etwas mitgeben und danke sagen, dass Sie meinen Blobeitrag zu Ende gelesen haben.


Meine 3 wichtigsten Prinzipien
1.    Das Leben genießen!
2.    Achtsam mit seinem Körper umgehen!    
3.    Anderen helfen glücklich zu sein!

Therapeutisches Angebot - Margareta Rodler
20.09.2016
Wer Sorgen hat, hat auch Likör

In meiner langjährigen Tätigkeit als Therapeutin konnte ich erfahren, dass alkoholkranke Menschen – Männer wie Frauen – ihre erreichte Abstinenz als eine große Erleichterung erleben.  Diese Verbesserung der Lebensqualität wird auch durch viele Gruppen und Beratungseinrichtungen, welche Abstinenz propagieren, in Aussicht gestellt.

Meine Erfahrungen zeigten mir aber auch, dass es sehr vielen Betroffenen zu Beginn ihres abstinenten Lebens erstmals wesentlich schlechter geht. Sie sehen sich Problemen und Konflikten gegenüber, welche sie mit Hilfe ihres Suchtmittels nicht wahrhaben mussten. Es wird ihnen gewahr, dass ihr Suchtmittel eine oder möglicherweise mehrere Funktionen übernommen hatte.

Wer wird zum Alkoholiker aus reinem Genuss am Trinken? Niemand, denn die Genussfähigkeit am Alkohol ist vielmehr verloren gegangen. Das Trinken ist im Alltag zu präsent und mächtig geworden. Es wird zum zentralen Dreh- und Angelpunkt des Alltags. Daher auch die destruktive und zerstörerische Wirkung auf den eigenen Körper und das soziale Umfeld der Betroffenen. Gelebte Sucht endet letztendlich immer tödlich. 

Dem entgegenzuwirken muss rasch gehandelt werden und aus meiner Sicht ist nur die Abstinenz vom Suchtmittel der Weg zurück ins Leben. Der Versuch des „kontrollierten Trinkens“ ist oftmals der  Anfang eines Rückfalles in die Sucht.

Hier sehe ich die Aufgabe für mich als Psychotherapeutin – abstinente Abhängigkeitserkrankte zu begleiten und mit ihnen Möglichkeiten zur Bewältigung ihres Leidens zu erarbeiten. Alkohol ist ein gutes „Lösungsmittel“ und da dieses nicht mehr zur Verfügung steht, ist der Umgang mit den aktuellen Lebenssituationen oft schmerzlich. Wie soll der Betroffene in der Lage sein angemessen mit seinen Gefühlen umzugehen. Oft leiden suchtkranke Menschen noch längere Zeit unter Schlafstörungen, sozialen Ängsten, körperlichen Einschränkungen. Gerade wenn der Körper entgiftet ist kommt es möglicherweise zu einer Verschiebung der Symptome oder der Sucht, z.B. übermäßigem Essen, Rauchen, Einkaufen, onlinespielen.

Mag sein, dass Ersatzhandlungen sich eignen, eine Lebensqualität zu erreichen und um im sozialen Umfeld wieder Fuß fassen zu können. Zum Beispiel einem intensiven Hobby nachgehen oder großes Engagement in der Arbeitswelt zeigen. Das ist legitim und ist zu akzeptieren, wenn es im Hier und Jetzt hilfreich ist.

Durch die Abstinenz kann die Entwicklung der Persönlichkeit wieder in Gang kommen und zwar dort, wo sie durch die Sucht sozusagen zum Stillstand kam. So wie niemand von einem Kind erwartet, dass es sich in ein paar Monaten zu einem gesunden Erwachsenen entwickelt, braucht erst recht der erwachsene Mensch Zeit und Geduld für diesen Weg. Der  Anspruch auf rasche Anpassung stellt eine Überforderung für jeden abstinenten Menschen dar. Es wird oft ein langer Weg sein und sich dafür hilfreiche Begleitung zu holen ist sehr ratsam, um seine Sucht überwinden zu können.

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