Therapeutisches Angebot - Bettina Puster
24.01.2017
Stress

Das Wort Stress kommt aus der englischen Sprache und bedeutet im ursprünglichen Sinn „Dehnung, Beanspruchung“.

Der österreichisch-kanadische Mediziner und Pionier der Stressforschung Hans Selye hat den Begriff erst in den 1930er Jahren geprägt. Selye hat den Begriff aus der Physik entlehnt, um die „unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anforderung“ zu benennen. Stress bedeutet in der Werkstoffkunde die Veränderung eines Materials durch äußere Krafteinwirkung: es folgen Anspannung, Verzerrung und Verbiegung. 

Ursprünglich sollte der Begriff nur beschreiben, was im Körper passiert, wenn er belastet ist. Stress ist also zunächst ein neutraler Ausdruck und ein Symbol für Belastung ganz allgemein geworden. Die negative Komponente hat Selye ursprünglich DISSTRESS genannt, während er positiven Stress als EUSTRESS bezeichnete.

EUSTRESS (griechische Vorsilbe eu-): bedeutet wohl, gut, richtig, leicht positiver Stress (Herausforderung, Muntermacher, gesteigerte Leistungsfähigkeit und Kreativität).

DISSSTRESS oder DYSSTRESS (griechische Vorsilbe dys- ): bedeutet miss, schlecht negativer Stress (die Bewältigungsmechanismen sind erschöpft oder überfordert).

Stress erlebt und spürt jeder anders im Körper. Stress ist eine Aktivierungsreaktion unseres Körpers. Ob diese Aktivierung für den Körper positiv (Eustress) oder negativ (Disstress) ist, ob sie gesundheitsschädlich oder gesundheitsfördernd ist, hängt von unserer Bewertung der Stressfaktoren ab.

Stress wird dann als negativ empfunden, wenn er häufig oder dauerhaft auftritt und körperlich und oder psychisch nicht kompensiert werden kann und deshalb als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd gewertet wird. Insbesondere können negative Auswirkungen auftreten, wenn die individuelle Person keine Möglichkeiten zur Bewältigung der Situation sieht oder hat.

Ob Stress positiv oder negativ für den Organismus ist hängt also davon ab:

  • Ob wir die Stressfaktoren als positiv oder negativ bewerten
  • Ob wir uns der Situation gewachsen fühlen und uns sicher fühlen
  • Ob wir uns freiwillig in die Situation begeben und
  • Wie lange ein als negativ bewerteter Stress anhält

Psychosoziale Stress-Faktoren:

Schwerwiegende Lebensereignisse, die beim Menschen Stress auslösen können, sind insbesondere der Tod eines nahen Mitmenschen und die Trennung durch eine Ehescheidung. Weitere Stress-Faktoren sind:

  • Chronische Konflikte in einer Paarbeziehung
  • Zeitmangel, Termindruck
  • Lärm
  • Geldmangel, Armut, Schulden, Überschuldung
  • Mobbing am Arbeitsplatz
  • Angst nicht zu genügen (Versagensangst)
  • Perfektionismus (überhöhte Ansprüche an sich selbst und an andere)
  • Soziale Isolation, Verachtung und Vernachlässigung
  • Schlafentzug
  • Reizüberflutung
  • Krankheiten und Schmerzen
  • Seelische Probleme, unterschwellige Konflikte

Stressreaktionen werden durch STRESSOREN (= belastende Reize) ausgelöst, die man in unterschiedlicher Weise klassifizieren kann:

  • Chemische Stressoren wie Drogen oder Chemikalien
  • Körperliche Stressoren wie Hitze, Kälte, Lärm, Hunger, Infektionen oder Verletzungen
  • Seelische Stressoren wie Versagensängste, Zeitdruck, Leistungsüberforderung – bzw. Unterforderung
  • Soziale Stressoren wie Konflikte, Meinungsverschiedenheiten, Verlust von Angehörigen und Ablehnung durch andere Menschen, Isolation, Gruppendruck, Rivalität und Intrigen

Hier die häufigsten körperlichen, geistigen und psychischen Symptome, die bei länger andauerndem Stress auftreten können (Stresssymptome, die sich körperlich, geistig und im Verhalten bemerkbar machen:

  • Herzkreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindel, Herzrasen, Atembeschwerde
  • Schmerzen wie etwa Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Gelenksschmerzen
  • Störungen des Magen-Darmtraktes wie etwa Durchfall, Verstopfung, Magendruck, Reizdarm, Reizmagen, Sodbrennen
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger
  • Schlafstörungen – wie Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, Ausschlafstörungen
  • Unkontrollierbare Zuckungen, Muskelkrämpfe
  • Allergien, Hautirritationen
  • Konzentrationsstörungen, Denkblockaden, Vergesslichkeit, Wortfindungsprobleme, leicht irritierbar sein
  • Nägel kauen, Zähneknirschen, Schluckbeschwerden
  • Ruhe – und Rastlosigkeit, Nervosität
  • Chronische Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Sexuelle Probleme, Erektionsprobleme

Stress Symptome, die sich psychisch bemerkbar machen:

  • Geistig nicht mehr abschalten können
  • Sich fremdbestimmt fühlen, sich hilflos fühlen, sich überfordert fühlen, sich in der Falle fühlen, sich wie in einem Hamsterrad fühlen
  • Innerlich unruhig fühlen
  • Schlecht gelaunt, gereizt bis hin zu aggressiv sein
  • Unzufrieden sein, lustlos sein – auch in sexueller Hinsicht
  • Ängstlich sein – man befürchtet vielleicht, den beruflichen Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, entlassen zu werden
  • Ärger und Wut über sich selbst, über die nachlassende psychische und seelische Belastbarkeit
  • Deprimiert sein, da man an sich und seinen Fähigkeiten zweifelt und nicht weiß, wie man einer Besserung der Beschwerden erreichen könnte

Stressbewältigung:

Um Stress zu reduzieren und damit seine eigene Arbeit und sein Leben in den Griff zu bekommen, unterscheidet man vier Wege:

  • Das Zeitmanagement, mit dem man die Arbeit in passende Zeitintervalle legt
  • Das Reizmanagement, mit dem man Störreize zu reduzieren oder zu kanalisieren versucht
  • Das Erregungsmanagement, dass die vegetative Reaktion auf Stressoren zu mindern sucht
  • Das Belästigungsmanagement, mit dem man die subjektive Bewertung von Stressoren ändern will

Viele unserer Klienten haben in der Vergangenheit unter Stress zur Flasche gegriffen und damit passive Stressbewältigung betrieben. Die alkoholinduzierte Entspannung hält allerdings nur circa zwei Stunden an, danach bewirkt der Alkohol selbst eine erneute Spannungsphase. Weiterer Alkoholkonsum zum Spannungsabbau eröffnet hier langfristig einen Teufelskreis. In der Therapie lernen unsere Klienten diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem mit ihnen Strategien zum adäquaten Umgang mit Stresssituationen erarbeitet werden.