Therapeutisches Angebot - Bettina Puster
06.09.2016
Motivationsarbeit in der Therapie

Der Begriff der Motivation leitet sich vom lateinischen Verb „movere“ ab. Dieses bedeutet "in Bewegung setzen". Somit will man sich oder andere in Bewegung versetzen, wenn man motiviert ist.

Das Konzept: Intrinsische und extrinsische Motivation.

Es bestehen zwei Konzepte über den Ausgangspunkt des Impulses für diese Bewegung. Kommt der Impuls aus eigenem Antrieb des Menschen oder kommt er von außen? Kommt der Impuls von innen spricht man von intrinsischer Motivation, um extrinsische Motivation handelt es sich wenn der Impuls von außen an den Menschen herangetragen wird.
Der Begriff intrinsische Motivation bezeichnet das Bestreben, etwas um seiner selbst willen zu tun (weil es einfach Spaß macht, Interessen befriedigt oder eine Herausforderung darstellt). Bei der extrinsischen Motivation steht dagegen der Wunsch im Vordergrund, bestimmte Leistungen zu erbringen, weil man sich davon einen Vorteil (Belohnung) verspricht oder Nachteile (Bestrafung) vermeiden möchte. 

Wir unterscheiden zwei Arten intrinsischer Motivation:

•    Interne Prozessmotivation 
•    internes Selbstverständnis

Interne Prozessmotivation liegt vor, wenn man etwas tut, was Begeisterung auslöst, Freude bringt, Flow erzeugt. Musiker musizieren einfach gern, Controller befassen sich gern mit Zahlen, Statistiken und deren Bewertung. Es geht also um das Tun an sich, um den Prozess. Sie motivieren sich über die Tätigkeit.

Beim internen Selbstverständnis wird man durch innere Überzeugungen, Grundsätze, Maßstäbe, Werte motiviert. Eine solche Motivation entsteht dadurch, dass es aus der subjektiven Sicht „gut und richtig“ ist, etwas zu tun. Das Befolgen der Überzeugungen und Grundsätze, die Erfüllung der eigenen Werte, ist die Antriebsfeder. 

Es kann sein, dass man etwas vielleicht nicht so gern, aber trotzdem tut, weil man es für notwendig hält. Es kann also sein, dass man nicht gern aufräumt (niedrige interne Prozessmotivation), es aber trotzdem motiviert tut, weil man „Ordnung“ als Wert für wichtig erachtet, was dem internen Selbstverständnis entspricht.

Wir unterscheiden drei Arten extrinsischer Motivation:

•    Instrumentelle Motivation
•    äußeres Selbstverständnis
•    Internalisierung von Zielen

Die instrumentelle Motivation ist geleitet von Vorteilen und Belohnungen von außen. Das ist die die häufigste Form, wenn es um extrinsische Motivation geht. Ein typisches Beispiel dafür ist, dass man arbeitet und seinen Job gut macht, um seine Familie ernähren zu können. Beim äußeren Selbstverständnis ist die Motivation durch die soziale Rolle, Gruppenverständnis und äußere Erwartungen ausgelöst. Die Internalisierung von Zielen bedeutet, dass die betreffende Person sich die Ziele der Gruppe, der Organisation, des Unternehmens zu eigen macht und das die Motivation prägt. So erzeugt z.B. eine Beförderung die Motivation, Mitarbeitet zu führen und Entscheidungen zu treffen.

In der Arbeit in den Therapiezenten der Agil-Sozialpädagogik spielt die Motivationsarbeit eine große Rolle. Nicht selten ist es so, dass die Klienten die Therapie fremdmotiviert beginnen. Damit fehlt ihnen der innere Motor, der innere Antrieb zur Veränderung.  Dennoch ist es ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Mit Beginn der Therapie unterbrechen die meisten von ihnen eine leidvolle Phase ihres Lebens. Ein neuer Weg muss her. Unter diesem neuen Lebensabschnitt können sich die meisten konkret noch nichts vorstellen. Es fehlen ihnen die inneren Bilder dazu. Viele von ihnen sind noch im Schwarz-Weiß-Denken verhaftet. Die gesamte Palette des Farbenspektrums und damit die vielen Nuancen und Schattierungen des Lebens, liegen noch im verborgenem. Damit fällt uns und mir eine wichtige Rolle im Umgang mit unseren Klienten zu. Es gilt die intrinsische Motivation zu fördern bzw. zu stärken. Dazu braucht es selbst viel Engagement und manchmal auch einen langen Atem. Wieder mit Begeisterung etwas zu tun, darin liegt einer der Schlüssel zur inneren Motivation. Mit fortlaufender Therapie gelingt es oftmals, das innere Feuer wieder zu entfachen. Damit ist ein sehr wichtiger Teil zum Erfolg der Therapie gelungen. Die Kunst besteht nun darin, dieses innere Feuer am Brennen zu halten. Dazu braucht es unter anderem auch wieder motivierte Kollegen. Im Idealfall fungiert dann auch das Betreuungsteam als Motivator. 

Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.
Antoine de Saint-Exupery