Neuigkeiten - Sandra Terkl
02.03.2016
Gesellschaftsspiele  als gemeinschaftsfördernde AktivitätGesellschaftsspiele  als gemeinschaftsfördernde Aktivität
Gesellschaftsspiele  als gemeinschaftsfördernde AktivitätGesellschaftsspiele  als gemeinschaftsfördernde Aktivität

Würfeln, taktieren und vielleicht ein bisschen schummeln – Gemeinschaftsspiele sind im Therapiezentrum Eisenhut ein beliebtes Ritual und für die Klienten in jeder Hinsicht ein Gewinn. Spiele sind Ausdruck von Geselligkeit und Gemeinschaft. Um ein Gefühl des Zusammenhalts aufkommen zu lassen, muss man Zeit miteinander verbringen, denn dies  verbindet und verbündet das gemeinsame Tun beim Spiel. 

Regelmäßige Spieltermine sind mittlerweile ein fixer Bestandteil der Freizeitbeschäftigung, worauf sich die Klienten wie auch die Betreuer freuen. Nicht alle beschäftigen sich mit ein und demselben Spiel. Häufig bilden sich abends Gruppen, die jeweils etwas anderes spielen. Vor allem für jene Klienten die  neu im Therapiezentrum sind, bietet das gemeinsame Spiel eine gute Gelegenheit um – spielend – Kontakte zu knüpfen und sich besser kennenzulernen. Es kann sehr gut als Auflockerung eingesetzt werden. 

Ein Klassiker unter den Brettspielen  ist  „Mensch ärgere dich nicht“. Dieses Spiel führt häufig zu lustigen und manchmal auch aufregenden Spielabenden. Was macht nun so ein Gesellschaftsspiel so spannend und reizvoll? Abgesehen davon, dass es für einen angenehmen Zeitvertreib sorgt, fördert es den Zusammenhalt, verbindet und sorgt ebenso für die Ausbildung sozialer Kompetenzen. Zum einen ist es der Zufall, der das Spiel unberechenbar und interessant macht. Er sorgt dafür, dass ein und dasselbe Spiel jedes Mal anders abläuft. Und zum anderen steht im Spiel aktives Handeln der Mitspieler im Vordergrund. Mitspieler sein heißt, dabei zu sein und direkt am Geschehen teilzunehmen. Zudem beginnt jeder Spieler, egal ob Klient  oder Betreuer, das Spiel mit gleich guten Startbedingungen und Spielchancen. Alle im Spiel involvierten Personen sind als gleichberechtigte Partner zu sehen. 

Auch aufkommende Niedergeschlagenheit kann in einem spielerischen Miteinander in Heiterkeit verwandelt werden. Die lockere Aufheiterung führt zu Entspannung und man gewinnt Abstand zum ernsthaften Alltag. Regelmäßige Spieleabende sorgen auch für die Ausprägung sozialer Fertigkeiten. In der heutigen Gesellschaft kann soziales Verhalten als eigener Wert gesehen werden, doch nicht jeder hat dies selbstverständlich gelernt. Einem Spiel liegen oft ganz bestimmte Handlungsabläufe zugrunde, aus denen, besonders für die Gemeinschaft, verbindliche Regeln hervorgerufen werden. Die Handlungsabläufe können sich sowohl aus der Art des Spiels selbst, den Spielregeln oder aus dem Wunsch verschiedener Individuen ergeben, gemeinschaftlich zu handeln. 

Das Einhalten von Regeln, das faire Verlieren aber auch das  faire Gewinnen werden  bei Gesellschaftsspielen geprägt. Besonders Regeln, an die man sich halten muss, entsprechen den Regeln des Alltagslebens. So bildet das Spiel eine Art Übungsfeld für das Einhalten gesellschaftlicher Vorschriften.

Somit ist es wieder bewiesen – ein gutes Spiel kommt niemals außer Mode. Wenn sich alle zum Spieleabend treffen, werden Kontakte und Freundschaften noch mehr gestärkt und der Abend  bleibt meist in guter Erinnerung!

Therapeutisches Angebot - Markus Ruppnig
16.02.2016
Functional TrainingFunctional TrainingFunctional Training
Functional TrainingFunctional TrainingFunctional Training

Wie viele Bewegungen des Alltages sind auf ein einziges Gelenk beschränkt? Bewegungsmuster eines  traditionellen Krafttrainings sind meist auf ein einziges Gelenk bzw. eine Muskelgruppe begrenzt. Im Vergleich dazu sind Übungen im Functional Training komplexe Bewegungsabläufe, die mehrere Gelenke und Muskelgruppen gleichzeitig beanspruchen und die Eigenwahrnehmung (Propriozeption) von Muskeln, Sehnen und Gelenken trainiert.

Functional Training ist nicht nur ein Trend, sondern ist die Folge altbekannter Trainingsmethoden und Übungen, die alle schon einmal da waren. Der Unterschied von damals zu heute sind die neuen Ergebnisse aus Erkenntnissen und Erfahrungen von gesundheits- und leistungssportorientierten Experten sowie neue Sichtweisen auf die funktionelle Anatomie des Menschen.

Spätestens seit dem deutschen Fußball-Sommermärchen von 2006, als Jürgen Klinsmann die Athletiktrainer Mark Verstegen und Shad Forsyth 2004 in seinen Trainerstab aufnahm, hat sich Functional Training im deutschsprachigen Raum etabliert. Es ist ein Trainingsprogramm für alle Sport- und Bewegungsarten.

Diese Trainingsform ist im Prinzip alles, was Klienten, Kunden oder Athleten dazu bringt, ihren Körper in einen gesunden und leistungsbereiten Funktionsstatus zu bringen. Es ist nicht abhängig von der jeweiligen Bewegungsform bzw. Sportart. Der Grundsatz dieses Trainings ist, dass es sport- und bewegungsartübergreifend ist. 
Natürlich führt funktionales Training auch zu einem sichtbaren Muskelzuwachs, der allerdings nicht aus ästhetischen Gründen angestrebt wird, sondern allein dazu dient, die Leistungsfähigkeit des Individuums zu verbessern. Der Kern dieser Art von Training ist die Zweckmäßigkeit und Gebrauchstauglichkeit für die Trainierenden. 
Die Gebrauchstauglichkeit steht dabei für die Mindestanforderung, dass ein System (das Muskelsystem, das ZNS, das Organsystem) zur Zufriedenstellung des Nutzers arbeitet. 
Ob wir uns bewegen wollen, entscheiden wir bewusst. Wie wir uns bewegen und mit welcher Qualität und welcher Ökonomie beeinflussen andere Mechanismen. Bewegungsqualität und -quantität eines Menschen sind das Ergebnis von Koordination, Adaptionsfähigkeit, Mobilität, Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit. Für eine erfolgreiche Bewegung kommt es auf das Zusammenwirken dieser Fähigkeiten an. Qualität und Quantität der Bewegung werden  aber auch durch Emotionen, wie Spaß, Angst, Sorgen und unbewusste Wahrnehmungen beeinflusst. 

Basierend auf Übungen wie Kniebeugen und Ausfallschritten für die Beinmuskulatur sowie Zieh- und Stoßbewegungen für den Oberkörper zielen die Trainingsinhalte überwiegend darauf ab, dass die Klienten bzw. Kunden mit beiden Füßen auf dem Boden stehen und nicht von einem Kraftgerät unterstütz werden. Sie lernen dabei, ihr eigenes Körpergewicht zu halten und in verschiedenen Stellungen zu stabilisieren bzw. auszubalancieren. Es wird darauf geachtet, dass ein Gleichgewicht zwischen Stoß- und Ziehfähigkeit ebenso wie zwischen knie- und hüftdominanter Hüftstreckung, also der Kraft der vorderen und hinteren Oberschenkelmuskulatur, besteht.

Mögliche Ziele im Functional Training

  • Kräfte effizient einzusetzen
  • Bewegungssicherheit zu steigern
  • Verletzungen zu reduzieren
  • Reserven zu mobilisieren
  • Individuelle und fundamentale Bewegungsmuster zu fördern und zu fordern


Literaturangabe:
M. Boyle; Functional Training. Bewegungsabläufe perfektionieren, Muskelgruppen stärken, individuelle Schwächen beheben; Riva-Verlag; 5. Auflage; München (GER); 2013

Neuigkeiten -
02.02.2016
Erweiterung der Therapieräume -  Optimierung des Therapieangebotes im Bereich Ergotherapie im Therapiezentrum EisenhutErweiterung der Therapieräume -  Optimierung des Therapieangebotes im Bereich Ergotherapie im Therapiezentrum EisenhutErweiterung der Therapieräume -  Optimierung des Therapieangebotes im Bereich Ergotherapie im Therapiezentrum Eisenhut
Erweiterung der Therapieräume -  Optimierung des Therapieangebotes im Bereich Ergotherapie im Therapiezentrum EisenhutErweiterung der Therapieräume -  Optimierung des Therapieangebotes im Bereich Ergotherapie im Therapiezentrum EisenhutErweiterung der Therapieräume -  Optimierung des Therapieangebotes im Bereich Ergotherapie im Therapiezentrum Eisenhut

Im Rahmen der Erweiterung des ergotherapeutischen Angebotes in unserer Therapieeinrichtung haben wir in gemeinsamen Projekten die  Therapieräume renoviert bzw. erweitert.

Zu den schon vorhandenen Werkstätten ist noch ein zusätzlicher Raum entstanden, in dem das Angebot der Keramik wesentlich erweitert und verbessert werden konnte.

Durch die Förderung des Hauses und das Einbringen der jeweiligen Kompetenzen unserer Klienten, ist es uns gelungen, diese Räume in relativ kurzer Zeit auf die entsprechenden Bedürfnisse unserer Einrichtung anzupassen.

Das kommt natürlich unseren Klienten, die dadurch ein breiteres Angebot für sich nutzen können zu Gute.

Darüber hinaus hatten  unsere Klienten die Möglichkeit, sich aktiv in das Projekt mit einzubringen.

Viele Hinweise, Ratschläge und Erfahrungen sowohl vom Haus als auch von unseren Klienten sind während der Arbeiten in das Vorhaben eingeflossen.

Das hat sich durchaus positiv auf die Motivation aller Beteiligten ausgewirkt.

Das Gefühl  etwas Sinnvolles für sich, aber auch für die nachfolgenden Klienten getan zu haben, war ein nicht zu unterschätzender Faktor für den Erfolg der Maßnahme.

Die Art und Weise wie ein Therapieraum gestaltet, auf welche Inhalte besonderen Wert gelegt wird bzw. wurde, war oft Gegenstand angeregter Diskussionen.

Durch den zusätzlich entstandenen Raum und die Sanierungs – bzw. Renovierungsmaßnahmen kann so die Therapiedichte erhöht und optimiert werden.

Das kommt unseren Klienten zu Gute und verbessert gleichzeitig die Arbeitsbedingungen der Therapeuten.

Therapeutisches Angebot - Bettina Puster
19.01.2016
Resilienz – von der Theorie zur Praxis

Resilienz ist – auf den Punkt gebracht -  der Wille zu überleben. Das Wort “Resilienz“ leitet sich von der lateinischen Sprache ab: “resiliere“ bedeutet “zurückspringen“, “abprallen“. Ursprünglich kommt der Begriff aus der Physik und bezeichnet Materialien, die nach einer Belastung wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückkehren können. 

Übersetzt wird Resilienz mit “Widerstandskraft“. Resilienz ist also die Fähigkeit, auf wechselnde Lebenssituationen flexibel zu reagieren und auch stressreiche, frustrierende, schwierige und belastende Lebenssituationen ohne schwere psychische Beeinträchtigungen meistern zu können.

Resilienz ist nicht angeboren, sondern kann entwickelt und trainiert werden. Resilienz ist nicht als individuelle Eigenschaft zu verstehen, sondern als eine Fähigkeit, die sich im Verhalten des Menschen und seiner Lebensmuster manifestiert. Sie ist das Ergebnis eines Prozesses, der sich in der Interaktion zwischen dem Individuum und seiner Umwelt vollzieht.

Der Begriff der Resilienz in der Psychologie geht auf die Entwicklungspsychologin Emmy E. Werner PhD von der University of California zurück. Ursprünglich wurde Resilienz in Zusammenhang mit Kindern verwendet. Emmy E. Werner führte dazu eine Pionierstudie durch. Als “resilient“ wurden Kinder nach Werner bezeichnet, die unter schwierigsten Bedingungen aufgewachsen waren und dennoch als Erwachsene erfolgreich und psychisch gesund leben konnten. Sie begleitete 700 Kinder über vier Jahrzehnte lang. Die Kinder waren alle 1955 auf der Insel Kauai/Hawaii zur Welt gekommen. Die Entwicklung der Kinder wurde von Ärzten, Pflegepersonal und Sozialarbeiter regelmäßig überprüft – und zwar im Alter von einem Jahr, zwei Jahren, 32 und 40 Jahren. Zweihundertzehn der 700 Kinder mussten unter schwierigsten Bedingungen aufwachsen: sie waren arm, ihre Eltern waren krank, sie wurden vernachlässigt, kamen aus Scheidungsfamilien und oder wurden misshandelt. Wie werden sich diese Kinder über die Jahre entwickeln? Haben Sie eine Chance auf ein erfülltes Leben?

Für zwei Drittel der belastenden Teilnehmer mussten die Fragen negativ beantwortet werden. Aber ein Drittel der 210 Risikokinder entwickelte sich erstaunlich positiv. Ihr Team konnte zu keinem Zeitpunkt der Untersuchung irgendwelche Verhaltensauffälligkeiten entdecken. Diese Studienteilnehmer waren erfolgreich in der Schule, gründeten eine Familie und waren sozial eingebunden. Ihr Fazit: “Die Annahme, dass sich ein Kind aus einer Hochrisikofamilie zwangsläufig  zum Versager entwickelt, wird durch die Resilienzforschung widerlegt.“ Werner stellte fest, dass diese Kinder über Schutzfaktoren verfügen, welche die negativen Auswirkungen widriger Lebensumstände abmildern. Sie finden Halt in einer stabilen Beziehung zu Vertrauenspersonen außerhalb der zerrütteten Familie. Diese Vertrauenspersonen bieten ihnen einen Zufluchtsort und geben ihnen die Bestätigung, etwas wert zu sein. Diese Menschen fungieren als soziale Modelle, die dem Kind zeigen, wie es Probleme konstruktiv lösen kann.

Was macht uns resilient – also stark genug, um auch mit schwierigen Situationen aktiv umgehen zu können? Die Resilienzforschung definiert eine ganze Reihe von Faktoren, die dazu beitragen, dass Menschen psychisch gestärkt werden und Krisen erfolgreich verarbeiten können:

Beziehungsfähigkeit

  • Hoffnung
  • Selbstständigkeit
  • Fantasie
  • Kreativität
  • Unabhängigkeit
  • Humor
  • Entschlossenheit
  • Mut 
  • Einsicht 
  • Reflexion

Das “Resilienz-Konzept“ umfasst sieben Säulen:

  1. Optimismus:
    Wer eine Krise bewältigen möchte, sollte fest daran glauben, dass Krisen zeitlich begrenzt sind und überwunden werden können.
  2. Akzeptanz:
    Nicht immer läuft es so, wie wir es uns wünschen. Immer wieder hält das Schicksal Herausforderungen bereit. Die Situation einmal zu akzeptieren ist der erste Schritt.
  3. Lösungsorientierung:
    Nur zu überlegen, warum etwas passiert ist und wer dabei welchen Fehler gemacht hat, hilft nicht weiter. Lösungsorientierte Menschen beschäftigen sich nicht mit der Schuldfrage, sondern beginnen zu überlegen, wie sie das anstehende Problem am besten lösen können. Sie konzentrieren ihre Aufmerksamkeit  auf Ziele und Handlungsmöglichkeiten.
  4. Verlassen der Opferrolle:
    In die Opferrolle zu schlüpfen ist verführerisch. Es gilt jedoch, wieder Verantwortung für seine Situation zu übernehmen, denn nur so hat man wieder die Macht etwas daran zu verändern.
  5. Übernahme von Verantwortung:
    Wer Verantwortung übernimmt, ist in der Gestalter – statt in der Opferrolle.
  6. Netzwerkorientierung:
    In Krisensituationen ist die Unterstützung durch andere Menschen besonders wichtig. Wer mit Partnern oder Freunden über seine Probleme reden kann, fühlt sich gleich etwas besser. Manchmal braucht es auch aktive Hilfe.
  7. Zukunftsplanung:
    Proaktive Menschen stellen sich immer wieder Ziele. Dies motiviert sie und mobilisiert Energie. Schwierigkeiten zu meistern schafft Erfolgserlebnisse und stärkt das Gefühl der Selbstwirksamkeit.

Soweit die Theorie. Natürlich geht es in der Arbeit mit suchtkranken Menschen auch darum ihre Fähigkeit zu resilientem Verhalten zu stärken. Es gilt ihre innere Widerstandsfähigkeit im therapeutischen Dialog zu speisen und damit zu stärken:

Ich habe Vertrauen!

Ich kann es schaffen!

Ich kann das bewältigen!

Es geht aber nicht darum, alles schön zu reden bzw. nur positiv zu formulieren. Es geht nicht darum, der Krise ihren Schrecken zu nehmen und quasi den Klienten zu suggerieren: wenn du “resilient“ genug bist, kann dich nichts mehr erschüttern. Resilienz ist keineswegs mit Unempfindlichkeit oder der Selbstverleugnung traumatischer Erlebnisse zu verwechseln. Vielmehr beschreibt diese Fähigkeit eine Haltung innerer Stabilität.

Es geht darum, den Klienten ein Vorbild zu sein. Es geht darum, den Klienten zu vermitteln, wie facettenreich ein Leben sein kann. Manchmal gibt es keine Lösung. Stattdessen muss man lernen, mit unbeantworteten Fragen zu leben. Trotzdem kann das Leben schön und wertvoll bleiben!

Therapeutisches Angebot -
16.12.2015
Die Einbeziehung Angehöriger in die TherapieDie Einbeziehung Angehöriger in die Therapie
Die Einbeziehung Angehöriger in die TherapieDie Einbeziehung Angehöriger in die Therapie

Die Suchtmittelabhängigkeit entwickelt sich nicht in wenigen Tagen oder Wochen, sondern über Jahre hinweg. 

Jeder, der mit einem Abhängigen zusammenlebt, wird davon in Mitleidenschaft gezogen. Die Entwicklung ist ja für die Freunde und Angehörigen oft noch unfassbarer als für den Betroffenen selbst, denn sie sehen alles viel klarer als der Kranke. Diese klare Sicht hindert die Angehörigen aber meistens nicht, auch das Problem herunter zu spielen. Auch die Angehörigen müssen daher oft erst lernen, der Tatsache der Suchtmittelabhängigkeit ins Gesicht zu sehen. 

Das Erkennen und Akzeptieren ist grundlegend, aber nicht ausreichend. Das Wechselbad der Gefühle von Ratlosigkeit bis Verzweiflung, das oft dramatische Geschehen im Rausch, das Hin und Her zwischen Drohung und Vergebung, Hoffen und Bangen sowie die zunehmende Belastung mit Pflichten und Aufgaben, die früher der Kranke selbst wahrnahm, stellen nämlich hohe Anforderungen an die Belastbarkeit der Angehörigen. Und alle diese Erfahrungen der Vergangenheit kann man nicht „einfach vergessen“. Ebenso wenig wird alles von alleine gut, wenn das Problem Abhängigkeit beseitigt ist. Notwendig ist daher die Einbeziehung der Angehörigen in mindestens fünf Bereichen: 

  1. Es soll Verständnis für die Entwicklung und Art der Krankheit des Angehörigen vermittelt werden.
  2. Eine offene Aussprache zwischen den Betroffenen soll ermöglicht werden, damit die Vergangenheit bewältigt wird.
  3. Gemeinsame Vorstellungen über ein zukünftiges Leben sollen entwickelt werden.
  4. Möglichkeiten für den Umgang mit immer wiederkehrenden Gefühlen, wie Misstrauen, Angst und Ärger sollen erkundet werden.
  5. Vorbeugend soll ein Vorgehen bei Rückfälligkeit gemeinsam entwickelt und abgesprochen werden.

Bevor man sich als Partner aktiv in die Behandlung und den Genesungsverlauf eines Suchtkranken einschaltet, sollte man bedenken, dass dieser letztlich allein für sich verantwortlich ist. Wenn man sich aber intensiv mit der Krankheit seines Partners und dessen Genesung auseinandersetzen will, dann verlangt dies auch Verantwortung, Engagement und Toleranz von einem. Bedenken Sie als Angehöriger also vorher genau, 

  • ob Sie die dafür notwendige Zeit aufbringen können und wollen,
  • ob Sie Geduld haben, aktiv zuzuhören und Positives zu erkennen und zu loben,
  • ob Sie bereit sind, sich auch mit sonstigen Beziehungsproblemen auseinanderzusetzen, die in der Vergangenheit eventuell nur von der Krankheit verdeckt waren,
  • ob Sie wirklich Interesse am Wohlergehen Ihres Partners haben oder ob sie sich nur aus Pflichtgefühl an der Behandlung beteiligen wollen,
  • ob Sie auch wirklich in der Lage sind , die Rolle des Stärkeren und des Beschützers in Ihrer Partnerschaft aufzugeben und
  • ob Sie die Bereitschaft mitbringen, auch Ihren Lebensstil in Frage zu stellen, nicht nur den Ihres Partners!

Erst wenn Sie diese Fragen positiv für sich geklärt haben, wird Ihre Beteiligung am Genesungsprozess des Partners diesem wirklich helfen und ihn voranbringen. Andernfalls könnten Sie ihren Partner eher dazu veranlassen, Verantwortung für sich an Sie abzugeben oder aber halbherzige Lösungen zu suchen, die langfristig eher zu Unzufriedenheit als zu Zufriedenheit führen.

Neuigkeiten - Fritz Sztuparits
25.11.2015
Schritte in eine agile ZukunftSchritte in eine agile ZukunftSchritte in eine agile ZukunftSchritte in eine agile Zukunft
Schritte in eine agile ZukunftSchritte in eine agile ZukunftSchritte in eine agile ZukunftSchritte in eine agile Zukunft

Wir haben unser Therapiekonzept weiterentwickelt. Inhaltlich und optisch.  

Veränderungen in den  klinischen Krankheitsbildern und  damit auch der Bedürfnisse der Menschen, die eine Langzeittherapie  in unseren therapeutischen Einrichtungen absolvieren, haben uns bewogen, unser Therapiekonzept und unsere therapeutischen Angebote zu adaptieren, weiterzuentwickeln und zu ergänzen. 

In Hinblick auf die Behandlung von zusätzlichen psychiatrischen Erkrankungen (Komorbiditäten und Mehrfachdiagnosen) wurde der Umfang der psychiatrischen Verlaufskontrolle verdoppelt. Diese findet nun wöchentlich  unter der Leitung des Facharztes  für Psychiatrie statt. 

Daher sind wir auch in der Lage, in unseren Therapiezentren einen langsamen Entzug und die langwierige Therapie der Medikamentenabhängigkeit durchzufüren, wobei sich der Entzug über Monate hinstrecken kann.

Im Bereich der Klinischen und Gesundheitspsychologie bringen wir in unserer Genusswerkstatt Menschen wieder auf den Geschmack des Lebens. 

Der Schwerpunkt Lederarbeiten im Therapiezentrum Saualpe ergänzt das bereits umfangreiche Programm der Ergotherapie. Durch die Anwendung evidenzbasierter Assessments werden Ziele nachvollziehbar formuliert und deren Erreichung klar überprüfbar.

Als völlig neues  therapeutisches Programm wird im Therapiezentrum Eisenhut Kunsttherapie angeboten, die von einer akademisch ausgebildeten Kunsttherapeutin durchgeführt wird. Im Rahmen der Kunsttherapie gibt die Landart neue Impulse und Anregungen in der Auseinandersetzung mit sich selbst und den eigenen Themen.

In der ernährungsmedizinischen Beratung  wird eine ausführliche Anamnese erhoben und mit Hilfe moderner Methoden, wie die Messung des Körperfetts mit einem Nah-Infrarot-Gerät, individuelle Ernährungspläne erstellt.

Geplante und dosierte Maßnahmen in der Sport- und Bewegungstherapie, die individuell  abgestimmt durch unseren geprüften Sport und Trainingstherapeuten erstellt werden, sollen helfen, durch ein vielfältiges Angebot eine positive Einstellung zur Bewegung zu erlangen.

Physische, psychische und soziale Fähigkeiten werden wiederhergestellt und verbessert. 

Alle therapeutischen Programme werden im Einzel- und Gruppensetting angeboten.

Mit den inhaltlichen Veränderungen haben wir gleichzeitig das optische Erscheinungsbild unserer Broschüre neu gestaltet. Sehen Sie  sich das auf unserer Homepage an und bestellen Sie mittels Bestellformular unsere Informationsunterlagen. Diese stehen auch als Download zur Verfügung.

Wissenswertes -
03.11.2015
Wohnungslosigkeit

Wohnungslosigkeit ist ein Thema, mit dem wir Sozialarbeiterinnen in unserer Arbeit mit suchtkranken Menschen immer wieder zu tun haben. 

Wohnungslosigkeit bezeichnet einen Zustand, in dem Menschen über keinen festen Wohnsitz verfügen und im Freien schlafen oder in Notunterkünften übernachten. Ein „treuer Wegbegleiter“ der von Obdachlosigkeit betroffenen Personen  ist häufig  Alkohol. Er hilft ihnen, aus der Realität zu flüchten und das Leben auf der Straße erträglicher zu machen. Daher hat Obdachlosigkeit oftmals übermäßigen Alkoholkonsum zur Folge. Gleichzeitig kann ein Alkoholmissbrauch bzw. eine Alkoholsucht aber auch den Verlust einer Wohnung bedingen. Laut einer Studie aus dem Jahr 1998 konsumieren 60% - 80% der obdachlosen Menschen regelmäßig Alkohol bzw. haben bereits ein manifestes Alkoholproblem (vgl. Pörksen/Wessel 1998; Henkel 1998a). Laut einer in Deutschland durchgeführten Erhebung leiden viele Obdachlose zusätzlich an psychischen Problemen. 

In unserer Arbeit in den Therapiezentren treffen wir immer wieder auf Klienten, die wohnungslos sind. Sie haben keine fixe Unterkunft, übernachten in Notschlafstellen oder schlafen im Freien. 

In Gesprächen zwischen Sozialarbeiterin und Klient wird der Grund für die Wohnungslosigkeit erhoben und in weiterer Folge wird versucht, Strategien zu erarbeiten, um einer zukünftigen Wohnungslosigkeit entgegen zu wirken. Vor allem in der zweiten Therapiehälfte wird diese Thematik verstärkt aufgegriffen. Es wird mit den Klienten erarbeitet, wohin es im Anschluss an die Therapie gehen soll und welche Art von Unterkunft sinnvoll ist. Hierbei wird der Gesundheitszustand des  jeweiligen Klienten berücksichtigt. Sollten medizinische Gründe oder schwere psychische Beeinträchtigungen vorliegen, sodass eine selbstständige Lebensführung nicht möglich ist, wird mit den Klienten nach Alternativen für eine eigene Wohnung gesucht, so z.B. werden die Klienten in teil- oder vollzeitbetreuten Wohneinrichtungen untergebracht. Diejenigen Klienten, deren Gesundheitszustand eine selbstständige Lebensführung zulässt, erhalten sozialarbeiterische Unterstützung bei der Suche nach eine passenden Wohnung.

Gesamt gesehen wird versucht, eine für den  Klienten optimale Wohnversorgung zu finden und damit ein für ihn bestmögliches Umfeld zu schaffen, welches zur Aufrechterhaltung der Abstinenz beitragen kann.

Therapeutisches Angebot - Rafaela Simon
20.10.2015
Landart - das Gestalten in und mit der NaturLandart - das Gestalten in und mit der NaturLandart - das Gestalten in und mit der NaturLandart - das Gestalten in und mit der Natur
Landart - das Gestalten in und mit der NaturLandart - das Gestalten in und mit der NaturLandart - das Gestalten in und mit der NaturLandart - das Gestalten in und mit der Natur

„Landart“ ist eine Kunstrichtung, die ihren Ursprung in Amerika hat. Hierbei geht es um eine künstlerische Gestaltung in der Natur, mit den vor Ort  vorgefundenen Naturmaterialien.

Sollten die Klienten der Landartgruppe im Therapiezentrum Eisenhut Schwierigkeiten beim Auswählen eines für sie passenden Themas haben, wird ihnen jede Woche ein anderes zum Gestalten angeboten. Die Themen sind in der Regel so gewählt, dass den Teilnehmern stets zwei Zugänge zum Thema zur Verfügung stehen. Ein Zugang gestaltet sich über die Natur an sich und ein alternativer über den persönlichen Bezug zum Thema.

So kann man zum Beispiel bei dem Thema „Innen und Außen“ über den Zugang der Natur herausfinden, wie  die Natur selbst mit dem Thema umgeht. Was hat das Äußere in der Natur für Eigenschaften und zu welchem Zweck gibt es in der Natur ein Innen und Außen? 

Der Zugang zum Thema über den persönlichen Bezug gibt Aufschluss darüber, welches Innere und Äußere einen selbst umgibt. Dabei werden womöglich Fragen beschäftigen wie: Wo hört mein Inneres auf? Wo fängt das Äußere an? Sieht man von außen das Innere und umgekehrt? Welche symbolischen Naturmaterialien lassen sich dafür finden?

Im Vordergrund der Landartgruppe im Therapiezentrum Eisenhut stehen die Begeisterung an der Natur und die Betrachtung bzw. Reflexion eigener Lebensthemen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Die Vielfalt der Natur eröffnet  jedem unserer Klienten die Möglichkeit, sich selbst mit einer eigen gesetzten Intensität zu begegnen.

Eine kritische künstlerische Auseinandersetzung spielt in der Landartgruppe im Therapiezentrum Eisenhut keine Rolle. Bei den Gestaltungen gibt es kein „Richtig oder Falsch“ - kein „Gut oder Schlecht“. Vielmehr geht es darum den Dingen Ausdruck zu verleihen, mit welchen man sich während der Gestaltungsphase beschäftig hat. Die Resultate reichen von abstrakten, symbolischen und gegenständlichen Gestaltungen,  bis hin zur Mitteilung einer Erkenntnis oder Beobachtung während dieser Phase.

Die künstlerischen Prozesse in und mit der Natur entschleunigen den  Alltag und geben unseren Klienten Raum, sich mit sich selbst und der aktuellen Lebenssituation auseinander zu setzen. Die Natur fordert uns dabei auf, sich von der Dauerhaftigkeit der Dinge zu lösen. Sie verlangt Flexibilität und Vertrauen. Blickwinkel erweitern sich und Wahrnehmungen werden fokussierter. So kann das Gestalten in der Natur einen meditativen Charakter einnehmen.

Landart sowie Antriebskraft der Natur räumen die  Möglichkeit ein,  wieder aktiv zu werden und die eigene Kreativität zu beleben. Das Wahrnehmen der schönen Bergwelt sowie die frische Luft und das Tageslicht haben positiven Einfluss auf die Stimmung und den Gemütszustand. Die entspannende Atmosphäre regt die Sinne an, sich für Neues zu öffnen und seine Kreativität zu entfalten. 

Die neu gewonnene persönliche Ausdrucksmöglichkeit lässt Kunstwerke entstehen, die ein reales und manifestes Produkt der eigenen Reflexion darstellen. Das Erschaffene repräsentiert die selbst erarbeiteten Erkenntnisse über sich selbst und steht nun erfassbar gegenüber.

So bekommt der gesamte Prozess der Persönlichkeitsentwicklung ein reales Abbild, wobei die Natur oft der Motivator ist, der über sich selbst hinauswachsen lässt.

Abschließend lässt sich sagen, dass nicht nur die Arbeit mit unserer Klientel an und für sich, sondern diese auch in freier Natur zu vollziehen, ein schönes Betätigungsfeld für mich darstellt. In der interdisziplinären Auseinandersetzung mit meinen Kollegen anderer Fachbereiche ist es mir möglich, der Ausdrucksweise der Klienten mittels dieser Gestaltungsform die nötige Bedeutung zu verleihen. Somit wird der zusätzliche kunsttherapeutische Ansatz im Therapiezentrum Eisenhut  zu einem integralen Teil der Therapie.

Therapeutisches Angebot - Sinikka Huhndorf
12.10.2015
Zucker(-falle) in Lebensmitteln

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt höchstens 25 g Zucker, entspricht etwa sechs Teelöffeln oder acht Stück Würfelzucker, täglich aufzunehmen. Tatsächlich konsumieren wir ca. 130 g Zucker. Nur eine kleine Portion davon fügen wir unserer Nahrung selbst zu, z.B. einen Löffel Zucker in den Tee oder Kaffee. Den größeren Teil nehmen wir unbewusst zu uns: über zahlreiche Lebensmittel, die weit mehr Zucker enthalten, als man ahnt. Ein Großteil der Menge, den man Tag für Tag aufnimmt, befindet sich in verarbeiteten Lebensmitteln, die gar nicht als süß angesehen werden. In fertigen Saucen, Würzmitteln und Fertiggerichten ist Zucker in großen Mengen enthalten: Senf, Ketchup, Wurst, Tiefkühlpizza, 

Frühstücksflocken, Fleischsalat, Rotkohl aus dem Glas...  
Und in einer Brezel stecken 14 Würfelzucker!

Als kritischer, freier Zucker gilt dabei Zucker, der Speisen und Getränken zugesetzt wird, und Zucker, der natürlicherweise in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthalten ist. Die Empfehlung lautet: das Obst essen und nicht trinken!

Die neuen Richtlinien sollen helfen, die weltweite Übergewichtsepidemie zu stoppen. Immer mehr Menschen wiegen zu viel und haben dadurch ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Fettleber, Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall. In Österreich gibt es ca. 600.000 Diabetiker. Jedes Jahr sterben weltweit bis zu 30 Millionen Menschen indirekt an ihrem Zuckerkonsum.

Bei jedem Verzehr von Zuckerstoffen steigt im Blut die Konzentration von Insulin an. Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse gebildet und nach dem Verzehr von Kohlenhydraten ins Blut abgegeben. Insulin hat die Aufgabe den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren, wo er zu Energiegewinnung benötigt wird. Je süßer eine Mahlzeit schmeckt, desto mehr Einfach- und Zweifachzucker sind in der Regel enthalten. Je schneller und intensiver der Zucker im Blut ansteigt, desto mehr Insulin wird gebraucht. Insulin führt aber nicht nur zur Normalisierung des Blutzuckers, sondern fördert die Fett-speicherung, hemmt den Fettabbau und löst wieder Hunger aus.

Leichtverdauliche Kohlenhydrate wie Zucker haben größere Schwankungen des Insulinspiegels zur Folge, man spricht von einer höheren glykämischen Last.

Mischgetränke wie Cola oder Limonade, aber auch natürliche Fruchtsäfte, enthalten bis zu 120 g Zucker pro Liter, was 40 Stück Würfelzucker und einem Viertel des täglichen Energiegrundumsatzes eines 70 kg schweren Mannes entspricht.

In 250 g Fruchtjoghurt stecken bis zu 13 Würfelzucker!

Zucker wird auf den Lebensmittelverpackungen nicht immer als Zucker deklariert. Hinter den Begriffen wie z. B. Fruktose, Laktose, Glucose, Dextrose, Maltodextrin, Süßmolkenpulver, Magermilchpulver steckt Zucker. Das ungesüßte Cappuccino-Pulver enthält aus der Zutat Süßmolkenpulver ca. 40 % Zucker. In der Zutatenliste taucht Zucker aber nicht auf.

Viele  sogenannte Light-Produkte sind zwar fettarm, aber meistens reich an Zucker.
Zucker macht Heißhunger, und wir essen noch mehr. Der überschüssige Zucker wird in Fett umgewandelt.

Der Zucker und die  Folgen des übermäßigen Konsums sind ein zentrales, immer wieder- kehrendes Thema in den ernährungsmedizinischen Einzelgesprächen und Gruppen in unserer Einrichtung. Die Patienten werden über die Zuckerarten und versteckten süßen Zutaten ausführlich informiert. Die Leber, wie  alle Organe, alkoholkranker Menschen, wurde bereits durch den Alkohol geschädigt.  Fettleber und Leberzirrhose sind häufig die Folgen. Durch kohlenhydratreiche Ernährung würde man die Leber noch zusätzlich belasten.

Zucker und andere Kohlenhydrate müssen wir uns verdienen: durch Sport und Bewegung!

Therapeutisches Angebot - Michaela Muschet
23.09.2015
Ausbildung in der Agil-Sozialpädagogik: Learning by doing

Nachdem ich schon seit gut eineinhalb Jahren  als Ergotherapeutin in der Agil-Sozialpädagogik im Therapiezentrum Saualpe tätig bin, durfte ich am 1. Juli dieses Jahres meine erste Praktikantin willkommen heißen. Unsere Praktikantin studiert an der Fachhochschule Kärnten im 6. Semester Ergotherapie und entschloss sich, ihr im Rahmen der Ausbildung verpflichtendes Fachpraktikum bei uns im Therapiezentrum Saualpe zu absolvieren. 

Am 1. Juli war es soweit, mein letztes Praktikum vor Beendigung meiner Ausbildung startete bei AGIL Sozialpädagogik im Therapiezentrum Saualpe und soll den Pflichtbereich „Psychiatrie“ abdecken. Eine schlaflose Nacht ging dem Praktikumsbeginn voran…

Wie wird das Team sein? Wie wird die Arbeit mit 21 männlichen Klienten werden? Kann ich die bereits gelernte Theorie entsprechend in die Praxis umsetzten? Diese Fragen beschäftigten mich die letzten Stunden vor Praktikumsstart. Wie sich herausstellte waren alle Sorgen umsonst!

Nach kurzer Eingewöhnungsphase und einer ausgezeichneten Einschulung durch das gesamte Team der Saualpe, konnte ich mich rasch als Teammitglied fühlen und mich so voll und ganz darauf konzentrieren, nun die Theorie in die Praxis umzusetzen. Super unterstützt wurde ich dabei von meiner Anleiterin. Selbstständiges durchführen von Einzel- und Gruppentherapien, Vor- und Nachbesprechung der Einheiten, regelmäßige Reflexionen und die Arbeit nach dem „Model of Human Occupation“ und dessen Assessments ermöglichten mir ein Praktikum wie es im Lehrbuch steht. Da der psychiatrische Bereich der Ergotherapie vor allem auf handwerklichen Tätigkeiten basiert und die Ergotherapeutin des Therapiezentrums ein sehr kreatives und handwerklich begabtes Köpfchen ist, wurde mir hier eine sehr große Materialvielfalt geboten. Vor allem für das Arbeiten mit Leder konnte ich mich begeistern. Zudem konnte der therapeutische Umgang mit anderen Materialien (Malerei, Speckstein, Brennbilder etc.) durch die vielen angebotenen Techniken im Therapiezentrum Saualpe, so von mir gefestigt werden. 

Die anfänglichen Bedenken bezüglich der männlichen Klienten konnten auch bald abgelegt werden. Die Herren sahen mich alsbald als vollwertiges Mitglied an, manchmal benötigte es zwar etwas Durchsetzungsvermögen meinerseits, was meiner persönlichen Entwicklung aber auch nicht schadete. Unsere Therapieeinheiten verliefen immer sehr produktiv, gleichzeitig kamen Humor oder auch manchmal ernstere Gespräche nie zu kurz und so gelang es mir, eine gute therapeutische Beziehung zu allen Klienten im Therapiezentrum aufzubauen.

Das Praktikum auf der Saualpe konnte mir neben einem schönen Ausblick auch wieder einmal zeigen, wie breitgefächert das Arbeitsgebiet der Ergotherapie ist. Abgesehen von den handwerklich-kreativen Techniken, wurden im Rahmen der Therapie Reparaturen im Zimmer durchgeführt oder die Herren zu mehr Körperbewusstsein und –pflege angeleitet. Im Therapiezentrum Saualpe durfte ich die Erfahrung machen, dass die Ergotherapie im Bereich Psychiatrie vom Basteln weg, hin zum alltagsorientierten Handeln geht.

Zusammenfassend kann ich nur DANKE an das Team sowie an alle Klienten sagen, dass sie mich so gut auf meinen baldigen Berufseinstieg vorbereitet haben.

Abschließend darf ich als Praktikumsanleiterin festhalten, dass unsere Praktikantin  für das gesamte Team eine Bereicherung darstellte. Durch ihre wertschätzende Haltung, ihr Engagement, ihre Lernfähigkeit und ihre ruhige besonnene Art erfuhr sie auch positive Resonanz unserer Klienten. Für ihren weiteren studentischen und beruflichen Werdegang wünscht ihr das gesamte Team  alles Gute und viel „AGILität“.

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