Wissenswertes -
30.07.2015
Beruflicher Wiedereinstieg

Arbeitslosigkeit wird von den Klienten oft als einschneidendes Erlebnis empfunden, das ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen hat. 

Lebensperspektive, gesellschaftliches Ansehen, finanzielle Absicherung, Lebenssinn und Lebensstruktur sind durch die meist bereits länger andauernde Arbeitslosigkeit ins Wanken geraten. 

Daher ist nach erfolgreich abgeschlossener Therapie die baldige Rückkehr in das Arbeitsleben sehr oft vorteilhaft. Eine längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt nach Therapieende würde die Rückkehr in den Arbeitsmarkt immer schwieriger machen. Arbeit bedeutet für Klienten, dass der Alltag einen stabilen Rhythmus und Struktur bekommt. Zusätzlich kann das Arbeitsleben zur psychosozialen Stabilisierung beitragen, da das Selbstwertgefühl gestärkt wird, regelmäßige soziale Kontakte ermöglicht und zur gesellschaftlichen Integration beiträgt. 

Die Integrationsphase stellt während des Therapieaufenthaltes  der Klienten, neben den suchttherapeutischen Maßnahmen, einen wichtigen Teil zur Erlangung und Erhaltung der Abstinenz dar. Diese Phase setzt nach 2/3 der Therapiezeit ein und soll die Klienten bei der sozialen und beruflichen Integration nach Therapieende unterstützen.

Während der Integrationsphase ist es wichtig auf eine schrittweise, systematische Vorgehensweise zu achten. Da die Klienten zumeist schon über längere Zeit nicht mehr im Arbeitsprozess integriert waren, würden sie durch den sofortigen Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt zumeist rasch massiv überfordert sein. Dies würde wiederum die Stabilisierung gegenüber der Alkoholerkrankung gefährden und die Gefahr eines Rückfalls erhöhen.

Die stufenweise Wiedereingliederung setzt aber auch die Bereitschaft der Klienten dazu voraus.

In der Integrationsphase wird daher besonders darauf geachtet, dass die Klienten ihre Ressourcen erkennen und sich ein gutes Zeitmanagement schaffen. Die tatsächliche Belastbarkeit und Stressresistenz wird sehr oft überschätzt. Finden Klienten nach Therapieende rasch einen Arbeitsplatz am 1. Arbeitsmarkt, müssen diese sehr oft erkennen, dass sie mit dem Tempo im Berufsleben nicht Schritt halten können. 

Ein gutes Instrument für den „sanften“ Wiedereinstieg stellt das berufliche Rehabilitationsgeld dar.  Es ist ein „Umschulungsgeld“ und wird nach Antrag und Überprüfung der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der gewünschten Maßnahme durch die zuständige Pensionsversicherungsanstalt gewährt und unterstützt die Klienten bei der Umsetzung ihrer beruflichen Zukunftspläne. Defizite in der Berufsausbildung und -erfahrung, würden die  Inanspruchnahme einer beruflichen Rehabilitationsmaßnahme rechtfertigen.

Während die medizinische Rehabilitation zum Ziel hat, die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit wiederherzustellen, steht bei der beruflichen Rehabilitation die Förderung und Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt im Vordergrund. Die berufliche Rehabilitation sollte sofort nach Beendigung der medizinischen Rehabilitation, einsetzen. Da eine Mehrzahl der Klienten über keinen beruflichen Abschluss verfügen, am aktuellen Arbeitsmarkt jedoch derzeit verstärkt Fachkräfte gesucht werden, kann durch die Inanspruchnahme des beruflichen Rehabilitationsgeldes der fehlende Lehrabschluss nachgeholt werden. Darüber hinaus ist für eine eventuell neue Berufswahl das Vorhandensein eines Lehrabschlusses wichtig. Oft ist sie sogar Voraussetzung für die Teilnahme an Umschulungsmaßnahmen. 

Zahlreiche Klienten beziehen während der Zeit ihres Aufenthaltes in unseren Therapiezentren das befristete medizinische Rehabilitationsgeld. Ca. drei Monate vor Ablauf des medizinischen Rehabilitationsgeldes wird gemeinsam mit den Klienten bei der Pensionsversicherungsanstalt, um Gewährung eines beruflichen Rehabilitationsgeldes angesucht. Es sollte im besten Fall bereits ein konkreter Schulungsplan als Begründung dafür vorliegen. Die endgültige Entscheidung ob eine berufliche Rehabilitation gewährt wird oder nicht obliegt schließlich der Pensionsversicherungsanstalt und dem Casemanagement.

Im konkreten Fall nehmen Klienten bereits während des Therapieaufenthaltes nach Rücksprache beim zuständigen Arbeitsmarktservice mit dem beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ) Kontakt auf. Nach einem Erstgespräch werden die notwendigen Unterlagen vorbereitet. Ca. drei Monate vor Beendigung des medizinischen Rehabilitationsgeldes kommt es zu einem Beratungstermin bei der zuständigen Pensionsversicherungsanstalt. Der Klient  legt seine bereits ausgearbeiteten Schulungspläne, welche die Sinnhaftigkeit der Gewährung des beruflichen Rehabilitationsgeldes belegen, vor. 

Da sowohl das Arbeitsmarktservice als auch das BBRZ über den Berufsplan des Klienten informiert sind, könnte er nach Erteilung der Bewilligung durch die Pensionsversicherungsanstalt in die Wirklichkeit umgesetzt werden.

Legen Klienten während der beruflichen Rehabilitation die Lehrabschlussprüfung erfolgreich ab, so besteht die Möglichkeit entweder im   erlernten Beruf als Fachkraft tätig zu sein oder sich einer völlig neuen beruflichen Perspektive zuzuwenden.