Therapeutisches Angebot - Christa Bliem
08.11.2016
Malen als integraler Teil der KreativtherapieMalen als integraler Teil der Kreativtherapie
Malen als integraler Teil der KreativtherapieMalen als integraler Teil der Kreativtherapie

Die Kunst-Maltherapie findet ihren Ursprung in der psychoanalytischen Lehre C. G. Jungs. Die ersten Impulse zur Einbindung bildnerischen Gestaltens in therapeutische Maßnahmen gab es Mitte der 1920er Jahre in der Schweiz und in Deutschland. Einer der ersten, der das künstlerische Gestalten in eine Behandlung einbezog, war der Psychiater Leo Navratil. Er regte seine Patienten zu künstlerischer Tätigkeit an und nutzte das zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken. In ihrer Weiterentwicklung als handlungs- und erlebnisorientierte Methode dient sie dem Menschen zur Belebung der kreativen Kräfte und zur Stärkung innerer Ressourcen.

In Ergänzung zur bewährten psychotherapeutischen Behandlung wird auch in unserer Einrichtung den Klienten die Maltherapie angeboten. Therapeutisches Malen ist weit mehr als das Erschaffen von Gemälden. Es ist ein lebendiger Prozess, der zur inneren Friedensarbeit werden kann. Er beinhaltet das Kennenlernen der eigenen Gefühle, auch der eigenen Aggressionen und Abwertungen und ihre mögliche Verwandlung durch den Prozess der Bewusstwerdung. Es geht dabei einerseits um den Ausdruck von Gedanken und Gefühlen in kreativer Form und andererseits auch um die symbolische Bedeutung und Wirkung der Darstellung. Im Gestaltungsprozess werden innere Bilder, Gefühle, Vorstellungen, Wünsche, Bedürfnisse und Erfahrungen belebt, erlebt und zum Ausdruck gebracht. Durch kreatives Gestalten können Autonomie und Selbstwertgefühl gesteigert, eigene Ressourcen und Selbstheilungskräfte aktiviert und Entwicklungsmöglichkeiten gefördert werden.

Die Maltherapie bringt Kräfte zur Veränderung hervor und in der Arbeit am Werk wird die eigene Gestaltungskraft entdeckt und stärkt die Fähigkeit, auf innere und äußere Umstände Einfluss zu nehmen. Anfangs benötigen die meisten Klienten viel Struktur und Vorgaben, da sie die totale Freiheit des „leeren“ Malgrundes und eines gänzlich freien Themas nicht angstfrei annehmen können.

Für den wirklich freien spontanen Ausdruck ungeeignet sind Techniken, die viel Planung und viele Arbeitsschritte erfordern. Den Klienten kleine anregende und wirklich einfache Demonstrationen einer leichten Einstiegstechnik (z.B.: abstrakte Bundfenster) mit „garantiertem Erfolgserlebnis“ zu zeigen, ist hilfreich, um Blockaden zu überwinden und den Einstieg in die Welt der Malerei zu erleichtern. Abstrakte Stimmungsbilder ermöglichen über Farbwahl und Psychomotorik den unmittelbarsten Ausdruck reinen Gefühls jenseits des Zwanges zu erkennbar gegenständlicher Gestaltungsform. Mit bildnerischen Mitteln lassen sich neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen, die visuelle Wahrnehmung und das bildhafte Gedächtnis werden trainiert und durch das Einlassen in den Umgang mit Farben werden innere Bewegungen und Empfindungen angeregt. Diese Form der nonverbalen Kommunikation wirkt öffnend auf die Beziehung zu sich und zu seiner Umgebung.

Nach dem Malprozess können im Gespräch Erfahrungen besprochen und Möglichkeiten reflektiert werden. Neue Sichtweisen, die sich positiv auf die Lebensgestaltung auswirken, können erarbeitet werden. Kunsttherapeutische Methoden lassen sich wirksam zur Ich-Stärkung, zur Genesung und Begleitung bei Veränderungsprozessen einsetzen. Die Maltherapie kann somit der Entwicklungsförderung, der Förderung sozialer und kreativer Fähigkeiten sowie der Schulung und Ausbildung der visuellen Wahrnehmung dienen und ist daher hervorragend als Ergänzung anderer therapeutischer Methoden geeignet.