Wissenswertes - Sinikka Huhndorf
07.02.2017
Mineralstoffmangel bei der chronischen Alkoholkrankheit

MINERALSTOFFE oder ELEKTROLYTE (Calcium, Kalium, Magnesium, Natrium, Chlorid) sind für den Organismus lebenswichtig und müssen täglich über die Nahrung aufgenommen werden. Die Konzentration der Mineralstoffe kann im Serum bestimmt werden.

CALCIUM ist mengenmäßig der wichtigste Mineralstoff im Körper. Ein gesunder Erwachsener enthält 800 – 1000 g. Mehr als 99,5 % sind in Knochen und Zähnen lokalisiert. Wir benötigen Calcium nicht nur für die Knochen, sondern auch für die Kontraktion der Muskeln, das Nervensystem, die Ausschüttung von Insulin über die Bauchspeicheldrüse, die Blutgerinnung und die Gesunderhaltung der Darmschleimhaut.

Der Calciumbedarf beträgt 1000 – 1500 mg/Tag.
Calcium ist besonders in Milch und Milchprodukten zu finden. 
In den pflanzlichen Lebensmitteln Grünkohl, Mandeln und Haselnüssen sind nennenswerte Mengen Calcium enthalten. 110 g Hartkäse oder 750 g Joghurt oder 450 g Haselnüsse oder 850 ml Magermilch oder 1100 g Hüttenkäse oder 450 g Grünkohl enthalten die tägliche Zufuhrmenge. Oxalsäure (enthalten in Spinat, Tomaten, Rhabarber, Schokolade) kann die Calciumaufnahme negativ beeinflussen. Die Calciumaufnahme über den Darm wird durch Vitamin D gefördert. Medikamente gegen Epilepsie, Magensäureblocker und regelmäßiger Alkoholkonsum können die Calciumaufnahme stören. 
Der Alkohol führt zu einer Steigerung der Ausscheidung im Urin. Bei der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung (keine Seltenheit bei der chronischen Alkoholkrankheit) kann es zu Calciummangel kommen.
Von den Calcium-Mangelerscheinungen ist die Osteoporose, die bei den chronisch Alkoholkranken gehäuft vorkommt, von größter Bedeutung. Die Knochenentkalkung führt zu zunehmender Knochenbrüchigkeit. Die empfohlene Therapie: tägliche Einnahme von Vitamin D3, Calcium und Magnesium.

MAGNESIUM ist an fast allen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Der größte Teil befindet sich in den Knochen. In den Muskeln ist reichlich Magnesium eingelagert und hier wirkt es als Gegenspieler von Calcium.

Der tägliche Magnesiumbedarf beträgt 350 - 400 mg.

Es ist in der Regel schwierig, den Bedarf an Magnesium täglich zu decken, da magnesiumreiche Kost sehr fetthaltig ist und nur in wenigen Lebensmitteln enthalten ist. Gute Lieferanten sind Nüsse, Hülsenfrüchte sowie magnesiumreiches Mineralwasser.            
100 g Sonnenblumenkerne oder Leinsamen oder Haferflocken oder 200 g Nüsse enthalten die empfohlene tägliche Zufuhrmenge.  

Da bei regelmäßigem Alkoholkonsum Magnesium vermehrt ausgeschieden wird, kommt Magnesiummangel bei Alkoholabhängigen häufig vor. Auch durch Erbrechen oder Durchfall (bei der chronischen Alkoholkrankheit häufig anzutreffen) wird Magnesium ebenfalls vermehrt ausgeschieden. Typische Magnesium – Mangelsymptome sind Muskelkrämpfe (nächtliche Wadenkrämpfe), Kopfschmerzen, Migräne, Schlafstörungen, Nervosität, Depressionen, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck.
Die empfohlene Therapie: Magnesium in Form von Tabletten oder Kapseln über den Tag verteilt in kleinen Portionen einnehmen.

KALIUM gehört zu den wichtigsten Mineralstoffen. Es kommt vorwiegend innerhalb der Zellen vor und ist für den Elektrolythaushalt von entscheidender Bedeutung. Bei der Funktion von Nerven, Muskeln und Herz spielt es eine wichtige Rolle.

Der Tagesbedarf beträgt 2000 mg.

Kalium ist in allen Lebensmitteln vorhanden. Gute Quellen sind Spinat, Mangold, Feldsalat. Der Tagesbedarf ist mit 500 g Gemüse gedeckt.
Kaliummangel tritt meistens als Folge von Kaliumverlust auf: Erbrechen und Durchfall (wie es bei den Alkoholabhängigen gehäuft vorkommt), Abführmittelmissbrauch, Diuretika (harntreibende Mittel), übermäßiger Konsum (2 – 3 l/Tag) von Cola-Getränken.
Die Symptome sind Schwäche bis zu Lähmungen der Skelettmuskulatur, Verstopfung bis zum Darmverschluss sowie Beeinträchtigung der Herzfunktion mit Neigung zu Rhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand. 
Gewebswasseransammlungen können bei Kaliummangel auftreten.
Therapie des Kaliummangels: kaliumhaltige Lebensmittel Obst und Gemüse, getrocknete Früchte und bei Bedarf Kaliumpräparate.

NATRIUM und CHLORID sind wichtige Mineralstoffe in allen Körperflüssigkeiten. 
Der Natriumstoffwechsel verläuft parallel zum Chloridstoffwechsel.

Die tägliche Kochsalzzufuhr (Natriumchlorid) sollte 6 g nicht übersteigen.

In den Grundnahrungsmitteln ist relativ wenig Natrium und Chlorid enthalten.

Gründe für Natriummangel können Erbrechen und Durchfall, Leberzirrhose oder Herzinsuffizienz (Wasserüberschuss) sein. Der Blutdruck kann niedrig sein, der Herzschlag beschleunigt, Muskelkrämpfe können vorkommen.

Ein Natriummangel kann zu Wasserverschiebungen, insbesondere ins Gehirn (Hirnödem), mit Hirndrucksteigerung führen. Es dominieren Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Tremor, Krampfanfälle. Unbehandelt kann es zu Bewusstseinsstörung bis zu zentraler Atemlähmung kommen. Diese Erkrankung kann tödlich enden.  

Therapie des Natriummangels: Kochsalzgabe in Form von Tabletten oder als Infusion.

In den beiden Therapiezentren der Agil-Sozialpädagogik werden Mineralstoffe (Elektrolyte), etwaige Mangelerscheinungen sowie die therapeutischen Optionen im Rahmen der Ernährungsmedizin mit den Klienten ausführlich besprochen.