Erfahrungsberichte - Michaela Wieser
01.09.2015
Auf zu neuen HöhenAuf zu neuen Höhen
Auf zu neuen HöhenAuf zu neuen Höhen

Fast acht Monate, die gesamte Dauer der Therapie, sind absolviert. Zeit also, über meinen Aufenthalt im Therapiezentrum Saualpe ein paar Zeilen zu schreiben.

Acht Monate, das klingt viel, noch dazu auf über 1500 m Seehöhe mitten in der Botanik, keinerlei Ablenkung rund herum.

Wie soll ich diesen langen Zeitraum durchstehen, wie die lange Zeit sinnvoll ausfüllen, das denkt sich wohl jeder, der seinen Aufenthalt hier antritt.

Die ersten Wochen im Therapiezentrum waren wie Urlaub für mich, kein Wunder nach dem, wie mir mein Leben vorher entglitten ist. Keine berufliche Perspektive, kein Geld, Scheidung, Trennung von den Kindern, Aufenthalt in der Psychiatrie, danach betreutes Wohnen, die Einsamkeit dort, schließlich der exzessive Griff zur Flasche, die darauf folgenden Depressionen, die mich wiederum in die Psychiatrie führten. Auf Anraten des dortigen Oberarztes unterzog ich mich der Langzeittherapie in der Agil-Sozialpädagogik, um meine Probleme über einen längeren Zeitraum hin aufarbeiten zu können.

Kurzum, die lange Zeit braucht man tatsächlich, die Wochen im Therapiezentrum fliegen vorbei, selbst die Monate, bis man sich aus dem Strudel der scheinbar unlösbaren Probleme wieder in ruhigere Gewässer strampelt.

Unterstützt wird man dabei von einem professionellen Betreuerteam und zahlreichen Therapieangeboten, die zwingend einzuhalten sind. Das ist gut so, schafft eine Tagesstruktur, lässt einem dazwischen aber auch Freiraum und Freizeit, die zu nutzen einem jeden selbst überlassen bleibt. Ich für meinen Teil habe sehr viel gelesen, meinen Kriminalroman fertig geschrieben und mein Kinderbuch illustriert, schöne Wanderungen unternommen, auch sehr viele nette und erbauliche Gespräche mit Mitklienten geführt.

Die Einzelgespräche mit dem mir zugeteilten Psychotherapeuten waren eine große Hilfe für mich, hier werden die Gedanken und Seelenzustände systematisch geordnet, das immer wieder drohende Chaos entwirrt, schrittweise besprochen und professionell aufgearbeitet.

Natürlich verschwinden die Probleme nicht, sie werden jedoch überschau- und bewältigbarer, man geht ruhiger und besonnener an die Dinge heran, selbst beruflich haben sich mir unter der Anleitung der Integrationscoach einige vielversprechende Perspektiven aufgetan.

Ein kurzes Fazit des Aufenthaltes: Man bekommt die Zeit, die es braucht, um wieder auf die Beine zu kommen, gehen muss man dann aber schon selbst, bei den Anfangsschritten wurde einem jedenfalls gehörig unter die Arme gegriffen.

Ein Text von Thomas K.

Erfahrungsberichte - Michaela Wieser
21.04.2015
Mein Weg zurück ins Leben

Nach erfolgreich abgeschlossener Suchttherapie in der Agil-Sozialpädagogik nahm Hr. Christian S. sein Leben wieder selbstständig in die Hand, mittlerweile hat er sich auch wieder in das gesellschaftliche Leben zurückgekämpft. 

Im folgenden Artikel beschreibt der ehemalige Klient des Therapiezentrums Saualpe seinen persönlichen Umgang  mit den täglichen Herausforderungen der therapeutischen Arbeit und wie es ihm gelang, Stimmungstiefs zu überwinden sowie seinen Aufenthalt in unserer Einrichtung schließlich als Chance für einen Neubeginn zu nutzen.





Ein Bericht von Christian S. 

Ich laufe am Radweg entlang, es ist frisch und ich atme zufrieden durch.
Genauso, wie ich es immer tat. Früher.
Seit Jahren in Bewegung mit dem Rad, zu Fuß oder auf andere Art und Weise. 
Das ist jetzt wieder möglich, weil ich einen wichtigen Entschluss gefasst habe.
Wahrscheinlich den allerwichtigsten in jener Lebensphase.

Ich kann wieder frei atmen und mich bewegen, weil ich mich nach jahrelangem Kampf mit Alkohol und Medikamenten dazu entschlossen habe, mir nachhaltig helfen zu lassen. Nach meinem 3.Entzug im Krankenhaus war es für mich klar –nicht zuletzt auf Anraten vieler Leute- mich in eine Langzeitbehandlung zu begeben. Heute bin  ich froh, dass ich diesen Entschluss gefasst habe. Ohne dramatisieren oder übertreiben zu wollen, aber es wäre mit Sicherheit ein schlimmeres Unglück geschehen, wenn ich so weitergemacht hätte wie zuvor. Körperlich und vor allem psychisch war ich negativ verändert, beeinträchtigt, es ging mir richtig mies. Mein ganzes Umfeld wusste nicht so recht, wie mit mir weiter umzugehen sei. Trotz meiner veränderten Persönlichkeit erkannte ich zum Glück, dass ich aus dieser Sucht raus  muss, ich wollte mich wiederfinden. 

Schließlich absolvierte ich eine Langzeittherapie, im Therapiezentrum Saualpe der Agil-Sozialpädagogik. Oben, am Berg, angekommen, war ich anfangs ziemlich durcheinander und plötzlich gar nicht mehr sicher, ob das der richtige Weg sei. Nach ein paar Stunden Aufenthalt dachte ich  daran, den Aufenthalt sofort zu beenden und wieder zurückzufahren, zurückzukehren in mein gewohnt es Umfeld. Doch ich konnte mich besinnen und motivierte mich, ich sollte der Therapie eine Chance geben, es  versuchen, denn eins war klar, dass ich nicht viele Alternativen habe, um ein Leben in Normalität führen zu können. Bereits am 2.Tag suchte ich nach geeigneten Beschäftigungsmöglichkeiten und fand mich in dieser Einrichtung, welche für mich schließlich auch einen absoluten Wohlfühlcharakter aufwies, recht rasch zurecht und strukturierte mir den Tag mit diversen Tätigkeiten. Ich ließ mich auf die therapeutische Arbeit ein, vertraute den Therapeuten und den Betreuern, sie alle ermöglichten mir wirklich konstruktives Herangehen und Strategien, nämlich in jeder Hinsicht. So wurden die Probleme mit meiner Sucht und auch viele weitere persönliche Dysbalancen gezielt behandelt, es begann ein völlig unerwarteter Prozess, der es mir innerhalb von acht Monaten ermöglichte, völlig neue Ansätze und neues Denken zu entwickeln. Nach ein paar Wochen erfuhr ich dann erste wesentliche und damit in Zusammenhang positive Veränderungen, die mich natürlich anspornten weiterzumachen. 

Ich merkte, dass die Langzeittherapie tatsächlich etwas mit mir macht, mich positiv verändert. Das konnte ich vorher auch nicht ahnen, doch mit fortschreitender Therapiedauer wurde ich dann immer überzeugter und ich begann, mich wieder in eine Richtung zu entwickeln, die mich mehr an mich selbst erinnerte, ich sah neue sowie  „neue – alte“ Qualitäten und Möglichkeiten, wieder etwas zufriedener, stabiler und glücklicher weiterzumachen. Der Faktor „Zeit“ ist  das, was man berücksichtigen muss bei dieser Therapieform und ich bin überzeugt davon, dass es funktionieren kann, wenn man sich ein gewisses Maß an Zeit einräumt. Bei mir hat es nämlich funktioniert und ich war vorher wirklich alles andere als glücklich in meinem Leben. Nichts hätte mehr annähernd so funktioniert wie ich es wollte.

Durchhaltevermögen und ein SICH HELFEN LASSEN, vom gesamten therapeutischen Team, haben mir wieder neue Lebensqualität ermöglicht, nicht zuletzt auch wegen der großen Unterstützung für die Zeit nach der Therapie. Zu keinem Zeitpunkt fühlte ich mich im Stich gelassen. 

So laufe - und bewege ich mich wieder und hole tief Luft. Jeden Tag.

Ein Text von Christian S.

Erfahrungsberichte - Susanne Simoner
11.08.2014
Alkohol!

Frau Horn war bis vor kurzem eine Klientin im Therapiezentrum Eisenhut.

Sie nutzte sämtliche  Therapieangebot unseres Hauses sehr interessiert  und setzte sich  intensiv mit ihrer  Alkoholerkrankung auseinander. So  gelang es ihr  in relativ kurzer Zeit eine „gesunde“ Distanz zu ihrem Krankheitsbild zu erarbeiten. 

Als  Ausdruck ihres Therapieerfolges, kann man wohl das, in aufwändiger Arbeit entstandene  Gedicht, ansehen, das sie uns  anlässlich ihres Therapieendes widmete. 

Da es ihr wichtig war, dieses auch der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, erscheint es somit auf der Homepage.


Alkohol!

Ich hatte einen guten Freund. „Alki“ wurde er genannt, manch anderer hätte ihn auch gekannt.

Wenn ich ihn gebraucht hab, war er da, ich meinte, er sei wunderbar.

Er war es nur für ein paar Stunden, danach hab ich ihn nicht mehr gefunden. Mein Leben mit ihm es wurde grau, drum sagte ich ihm: „geh jetzt, Ciao“.

Er wollte nicht gleich, aber ich wurde nicht mehr weich.

„Nimm deinen Hut“, hab ich gesagt, „und gleich auch deinen Wanderstab“.

Nun ist er endlich fort von mir und brauch nie mehr stehn vor meiner Tür.

Auf solche Freunde verzichte ich gern, will ihn nicht mehr sehn und nichts mehr von ihm hörn. 

Erfahrungsberichte - Michaela Wieser
06.02.2014
Mein Weg zurück in das normale Leben - ein Erfahrungsbericht

Die Entscheidung, eine Langzeitentwöhnungstherapie zu absolvieren, ist ein erster großer Schritt, um das eigene Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. 
Michael B. ist 47 Jahre alt, ehemaliger Berufskraftfahrer und lebt seit mittlerweile 16 Monaten alkoholabstinent. Lesen Sie mehr über seine Erfahrungen im Rahmen der Langzeitentwöhnungstherapie in der Agil-Sozialpädagogik und wie es ihm gelang, seine Therapie im Therapiezentrum Saualpe erfolgreich zu beenden. 

Ich hatte mich für eine Langzeittherapie bei AGIL, im Therapiezentrum Saualpe entschlossen. Nach der stationären Entgiftung im Spital, welche drei Wochen dauerte, ging es direkt nach Kärnten. Die ersten Wochen in der Einrichtung waren nicht ganz einfach, Faktoren wie z.B. der Vertrauensaufbau zum Personal, die Eingewöhnung im Hause und nicht zuletzt der immer wieder spürbare Suchtdruck erforderten ein großes Maß an  Disziplin, Konsequenz und Durchhaltevermögen. Nach ca. zwei positiv absolvierten Monaten stellte sich bei mir eine deutliche Besserung ein, alles lief wesentlich besser. Das Therapiezentrum Saualpe befindet sich auf ca. 1550 Metern Seehöhe, dadurch ist man zwar sehr entlegen, aber das hat schon seine Gründe. Das therapeutische Angebot im Therapiezentrum Saualpe ist äußert vielfältig und umfassend, es beinhaltet z.B. soziales Kompetenztraining, kognitives Training, psychoedukative Gruppen und unterschiedliche Entspannungsgruppen, außerdem finden regelmäßige Einzelgespräche statt. Das Therapieprogramm ist über die gesamte Woche verteilt leicht zu bewältigen. Um finanzielle oder gerichtliche Problembereiche in Griff zu bekommen, steht eine Sozialarbeiterin zur Verfügung, diese arbeitet mit jedem Klienten individuell im Rahmen von Einzelgesprächen. Ein Ergotherapieraum mit dazugehöriger Werkstatt ist ebenso vorhanden wie auch ein Kraftkammerraum. Weitere sportliche Aktivitäten wie Tischtennis und Dart können sowohl im Indoor- als auch im Outdoorbereich durchgeführt werden. Eine weitere sportliche Attraktion stellt die von Klienten selbst errichtete Eisstockbahn dar, diese befindet sich direkt vor dem Therapiezentrum und wird jedes Jahr in Betrieb genommen.  Nur einige Meter vom Therapiezentrum entfernt befindet sich ein Skilift. Für das leibliche Wohl war immer bestens gesorgt, frisches Essen wird von einem eigens dafür beschäftigten Koch zubereitet, unterstützt wird er dabei von Klienten, täglich wird ein Klient für den Dienst als Beikoch eingeteilt.  Nach ca. sechs Monaten hat sich mein Gesundheitszustand extrem verbessert. Meine psychischen Probleme, insbesondere die Depression, konnten auf Grund der psychotherapeutischen Einzelgespräche und der gut eingestellten Medikation rasch stabilisiert und teilweise sogar abgestellt werden. Sportliche Erfolge gab es ebenso zu feiern, speziell im Rahmen diverser Turniere, wie z.B. Fußball, Tischtennis,  Eisstock und Billard oder einfach nur beim Wandern, es gibt täglich ein großes Maß an Herausforderung. Für freizeit- und erlebnispädagogische Aktivitäten wird auch bestens gesorgt, so wurde während meines Aufenthaltes auch ein sportlicher Kurzurlaub, in Form eines viertägigen Sommerurlaubes, angeboten.

Für die Zeit nach der Therapie wird rechtzeitig gesorgt, man erhält umfassende Unterstützung bei der Wohnversorgung (Wohnung oder betreute Einrichtung), auch Kontakte zu Nachbetreuungseinrichtungen werden bereits während der Therapie geknüpft. Mir ist es gelungen, wieder zu meinem alten Hobby zu finden, den Kontakt zu mir wichtigen Leuten wiederherzustellen sowie zu mir selbst zu finden. 

Zu meinen persönlichen „Highlights“ zählten unser jährliches Sportfest, diverse Ausflüge, der Sommerkurzurlaub und nicht zuletzt das regelmäßige, gemeinsame Essen. 

Die Aussicht von meinem Zimmer in die weite Bergwelt war ebenso  sensationell wie  die vielen, langen, gemeinsamen Gespräche mit Therapeuten, Betreuern, Mitklienten…und…und…und. 

Besonders unterstützend waren für mich die psychotherapeutischen Einzelgespräche mit meiner Einzeltherapeutin, mein Hobby und der Umstand, ganz einfach auf mich selbst zu schauen. Hervorzuheben ist dabei auch mein gelungener Versuch, dem Negativen etwas Positives rauszukitzeln.  Ich kann jedem der sich für eine Langzeittherapie bei der Agil-Sozialpädagogik GmbH entscheidet nur viel Glück und Durchhaltevermögen wünschen. Jeder, der es schafft, hat in seinem Leben einen großen Schritt vorwärts gemacht und darf sehr stolz auf sich sein!

Erfahrungsberichte - Susanne Simoner
28.05.2013
Meine Chance zur Rückkehr ins Leben - ein Erfahrungsbericht

Eine unserer Klientinnen hat sich die Zeit genommen, für Sie ihre Eindrücke und persönlichen Erfahrungen zur Langzeittherapie bei Agil Sozialpädagogik niederzuschreiben. Herzlichen Dank!

"Da jeder Klient seine eigene Vorgeschichte hat, nimmt jeder die Einrichtung,  die Therapieangebote  und den Therapieverlauf individuell wahr. Meiner Meinung nach ist der erste und schwierigste Schritt der, sich für eine Langzeittherapie zu entscheiden und sich so gut wie möglich auf die bevorstehende Therapie vorzubereiten. Der Entschluss, einen neuen Weg zugehen, um wieder Lebensqualität zu erfahren und Lebensfreude zu verspüren, ist das Um und Auf für das Erreichen eines positiven Therapieerfolges.

Ich habe diese Einrichtung für mich gewählt, da sie abgelegen ist und  sich auf 1440 Höhenmeter befindet. Weg vom Alltag, um für mich die  Chance zu nutzen in mich  zu kehren, um herauszufinden, wer bin ich, was ich erreichen möchte und was ich von mir selbst erwarte und von der  Einrichtung  (Therapeuten, Leitung, Betreuer und usw.).  Eigenverantwortung ist  höchste Priorität, die notwendig ist, um  einen neuen Weg zu gehen und die zur Verfügung stehende Zeit positiv zu nutzen. 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Betreuerteam jederzeit zur Verfügung steht, wenn man Hilfe benötigt. Die therapeutischen Angebote sind sehr vielfältig und umfangreich. Es liegt nur an einem selbst, ob man sie nutzt oder nicht. (Eigenverantwortung)

Die Tiefs, die ich  in gewissen Zeitabständen immer wieder verspüre, sind schwer auszuhalten, aber ich habe gelernt, toleranter mit mir zu sein und liebevoller mit mir selbst umzugehen. Durch die wöchentliche Reflexionsrunde hat man die Möglichkeit, Anliegen loszuwerden und Wünsche anzusprechen.  

Da ich selbst schon zwei Kurzzeittherapien hinter mir habe, weiß ich erst jetzt, wie wichtig es ist eine Langzeittherapie für sich in Anspruch zu nehmen. Man kann die Zeit nutzen zu sich selbst zu finden und wieder zu leben beginnen. 

Ich persönlich hatte große Angst diesen Schritt zu machen, der aber, wenn man in der Einrichtung lebt, sich befreiend anfühlt;  Angst vor der Angst die aber unbegründet war.

Da die Einrichtung sehr familiär geführt wird und zum Beispiel die Freizeitangebote gemeinsam mit uns geplant werden, hat man jederzeit die Möglichkeit, seine Wünsche und Bedürfnisse zu integrieren. Dadurch, dass ich mein Zimmer individuell gestalten kann, fühle ich mich in meinen „eigenen vier Wänden“ sehr wohl. Man hat jederzeit die Möglichkeit sich zurückzuziehen, um sich mit sich selbst zu beschäftigen oder sich von den anderen Mitbewohnern räumlich zu distanzieren.  

Neben den Terminen des Therapieprogramms bleibt genug Zeit, die man individuell gestalten und für sich nutzen kann.  Die umliegende Natur wirkt für mich sehr befreiend, sie gibt mir immer wieder Kraft mein Ziel, abstinent zu leben, weiterhin treu zubleiben. 

Dadurch, dass man die Gelegenheit hat, einmal im Monat ein verlängertes Wochenende in Anspruch zu nehmen, um nach Hause zu fahren, kann man für sich selbst immer wieder „testen“, wie gut  man für das Leben draußen schon bereit ist.  Schritt für Schritt und die Ehrlichkeit zu sich selbst, sind das Um und Auf für ein neues Leben. 

Ich persönlich würde mich wieder für diese Einrichtung entscheiden, da man Eigenverantwortung lernt und für sich selbst die benötigte Zeit bleibt, seine Zukunft gut zu planen."

Bericht einer Klientin im Therapiezentrum Eisenhut im Mai 2013

Erfahrungsberichte - Michaela Wieser
30.11.2012
Erfahrungsbericht eines Klienten im TZ Saualpe

„Your Life was one long emergency“ (Bruce Springsteen)

 

Daniel G, 39, ist einer von jenen die es noch einmal versuchen, die zwar schon “ganz unten” waren, aber trotzdem oder vielleicht gerade deswegen weiter kämpfen. Seine authentische Lebensgeschichte bedarf keiner Ausschmückungen – umso erstaunlicher, dass der Mut, den Menschen wie Daniel aufbringen, um zurück zu einem lebenswerten Dasein zu finden, von der Gesellschaft durchaus nicht immer anerkannt wird.

„Von der Alkoholabhängigkeit: dem Tode sehr nah“ betitelt der gebürtige Oberösterreicher seine schlicht formulierte Lebensgeschichte, die gerade in ihrer Schlichtheit berührt: „Im Alter von 8 Jahren hatte ich den ersten Kontakt mit Alkohol. Mein Großvater lies mich von seinem Glas Bier kosten. Danach gab es ab und zu einen Schluck Bier oder Wein. Im Alter von 14 Jahren trank ich fast täglich 2 – 3 Flaschen Bier, hauptsächlich wegen schulischer und familiärer Probleme.

Als ich mit 15 Jahren zu arbeiten begann, hatte ich es auch nicht gerade leicht und trank daher immer mehr. In der Baufirma, bei der ich tätig war, war es üblich, zur Hause, zu Mittag und am Abend Bier zu trinken. Mit 18 trank ich eine Kiste Bier pro Tag, doch ich dachte mir nichts dabei, die Kollegen tranken ja auch alle.

Mit 21 heiratete ich das erste Mal. Doch die Ehe war ein Horror Trip. Die Frau ließ die Kinder, die sie in die Ehe mit gebrachte hatte, allein zu Hause. Wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, war sie betrunken und die Kinder hatten nichts zu essen. Ich führte den Haushalt, kochte für uns alle. Ich selbst war eine lange Zeit trocken. Doch als ich bemerkte, dass meine Frau mich auch noch betrog, fing ich wieder mit dem Trinken an.

Nach einem Jahr konnte ich nicht mehr aufhören, trank alles, Bier, Rum, Wein, Schnaps, was gerade da war. Im Jahr 1993 ließ ich mich scheiden. Ich gab die Wohnung auf und zog in ein Firmenquartier. Im Alter von 23 Jahren, war ich alkoholkrank, versuchte mehrmals mir das Leben zu nehmen, da ich auch mit den finanziellen Problemen nicht mehr zurecht kam.

Mit 24 hörte ich mit dem Trinken auf. Ich schaffte es, 3 Jahre trocken zu bleiben, bis ich 2003 innerhalb von 3 Wochen mit dem LKW in zwei schwere Unfälle verwickelt war, die insgesamt sechs Todesopfer forderten. Mir kam keinerlei Schuld zu, aber ich verkraftete das Erlebnis nicht – der Absturz war unvermeidbar, ich trank wieder, täglich, bis zum Umfallen.

Meine zweite Frau, mit der ich gemeinsam in sieben Jahren drei Kinder hatte, ließ sich von mir scheiden. Von da an ging es steil bergab. Ich machte mehrere Entwöhnungen, die nichts halfen, wurde immer wieder rückfällig, konnte nicht mehr arbeiten, war jeden Tag volltrunken, schließlich verlor ich auch den Führerschein, landete schließlich auf der Straße.

Mein Leben war sinnlos geworden Wieder ein Suizidversuch, nur durch ein kleines Wunder überlebte ich. Das musste Sinn machen, dachte ich mir, mein Leben musste irgendwie weitergehen. Ich entschloss mich etwas zu unternehmen und entschied mich für eine Langzeittherapie bei der Agil Sozialpädagogik im Therapiezentrum Saualpe.

Seitdem hat mein leben wieder Sinn bekommen. Ich habe gelernt, ein Leben ohne Alkohol zu führen, und bin stolz darauf, trotz eines kleinen Rückfalls seit drei Monaten wieder trocken zu sein. Ich blicke zuversichtlich in meine Zukunft, mein Ziel ist es, trocken zu bleiben und wieder mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen zu lernen. Ich habe auch wieder eine Freundin gefunen, die mein Vorhaben trocken zu bleiben voll und ganz unterstützt. Ich bin froh und glücklich am Leben zu sein und es wieder genießen zu dürfen.“

Bericht von Daniel G., ehemaliger Klient im TZ Saualpe

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