Wissenswertes - Sinikka Huhndorf
30.03.2016
Alkohol (-krankheit) und Störungen des Verdauungstrakts

Der Alkohol schädigt alle Organe, und so wird auch der Verdauungstrakt nicht verschont! Der VERDAUUNGSTRAKT besteht aus der Mundhöhle, dem Rachen, der Speiseröhre, dem Magen und dem Darm. Zu den Verdauungsorganen gehören die zwei großen Darmanhangsdrüsen: die Leber mit den Gallengängen und die Bauchspeicheldrüse.

Die Speiseröhre ist ein ca. 25 cm langer Muskelschlauch, der Rachen und Magen verbindet und ist ein Transportweg zwischen Mund und Magen.
Der Alkohol schädigt durch den direkten Kontakt die Schleimhaut der MUNDHÖHLE und der SPEISERÖHRE und verursacht häufig eine Entzündung insbesondere im unteren Drittel der Speiseröhre. Die Symptome der sogenannten Refluxösophagitis sind Sodbrennen, saures Aufstoßen (Rückfluss von Magensäure in den Mund), brennende Schmerzen hinter dem Brustbein und Schluckbeschwerden. In besonders schweren Fällen kann sich eine Verengung der Speiseröhre bilden. Die Refluxösophagitis entsteht dadurch, dass der Alkohol die regelmäßige wellenförmige Beweglichkeit der Speiseröhre hemmt und der Schließmuskel erschlafft. Dadurch fließt vermehrt Magensäure in die Speiseröhre zurück.

Beim chronischen Alkoholkonsum ist das Risiko für bösartige Tumorerkrankungen in Mundhöhle, Kehlkopf, Rachen und Speiseröhre erhöht. Dabei spielen die chronische Entzündung der Schleimhäute und der Rückfluss der Magensäure eine große Rolle.
Durch häufiges Erbrechen können in der unteren Speiseröhre längsgestellte, schmerzhafte Schleimhauteinrisse entstehen, das sogenannte Mallory-Weiss-Syndrom.
Bei der Leberzirrhose können sich die Venen in der Speiseröhre zu verletzungsempfindlichen Krampfadern (Ösophagusvarizen) erweitern, leicht platzen und zu lebensbedrohlichen Blutungen führen.

Die MAGENWAND besteht aus drei Muskelschichten. Dadurch kann sich der Magen kontrahieren, seine Größe anpassen, den Nahrungsbrei mit dem Magensaft mischen und den Nahrungsbrei zum Magenausgang transportieren.
Alkoholische Getränke wie Bier und Weißwein stimulieren die Magensäuresekretion. Es kann zu Magenschleimhautschäden und bis zu einer Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis) kommen.
Akuter Alkoholmissbrauch führt zu akuter erosiver Gastritis (blutige Magenschleimhautentzündung). Die Symptome der akuten Gastritis sind: Druckgefühl im Oberbauch, Völlegefühl, Übelkeit, Brechreiz.
Chronischer Alkoholkonsum verursacht chronische Magenschleimhautentzündung (chronische Gastritis). Die Symptome sind oft uncharakteristisch.
Bei dauernder Schädigung der Magenschleimhaut kann es zu Magengeschwüren (Ulcera) kommen. Etwa 15 % der Alkoholiker leiden unter Magengeschwüren.

Der DÜNNDARM, ca. 3 -4 m lang, besteht aus drei Abschnitten (Zwölffingerdarm oder Duodenum, Leerdarm oder Jejunum und Krummdarm oder Ileum) und ist der auf den Magen folgende Abschnitt des Verdauungsrohres. Der Dünndarm verdaut den Speisebrei zu Ende (mit Hilfe von Galle und Bauchspeicheldrüsensaft). Die dabei entstehenden Bruchstücke werden über die Dünndarmschleimhaut in den Kreislauf aufgenommen.
Im Dünndarmbereich führt die Alkoholwirkung zu Zwölffingerdarmentzündungen (Duodenitis), zu Geschwüren und zur bakteriellen Fehlbesiedlung.

Chronischer Alkoholmissbrauch führt häufig zu Durchfällen, Mangelernährung und Gewichtsverlust. Chronisch Alkoholkranke nehmen ca. 50 % der täglichen Energiezufuhr in Form von Alkohol auf, und alkoholische Getränke enthalten kaum wichtige Nährstoffe.
Der Alkohol hat eine direkt toxische Wirkung auf die Darmschleimhaut, die zu gestörter Resorption der Nährstoffmoleküle führt.
Es wird die Aufnahme von Glucose, Xylose, Laktose, bestimmten Aminosäuren, Elektrolyten (Natrium, Kalium, Magnesium, Chlorid) und wasserlöslichen Vitaminen wie Folsäure, Vitamin B1 und B12 gestört.

Der DICKDARM und der Mastdarm (Rektum), ca. 1,5 m lang, bilden den letzten Abschnitt des Verdauungsrohrs. Eine wichtige Aufgabe des Dickdarms ist Wasser und Elektrolyte zurückzuresorbieren.
Bei den chronisch Alkoholkranken kommen vermehrt Durchfälle, Obstipation, Darmdivertikel, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (M. Crohn und Colitis ulcerosa) vor.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Alkoholmissbrauch und der Häufung von Rektumkarzinomen. Es dürfte vor allem die toxische Wirkung von Acetaldehyd (Alkoholabbauprodukt) von Bedeutung sein.  

In den beiden Therapiezentren werden regelmäßig im Rahmen der Ernährungsmedizin die Themenbereiche „Verdauungsapparat“ sowie „Magen-Darm-Erkrankungen bei der Alkoholkrankheit“ besprochen. Dies geschieht in Einzelgesprächen mit den Betroffenen und in den Gruppen.