Therapeutisches Angebot - Marion Girbl-Weinmüller
10.01.2017
Upcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetztUpcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetztUpcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetzt
Upcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetztUpcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetztUpcycling – Schwemmholz neu in Szene gesetzt

Erstmalig erwähnt wurde der Begriff Upcycling 1944 in einem Artikel in der britischen Zeitschrift „Salvo“, in dem der Ingenieur Reiner Pilz, mit seiner Kritik an der Abfallrahmenrichtlinie und der Praxis beim Baustoffrecycling zitiert wird: „‚Recycling‘, sagte  er‚ich nenne es Downcycling. Sie schlagen Steine kaputt, sie schlagen alles kaputt. Was wir brauchen, ist Upcycling, wo alte Produkte einen höheren Wert erhalten, keinen geringeren.‘“ (Quelle Wikipedia)

Upcycling gewinnt in der heutigen Zeit aus mehreren Gründen an Bedeutung – neben dem zunehmenden Rückgang der Ressourcen kann man auch von einem ästhetischen, kreativen Trend sprechen, der gesellschaftlich durchaus große Kreise zieht und sein Standing im Bereich von gehobenem Design und Kunst genauso findet, wie in der DIY-Bewegung (Do-it-yourself) oder auch in der Therapie.

Vor allem im Bereich der Langzeittherapie finden sich dabei interessante Projekte, die das Upcycling- Thema erfolgreich umsetzen. Zum Beispiel das Projekt „Gabarage Upcycling Design“ in Wien, wo ehemals drogenabhängige Menschen auf dem Weg in einen geregelten Arbeitsalltag begleitet werden. Oder auch das Upcycling Hotel Binder mit 13 Designzimmern.

Auch im Therapiezentrum Eisenhut der AGIL-Sozialpädagogik GmbH auf der Flattnitz, wird das Thema Upcycling im Rahmen der Ergotherapie unterschiedlich realisiert und neu in Szene gesetzt. Eines der dabei verwendeten Materialen ist Schwemmholz. Die Arbeit mit diesem vermeintlich „wertlosen“ Material hat auch therapeutisch mehrere positive Aspekte zu bieten.

In der Auseinandersetzung mit dem Material entwickeln die Klienten häufig ein kreatives Potential, das Ihnen oft gar nicht bewusst ist. Manchmal entsteht zuerst die Idee für ein Werkstück und dann geht es darum, die passenden Holzstücke dafür zu finden. Oder ein Holzstück besticht durch seine außergewöhnliche Beschaffenheit, Struktur und es gilt zu entscheiden und sich auf den kreativen Prozess einzulassen, was daraus entstehen könnte.

Aus therapeutischer Sicht beinhaltet gerade das Schwemmholz sehr interessante Möglichkeiten hinsichtlich dem Erwerb und Ausbau verschiedenster Fähigkeiten. Die Bearbeitung erfordert aufgrund der Beschaffenheit oft hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Gleichzeitig bietet es ein großes Übungsfeld im Umgang mit Widerständen und Hürden bzw. dem Erwerb und Ausbau von Fähigkeiten wie Ausdauer, Konzentration, Sorgfalt etc. Gleichzeitig ermöglicht es auch besondere Erfolgserlebnisse, wenn letztendlich aus etwas vermeintlich Nutzlosem ein außergewöhnliches Unikat entsteht!

Wissenswertes - Dietmar Haider
09.12.2016
Case Management als Allheilmittel in der Sozialarbeit?

Die Wurzeln des Case Managements (im Folgenden CM) liegen Kleve (2006) zufolge in den USA, wo man Ende der 1970er Jahre dazu überging, die stationäre Unterbringung von Klienten der Sozialarbeit abzubauen und die-se möglichst in ihren je individuellen Lebenswelten zu betreuen. CM bietet also eine lebensweltlich fokussierte soziale Unterstützung, was Social Casework, die soziale Einzelfallhilfe, allerdings ebenso leistet. Das wirft zu-nächst die Frage auf, was CM – im Vergleich zu Social Casework – denn eigentlich ist?

Es finden sich für beide Ansätze naturgemäß eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen, die prägnanteste lie-fert m. E. die simple (semantische) Transformation ins Deutsche: Soziale Einzelfallarbeit vs. Soziales Einzel-fallmanagement. Während sich die Einzelfallarbeit auf das einzelne Individuum konzentriert und dabei vor allem funktionale, psychosoziale und/oder problemlösende Ansätze verfolgt, versucht man beim CM, den Betroffe-nen – das können Einzelne, Familien oder Gruppen sein – benötigte Leistungen über die Verbindung individuel-ler und institutioneller Systeme entlang definierter Effektivitäts- und Effizienzkriterien zuzuführen. CM fungiert somit als Schnittstelle zwischen Klienten und Versorgungssystem, das neben formellen auch informelle Res-sourcen integriert – mit dem primären Ziel, den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und dabei ökonomi-schen Kriterien hinsichtlich der Versorgungssysteme, sprich: v. a. staatlicher Leistungen zu genügen, also zu sparen.

Bei der Arbeit im Therapiezentrum verfolge auch ich das Primat der Hilfe zur Selbsthilfe. Die Klienten sollen, um mit Freud zu sprechen, Herr im eigenen Haus, d. h. kompetent werden, ihr Leben in Eigenregie zu meistern und bei Problemen in der Lage sein, individuelle, soziale und institutionelle Ressourcen entsprechend zu aktivieren. Der CM-Ansatz stellt auch eine probate Methode dar, einen Fall aus einer sozusagen auktorialen Perspektive zu bearbeiten, alle tatsächlich oder potenziell am Hilfeprozess Beteiligten mit ihren jeweiligen Möglichkeiten zu identifizieren, den Wert gut geplanter Vernetzungs- und Vermittlungsarbeit zu erkennen, ihre Vorzüge zu nutzen und dabei ressourcenschonend, nicht zuletzt im eigenen bzw. im Interesse der Einrichtung zu agieren.

Trotz all dieser methodischen Vorzüge kann in unserem multidisziplinären Setting auf eine lebensweltorientierte Einzelfallhilfe nicht verzichtet werden, besonders dann, wenn die zu bearbeitenden Probleme in den Klienten selbst lokalisiert werden. Zudem haftet dem CM ein wenig der Geruch an, Erfüllungsinstrument für einen auf dem Rückzug befindlichen Sozialstaat zu sein oder dies zumindest zu werden. „Hilfe zur Selbsthilfe“ und „Res-sourcenorientierung“ können auch als euphemistisch interpretierte Schritte zu einer in Wahrheit umfassenden Verschlankung der sozialen Systeme sein, die immerhin integrale Bestandteile unseres bewährten gesellschaft-lichen Konzeptes, der sozialen Marktwirtschaft, darstellen. Dass dies nicht völlig von der Hand zu weisen ist, zeigt sich auch in der täglichen Arbeit mit und für die Klienten. Beispielsweise nehmen wir besonders in letzter Zeit länderspezifische Novellierungen in den Mindestsicherungsgesetzen wahr, die die Kürzung einzelner sozia-ler Leistungen zum Ziel haben.

Es zeigt sich also, dass das CM eine ambivalente Angelegenheit ist, deren methodische Vorzüge man in Er-gänzung zur Einzelfallhilfe durchaus nutzen sollte, deren implizite negativen Potenziale jedoch nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Insofern ist es nicht angebracht, es zum Allheilmittel sozialer Arbeit zu erheben.

Zum Nachlesen:
Kleve, Heiko (2006): Systemisches Case Management. Eine effektive und effiziente Methode lebensweltlich und sozial-räumlich orientierter Fallarbeit. In: SIO – Sozialarbeit in Oesterreich. Zeitschrift für Soziale Arbeit, Bildung und Politik 1/06, S. 14-

Therapeutisches Angebot - Karin Ferstl
24.11.2016
Wickel und Auflagen

Die Anwendung von Wickel und Auflagen in der Pflege von Menschen ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon immer nutzte man die vielfältige Einsatzfähigkeit zur Anregung der Selbstheilungskräfte, zur Schmerzlinderung und Entspannung. Das vorrangige Ziel ist die Verbesserung der Befindlichkeit.

In den letzten Jahren haben komplementäre Pflegemaßnahmen, zu denen unter anderem auch die Wickel gehören, glücklicherweise wieder an Bedeutung gewonnen. Auch im privaten Bereich werden Wickel von Menschen, die auf der Suche nach ergänzenden Methoden zur Schulmedizin sind, mehr genutzt. Sie sind einfach anzuwenden, kostengünstig und bei richtiger Anwendung nebenwirkungsfrei.

Die positive Beeinflussung von Beschwerden geschieht vor allem über die Durchblutung. Durch den äußeren Impuls kommt es zu einer Reaktion im Inneren des Körpers. Abhängig von der angewandten Technik und Dauer, die der Wickel auf dem Körper bleibt, treten verschiedene Wirkungen ein. Als verstärkende Wirksubstanzen werden vor allem heimische Erzeugnisse aus Küche und Garten, Heilpflanzen, fette Pflanzenöle und ätherische Öle verwendet.

Wärme führt zu einer verstärkten Durchblutung, wodurch es zu einer Lösung von körperlichen Verkrampfungen und seelischen Anspannungen kommen kann. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Kartoffelwickel bei Verspannungen. Sehr häufig leiden Suchtpatienten an Entzugssymptomen wie Unruhe, innerer Getriebenheit und Schlafstörungen und hierbei können Wickel unterstützend gute Erfolge bringen.

Kühle Wickel bewirken eine Verengung der Blutgefäße, wodurch Schwellungen und entzündliche Prozesse zurückgehen können. Nach gezielten Kälteanwendungen kommt es zu einer Erweiterung der Gefäße, wodurch wieder Wärme entsteht. Fast jeder kennt die berühmt-berüchtigten Essigpatscherl, die jedoch ohne Essig genauso gut funktionieren.

Wickeltücher sollten immer aus natürlichen Materialien wie z.B. Baumwolle, Flanell, Leinen, Wolle sein. Bei der Auswahl der Temperatur bzw. des Wickelzusatzes ist es wichtig auf die Vorlieben der betreffenden Person einzugehen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Anwendung von Wickeln ist die psychosoziale Komponente: Die Ruhe und Zuwendung von Seiten der verabreichenden Person lassen Gefühle von Geborgenheit und Wohlbefinden aufkommen. Dies wirkt beruhigend und entspannend für Körper und Seele und ist besonders bei psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen ein wichtiger Teil des Heilungsprozesses.  Gestresste Menschen profitieren von Wickeln ungemein. Übermäßiger Stress ist krankheitsfördernd und ein wichtiger Auslöser von Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen, Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen – die Entspannung heilt.

Therapeutisches Angebot - Christa Bliem
08.11.2016
Malen als integraler Teil der KreativtherapieMalen als integraler Teil der Kreativtherapie
Malen als integraler Teil der KreativtherapieMalen als integraler Teil der Kreativtherapie

Die Kunst-Maltherapie findet ihren Ursprung in der psychoanalytischen Lehre C. G. Jungs. Die ersten Impulse zur Einbindung bildnerischen Gestaltens in therapeutische Maßnahmen gab es Mitte der 1920er Jahre in der Schweiz und in Deutschland. Einer der ersten, der das künstlerische Gestalten in eine Behandlung einbezog, war der Psychiater Leo Navratil. Er regte seine Patienten zu künstlerischer Tätigkeit an und nutzte das zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken. In ihrer Weiterentwicklung als handlungs- und erlebnisorientierte Methode dient sie dem Menschen zur Belebung der kreativen Kräfte und zur Stärkung innerer Ressourcen.

In Ergänzung zur bewährten psychotherapeutischen Behandlung wird auch in unserer Einrichtung den Klienten die Maltherapie angeboten. Therapeutisches Malen ist weit mehr als das Erschaffen von Gemälden. Es ist ein lebendiger Prozess, der zur inneren Friedensarbeit werden kann. Er beinhaltet das Kennenlernen der eigenen Gefühle, auch der eigenen Aggressionen und Abwertungen und ihre mögliche Verwandlung durch den Prozess der Bewusstwerdung. Es geht dabei einerseits um den Ausdruck von Gedanken und Gefühlen in kreativer Form und andererseits auch um die symbolische Bedeutung und Wirkung der Darstellung. Im Gestaltungsprozess werden innere Bilder, Gefühle, Vorstellungen, Wünsche, Bedürfnisse und Erfahrungen belebt, erlebt und zum Ausdruck gebracht. Durch kreatives Gestalten können Autonomie und Selbstwertgefühl gesteigert, eigene Ressourcen und Selbstheilungskräfte aktiviert und Entwicklungsmöglichkeiten gefördert werden.

Die Maltherapie bringt Kräfte zur Veränderung hervor und in der Arbeit am Werk wird die eigene Gestaltungskraft entdeckt und stärkt die Fähigkeit, auf innere und äußere Umstände Einfluss zu nehmen. Anfangs benötigen die meisten Klienten viel Struktur und Vorgaben, da sie die totale Freiheit des „leeren“ Malgrundes und eines gänzlich freien Themas nicht angstfrei annehmen können.

Für den wirklich freien spontanen Ausdruck ungeeignet sind Techniken, die viel Planung und viele Arbeitsschritte erfordern. Den Klienten kleine anregende und wirklich einfache Demonstrationen einer leichten Einstiegstechnik (z.B.: abstrakte Bundfenster) mit „garantiertem Erfolgserlebnis“ zu zeigen, ist hilfreich, um Blockaden zu überwinden und den Einstieg in die Welt der Malerei zu erleichtern. Abstrakte Stimmungsbilder ermöglichen über Farbwahl und Psychomotorik den unmittelbarsten Ausdruck reinen Gefühls jenseits des Zwanges zu erkennbar gegenständlicher Gestaltungsform. Mit bildnerischen Mitteln lassen sich neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen, die visuelle Wahrnehmung und das bildhafte Gedächtnis werden trainiert und durch das Einlassen in den Umgang mit Farben werden innere Bewegungen und Empfindungen angeregt. Diese Form der nonverbalen Kommunikation wirkt öffnend auf die Beziehung zu sich und zu seiner Umgebung.

Nach dem Malprozess können im Gespräch Erfahrungen besprochen und Möglichkeiten reflektiert werden. Neue Sichtweisen, die sich positiv auf die Lebensgestaltung auswirken, können erarbeitet werden. Kunsttherapeutische Methoden lassen sich wirksam zur Ich-Stärkung, zur Genesung und Begleitung bei Veränderungsprozessen einsetzen. Die Maltherapie kann somit der Entwicklungsförderung, der Förderung sozialer und kreativer Fähigkeiten sowie der Schulung und Ausbildung der visuellen Wahrnehmung dienen und ist daher hervorragend als Ergänzung anderer therapeutischer Methoden geeignet.

Therapeutisches Angebot - Markus Ruppnig
18.10.2016
FIT und GLÜCKLICH - Werden Sie aktiv

Die Schwerpunkte in meinem Praktikum lagen u.a.  im Kennenlernen der Krankheitsbilder der zu betreuenden Klienten, der Planung und Durchführung von Gruppen- sowie Einzeltrainingseinheiten sowie Anamnesegesprächen und Leistungstests und deren Evaluierung. 
Die Relevanz für mein Studium bestand darin, Praxiserfahrung zu sammeln, was mir ausgesprochen gut gelungen ist. Ich konnte meine Zeit in den Therapiezentren Eisenhut und Saualpe wirklich gut nutzen und viel an Erfahrung dazugewinnen. 

Ich habe mich sehr wohl gefühlt, mich schnell eingefunden und wurde von den Teammitgliedern sofort akzeptiert. Dadurch konnte die Zusammenarbeit spannend und interessant gestaltet werden. In einigen Bereichen konnte ich mein Wissen einbringen und in vielen anderen, für mich neuen Bereichen, mein Wissen erweitern und vieles lernen. Nicht nur in der Motivation, sondern auch in der Balance von Optimismus und Realismus bekam ich einige neue Eindrücke.

Das Arbeiten in der Natur bereitete mir große Freude, da ich gerne an der frischen Luft bin und die Schönheit und Vielfalt der Natur genieße. Besonders begeistert war ich über die Tatsache, dass ich mein vorhandenes Wissen über Yoga, Qi Gong, Entspannung, Jonglieren, Koordination, Konzentrations- & Aufmerksamkeitssteuerung zeigen durfte, sei es in den Einzel- oder auch Gruppentherapien (Outdoor, Fitness, Sense, Frisbee, Laufen) gewesen. Was ich damit bei anderen erreichen möchte ist, dass ich ein kleines Stück meiner Begeisterung an der Bewegung teilen kann und somit vielleicht eine bessere Lebensqualität angestrebt wird. Außerdem verbessert sich durch körperliche Aktivität die Schlafqualität, sowie die Gesundheit, der Lebensstil und vieles mehr. 

In der Arbeit mit den Klienten versuchte ich stets, den folgenden Leitsatz einfließen zu lassen:  „Wenn man aufgeben will, muss man daran denken, warum man begonnen hat.“

In der Gesundheits- und Erlebnisförderung sehe ich im Bereich Sport und Bewegung großes Potenzial. Nicht umsonst habe ich mich für eine sportliche und aktive Zukunft entschieden und möchte mich in meiner beruflichen Zukunft diesbezüglich verwirklichen. Insbesondere zu Yoga möchte ich noch ein paar Worte loswerden. Yoga ist eine ganzheitliche Lebensweise, von der ich einen kleinen Teil an Körperübungen (asanas) und Atemübungen (pranayamas) an die Klienten weitergegeben habe. Positive Rückmeldungen stärkten mich in meinem Tun. Wie im Yoga Bewegung und Atmung miteinander verbunden werden, verbinde ich zusätzlich noch Yoga mit Naturgegebenheiten und beziehe in die Übungen sowie in die Entspannung, Sonne, Wind, Wärme etc. mit ein. Diese gezielte Wahrnehmung im Augenblick, lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was zählt und auf das Hier & Jetzt. Durch eine bewusste Atmung beim Üben können tiefere Wahrnehmungsebenen betreten werden. Von zunehmend großer Bedeutung ist es, sich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen und zu versuchen, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen. Die innere Balance zu finden und zu bewahren ist oftmals nicht leicht, aber erstrebenswert. Ein Ziel am Ende des Weges bedeutet, dass man den Weg gehen muss, um sein Ziel zu erreichen, d. h. dass jeder Schritt in die richtige Richtung zählt, doch befindet man sich vor einem Abgrund, reichen 2 kleine Schritte nicht aus, sondern muss man einen Sprung wagen, um sein Ziel zu erreichen.

Lange Rede, kurzer Sinn - ich bin froh eine leidenschaftliche Lebensfreude zu haben, wenn ich mag, sie zeigen zu können und dass ich bei AGIL mein erstes sport- und bewegungswissenschaftliches Praktikum absolvieren durfte. Mit vielen positiven Eindrücken und Erlebnissen werde ich nach den Ferien wieder studieren und bestimmt manchmal an die Zeit hier zurückdenken. Abschließend möchte ich Ihnen allen etwas mitgeben und danke sagen, dass Sie meinen Blobeitrag zu Ende gelesen haben.


Meine 3 wichtigsten Prinzipien
1.    Das Leben genießen!
2.    Achtsam mit seinem Körper umgehen!    
3.    Anderen helfen glücklich zu sein!

Neuigkeiten - Michaela Muschet
06.10.2016
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Ein bekanntes Sprichwort attestiert dem Rücken der Pferde das Glück der Erde. Um diesem Leitspruch nachzugehen, fuhr ich mit einigen Klienten des Therapiezentrums Saualpe der Agi- Sozialpädagogik zum Islandpferdehof Leitner nach Gallizien.

Tiere können als therapeutisches Mittel in nahezu allen Altersklassen und bei Erkrankungen unterschiedlichster Herkunft und Ausprägung erfolgreich eingesetzt werden. Bei der Therapie mit Pferden können unterschiedliche Schwerpunkte und Ziele gesetzt werden. Insgesamt werden sowohl körperliche als auch psychische und soziale Fertigkeiten trainiert bzw. aktiviert.

Im Therapiezentrum Saualpe konnten wir bereits zweimal das umfassende Angebot des besagten Islandpferdehofes in Anspruch nehmen. Die Rasse der Islandpferde gilt als besonders ruhig und geduldig und eignet sich deshalb auch vortrefflich für Anfänger. Unseren Projekttag starteten wir mit einem „Willkommenskaffee“ und einer kurzen Vorstellung. Danach wurden die Pferde aus ihren Boxen geführt und jeweils einem Klienten zugeteilt. Vor dem Satteln mussten die Pferde gestriegelt und gebürstet werden. Diese Maßnahme dient nicht nur zur Reinigung der Pferde um Druck- oder Reibestellen durch den Sattel zu vermeiden, sondern ist auch ein wichtiger Bestandteil um eine Beziehung zwischen Reiter und Pferd herzustellen. Unsere Klienten widmeten sich dieser Aufgabe mit besonderer Hingabe und sehr viel Gespür. Mit Unterstützung der Reitlehrerin wurden die Pferde gesattelt und aufgezäumt. Den verbleibenden Vormittag verbrachten wir in der Reitbahn, um die grundlegenden Techniken zum Lenken, Antreiben und natürlich Anhalten der Pferde zu erlernen oder aufzufrischen.

Nach dem Mittagessen, sowohl für Reiter als auch für Ross, unternahmen wir einen langen Ausritt in die wunderschöne umliegende Landschaft. Über Stock und Stein, durch Wald und Wiesen konnten die Klienten des Therapiezentrums Saualpe das zuvor Gelernte und vor allem ihr Gleichgewicht unter Beweis stellen. In Schritt, Trab und teilweise Galopp absolvierten wir einige Kilometer und die Zeit verging wie im Fluge. Bei der Rückkehr versorgte jeder Klient sein Pferd und nach einer kleinen Stärkung für uns traten wir wieder die Heimreise an.

Sowohl für die Klienten als auch für mich waren dies ganz besondere Ausflüge und mit Sicherheit nicht die letzten. Denn das Glück der Erde, liegt bekanntlich auf dem Rücken der Pferde.

Therapeutisches Angebot - Margareta Rodler
20.09.2016
Wer Sorgen hat, hat auch Likör

In meiner langjährigen Tätigkeit als Therapeutin konnte ich erfahren, dass alkoholkranke Menschen – Männer wie Frauen – ihre erreichte Abstinenz als eine große Erleichterung erleben.  Diese Verbesserung der Lebensqualität wird auch durch viele Gruppen und Beratungseinrichtungen, welche Abstinenz propagieren, in Aussicht gestellt.

Meine Erfahrungen zeigten mir aber auch, dass es sehr vielen Betroffenen zu Beginn ihres abstinenten Lebens erstmals wesentlich schlechter geht. Sie sehen sich Problemen und Konflikten gegenüber, welche sie mit Hilfe ihres Suchtmittels nicht wahrhaben mussten. Es wird ihnen gewahr, dass ihr Suchtmittel eine oder möglicherweise mehrere Funktionen übernommen hatte.

Wer wird zum Alkoholiker aus reinem Genuss am Trinken? Niemand, denn die Genussfähigkeit am Alkohol ist vielmehr verloren gegangen. Das Trinken ist im Alltag zu präsent und mächtig geworden. Es wird zum zentralen Dreh- und Angelpunkt des Alltags. Daher auch die destruktive und zerstörerische Wirkung auf den eigenen Körper und das soziale Umfeld der Betroffenen. Gelebte Sucht endet letztendlich immer tödlich. 

Dem entgegenzuwirken muss rasch gehandelt werden und aus meiner Sicht ist nur die Abstinenz vom Suchtmittel der Weg zurück ins Leben. Der Versuch des „kontrollierten Trinkens“ ist oftmals der  Anfang eines Rückfalles in die Sucht.

Hier sehe ich die Aufgabe für mich als Psychotherapeutin – abstinente Abhängigkeitserkrankte zu begleiten und mit ihnen Möglichkeiten zur Bewältigung ihres Leidens zu erarbeiten. Alkohol ist ein gutes „Lösungsmittel“ und da dieses nicht mehr zur Verfügung steht, ist der Umgang mit den aktuellen Lebenssituationen oft schmerzlich. Wie soll der Betroffene in der Lage sein angemessen mit seinen Gefühlen umzugehen. Oft leiden suchtkranke Menschen noch längere Zeit unter Schlafstörungen, sozialen Ängsten, körperlichen Einschränkungen. Gerade wenn der Körper entgiftet ist kommt es möglicherweise zu einer Verschiebung der Symptome oder der Sucht, z.B. übermäßigem Essen, Rauchen, Einkaufen, onlinespielen.

Mag sein, dass Ersatzhandlungen sich eignen, eine Lebensqualität zu erreichen und um im sozialen Umfeld wieder Fuß fassen zu können. Zum Beispiel einem intensiven Hobby nachgehen oder großes Engagement in der Arbeitswelt zeigen. Das ist legitim und ist zu akzeptieren, wenn es im Hier und Jetzt hilfreich ist.

Durch die Abstinenz kann die Entwicklung der Persönlichkeit wieder in Gang kommen und zwar dort, wo sie durch die Sucht sozusagen zum Stillstand kam. So wie niemand von einem Kind erwartet, dass es sich in ein paar Monaten zu einem gesunden Erwachsenen entwickelt, braucht erst recht der erwachsene Mensch Zeit und Geduld für diesen Weg. Der  Anspruch auf rasche Anpassung stellt eine Überforderung für jeden abstinenten Menschen dar. Es wird oft ein langer Weg sein und sich dafür hilfreiche Begleitung zu holen ist sehr ratsam, um seine Sucht überwinden zu können.

Therapeutisches Angebot - Bettina Puster
06.09.2016
Motivationsarbeit in der Therapie

Der Begriff der Motivation leitet sich vom lateinischen Verb „movere“ ab. Dieses bedeutet "in Bewegung setzen". Somit will man sich oder andere in Bewegung versetzen, wenn man motiviert ist.

Das Konzept: Intrinsische und extrinsische Motivation.

Es bestehen zwei Konzepte über den Ausgangspunkt des Impulses für diese Bewegung. Kommt der Impuls aus eigenem Antrieb des Menschen oder kommt er von außen? Kommt der Impuls von innen spricht man von intrinsischer Motivation, um extrinsische Motivation handelt es sich wenn der Impuls von außen an den Menschen herangetragen wird.
Der Begriff intrinsische Motivation bezeichnet das Bestreben, etwas um seiner selbst willen zu tun (weil es einfach Spaß macht, Interessen befriedigt oder eine Herausforderung darstellt). Bei der extrinsischen Motivation steht dagegen der Wunsch im Vordergrund, bestimmte Leistungen zu erbringen, weil man sich davon einen Vorteil (Belohnung) verspricht oder Nachteile (Bestrafung) vermeiden möchte. 

Wir unterscheiden zwei Arten intrinsischer Motivation:

•    Interne Prozessmotivation 
•    internes Selbstverständnis

Interne Prozessmotivation liegt vor, wenn man etwas tut, was Begeisterung auslöst, Freude bringt, Flow erzeugt. Musiker musizieren einfach gern, Controller befassen sich gern mit Zahlen, Statistiken und deren Bewertung. Es geht also um das Tun an sich, um den Prozess. Sie motivieren sich über die Tätigkeit.

Beim internen Selbstverständnis wird man durch innere Überzeugungen, Grundsätze, Maßstäbe, Werte motiviert. Eine solche Motivation entsteht dadurch, dass es aus der subjektiven Sicht „gut und richtig“ ist, etwas zu tun. Das Befolgen der Überzeugungen und Grundsätze, die Erfüllung der eigenen Werte, ist die Antriebsfeder. 

Es kann sein, dass man etwas vielleicht nicht so gern, aber trotzdem tut, weil man es für notwendig hält. Es kann also sein, dass man nicht gern aufräumt (niedrige interne Prozessmotivation), es aber trotzdem motiviert tut, weil man „Ordnung“ als Wert für wichtig erachtet, was dem internen Selbstverständnis entspricht.

Wir unterscheiden drei Arten extrinsischer Motivation:

•    Instrumentelle Motivation
•    äußeres Selbstverständnis
•    Internalisierung von Zielen

Die instrumentelle Motivation ist geleitet von Vorteilen und Belohnungen von außen. Das ist die die häufigste Form, wenn es um extrinsische Motivation geht. Ein typisches Beispiel dafür ist, dass man arbeitet und seinen Job gut macht, um seine Familie ernähren zu können. Beim äußeren Selbstverständnis ist die Motivation durch die soziale Rolle, Gruppenverständnis und äußere Erwartungen ausgelöst. Die Internalisierung von Zielen bedeutet, dass die betreffende Person sich die Ziele der Gruppe, der Organisation, des Unternehmens zu eigen macht und das die Motivation prägt. So erzeugt z.B. eine Beförderung die Motivation, Mitarbeitet zu führen und Entscheidungen zu treffen.

In der Arbeit in den Therapiezenten der Agil-Sozialpädagogik spielt die Motivationsarbeit eine große Rolle. Nicht selten ist es so, dass die Klienten die Therapie fremdmotiviert beginnen. Damit fehlt ihnen der innere Motor, der innere Antrieb zur Veränderung.  Dennoch ist es ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Mit Beginn der Therapie unterbrechen die meisten von ihnen eine leidvolle Phase ihres Lebens. Ein neuer Weg muss her. Unter diesem neuen Lebensabschnitt können sich die meisten konkret noch nichts vorstellen. Es fehlen ihnen die inneren Bilder dazu. Viele von ihnen sind noch im Schwarz-Weiß-Denken verhaftet. Die gesamte Palette des Farbenspektrums und damit die vielen Nuancen und Schattierungen des Lebens, liegen noch im verborgenem. Damit fällt uns und mir eine wichtige Rolle im Umgang mit unseren Klienten zu. Es gilt die intrinsische Motivation zu fördern bzw. zu stärken. Dazu braucht es selbst viel Engagement und manchmal auch einen langen Atem. Wieder mit Begeisterung etwas zu tun, darin liegt einer der Schlüssel zur inneren Motivation. Mit fortlaufender Therapie gelingt es oftmals, das innere Feuer wieder zu entfachen. Damit ist ein sehr wichtiger Teil zum Erfolg der Therapie gelungen. Die Kunst besteht nun darin, dieses innere Feuer am Brennen zu halten. Dazu braucht es unter anderem auch wieder motivierte Kollegen. Im Idealfall fungiert dann auch das Betreuungsteam als Motivator. 

Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.
Antoine de Saint-Exupery

Therapeutisches Angebot - Markus Ruppnig
25.08.2016
AGILE Therapieabsolventen beim Großglockner Berglauf 2016

Am 17. Juli 2016 fand zum 17. Mal der Großglockner Berglauf statt. 1.200 Teilnehmer nahmen die rund 13 km lange Strecke in Angriff. Dabei müssen von Heiligenblut bis auf die Kaiser Franz-Josefs-Höhe 1.494 Höhenmeter bewältigt werden, die über viele alpine Vegetationsstufen bis in die hochalpine Gletscherregion (die Pasterze, der längste Gletscher der Ostalpen) führt. 
Zu den vielen Teilnehmern zählten dieses Jahr auch zwei ehemalige Klienten des Therapiezentrums Saualpe, die während ihres Aufenthaltes die Leidenschaft für den Laufsport für sich entdecken konnten. 

Als Trainingstherapeut in der Agil-Sozialpädagogik, habe ich die beiden Herren während ihres Aufenthaltes in unserer Einrichtung über einige Monate im Rahmen der Sport- und Bewegungstherapie begleitet, indem ich für sie z.B. individuelle Trainingspläne erstellte, welche von den Klienten über die gesamte Aufenthaltsdauer zielstrebig eingehalten wurden. Ebenso übte ich mit ihnen gemeinsam regelmäßig auch die auferlegten Trainingseinheiten aus.  In diesem Zeitraum wurden darüber hinaus einige Volksläufe eingeplant, die der Leistungsevaluation dienten und eine stetige Verbesserung ihrer Physis aufzeigten.

Nach Beendigung der Therapie verfolgten die beiden ehemaligen Klienten ihr Ziel konsequent weiter und bereiteten sich selbstständig auf dieses Event vor.

Beim Start in Heiligenblut war das Wetter noch angenehm. Ab ca. der Hälfte der Strecke wurde es jedoch immer ungemütlicher, sodass man zusätzlich zu den Höhenmetern noch gegen Wind, Regen und Temperaturen um ca. 5°C ankämpfen musste.

Diese Herausforderung konnte von beiden Klienten souverän gemeistert werden und sie dürfen nun sehr stolz über ihre erbrachte Leistung sein (AK 20 - 29 2:10:05,2 Std.;   AK 55 – 59 2:36:31,8 Std.).

Therapeutisches Angebot - Sinikka Huhndorf
02.08.2016
Vitaminmangel bei der chronischen Alkoholkrankheit

Bei regelmäßigem Alkoholkonsum wird der Energiebedarf zu einem großen Anteil durch Alkohol (7,1 cal/g) gedeckt, der arm an wichtigen Nähr- und Vitalstoffen ist. Es kommt zu einem Mangel an Eiweiß, Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Chronische Alkoholiker essen häufig zu wenig, da sie unter Entzündungen der Speiseröhre, des Magens und des Darmes, unter Brechreiz, Erbrechen, Durchfällen, Schmerzen und Appetitlosigkeit leiden.

Das fettlösliche VITAMIN A ist durch die alkoholverursachten Schädigungen der Schleimhäute im Verdauungstrakt und durch die ungenügende Zufuhr nur unzureichend im Körper vorhanden. Eine mangelhafte Eiweißzufuhr bei der Alkoholkrankheit kann sich nachteilig auf die Vitamin-A-Versorgung auswirken, denn für den Transport von Vitamin A aus der Leber (Speicherorgan) wird Eiweiß benötigt. Fehlt das Protein, verbleibt das Vitamin in der Leber und kann vom Körper nicht genutzt werden. Die Folgen sind ein erhöhtes Risiko für verschiedene Tumorerkrankungen, Nachtblindheit und Verlust an Sehkraft. Vitamin A ist ausschließlich in tierischen Produkten zu finden, in hoher Konzentration in Innereien und Eiern. Betacarotin - die Vorstufe des Vitamin A – ist im Pflanzenbereich weitverbreitet: Karotten, Spinat, Grünkohl, Paprika, Marillen, Melonen.

Zu der Gruppe der B-Vitamine gehören u.A. Vitamin B1 (Thiamin), Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B6 (Pyridoxin), Vitamin B12 (Cobalamin), Folsäure und Biotin. Diese Vitamine sind ausnahmslos wasserlöslich und im Körper nur begrenzt speicherbar. Ein Mangel an einem dieser Vitamine kann ein Mangel eines anderen B-Vitamins nach sich ziehen.
Mangel an B-Vitaminen kommt häufig bei der chronischen Alkoholkrankheit vor.

VITAMIN B1 wird für das Gehirn, die Nerven und die Muskeln benötigt. Der Alkohol „kostet“ den Körper Vitamin B1, da das Vitamin zum Abbau des Alkohols benötigt wird.
Ein wesentlicher Grund für das „Wernicke-Korsakow-Syndrom“, das sich in Form von Augenmuskellähmungen, Gang- und Standunsicherheit, Wesensveränderungen, Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen, Halluzinationen äußert, ist ein Mangel an Vitamin B1. Hauptnahrungsquellen sind Vollkornprodukte und Fleisch.
Alkohol senkt die Verwertung von VITAMIN B2 und somit äußert sich ein Mangel in Form von Entzündungen der Mundschleimhaut, Hauteinrissen im Mundwinkel, Leistungsminderung, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche- Milchprodukte, Eier, Fleisch und Brokkoli sind gute Quellen.

Die Mangelerscheinungen von VITAMIN B6 sind schuppende Hautveränderungen und Entzündungen im Mund-Lippenbereich. Bei Lebererkrankungen und Bauchspeicheldrüsenentzündungen ist die Aufnahme des Vitamins aus der Nahrung eingeschränkt, aber der Mehrbedarf da - Vollkornprodukte, Fleisch, Lachs, Avocado und Kartoffeln liefern Vitamin B6. Ein Mangel an VITAMIN B12 kann zu Gangstörungen, Taubheitsgefühl, Gedächtnisstörungen, Stimmungsschwankungen führen. Es kann zu einer Blutarmut (perniziöse Anämie) kommen. Die Betroffenen klagen über Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Nachlassen der Leistungsfähigkeit.
In den Zellen der Magenwand wird ein Protein, der „Intrinsic factor“ gebildet, damit Vitamin B12 vom Dünndarm aus ins Blut aufgenommen werden kann. Ist die Magenschleimhaut geschädigt oder entzündet (Gastritis), wie es häufig bei alkoholkranken Menschen vorkommt, wird dieser Faktor nicht gebildet und Vitamin B12 schlechter aufgenommen.
Vitamin B12 ist nahezu ausschließlich in tierischer Kost (Fleisch, Fisch, Milchprodukte) enthalten.

FOLSÄUREmangel kommt bei der Alkoholabhängigkeit besonders häufig vor und hat eine Blutarmut zur Folge. Das Risiko für Herzinfarkt ist deutlich erhöht. Folsäurequellen sind Gemüse, Vollkornprodukte, Innereien.

BIOTIN braucht der Körper für Haut, Haare und Nägel. Mangelerscheinungen sind brüchige Nägel, Entzündungen der Bindehaut, Haarausfall, Fettstoffwechselstörungen, Depressionen-  Germ, Eigelb, Nüsse, Reis enthalten Biotin.

Das wasserlösliche VITAMIN C (Ascorbinsäure) unterstützt den Aufbau von Haut, Gewebe, Knochen und Zähnen und hat eine besondere Bedeutung für die Abwehrkräfte. Die Aufnahme wird infolge von alkoholverursachten Magen-Darm-Schädigungen blockiert. Der Mangel kann sich durch Zahnfleischbluten, schlechte Wundheilung, Trägheit, chronische Glieder- und Gelenkschmerzen, Abwehrschwäche mit erhöhter Infektneigung äußern- Äpfel, schwarze Ribisel, Paprika, Kohl, Brokkoli, Hagebutten sind gute Quellen.

VITAMIN D3 (Cholecalciferol) ist nicht nur ein „Knochenvitamin“, sondern eigentlich ein Hormon und wird unter Einfluss von Sonnenlicht vom Körper selbst gebildet. Für die optimale Wirkung von Vitamin D ist eine entsprechende Kalziumversorgung notwendig. Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung ist die Ausnutzung des Vitamins aus der Nahrung eingeschränkt. Eine Vitamin-D-Unterversorgung kann sich in Verformungen des Knochengerüstes und Schmerzen in den Knochen zeigen. Osteoporose (erhöhte Knochenbruchanfälligkeit), Herzmuskelschwäche, Bluthochdruck können als Folge eines Vitamin-D-Defizits auftreten. Das Risiko für Dickdarm- und Mammakarzinome scheint erhöht zu sein. Enthalten ist das fettlösliche Vitamin in Lachs, Hering, Aal, Eiern.
 
Bei einem Mangel an VITAMIN E (Tocopherol) können Verdauungsstörungen oder eine erhöhte Infektanfälligkeit auftreten. Das fettlösliche Vitamin kommt in pflanzlichen Ölen und Nüssen vor. Raucher haben einen erhöhten Bedarf (die meisten Alkoholkranken sind Raucher).

VITAMIN K ist unentbehrlich für die Blutgerinnung. Chronisch Alkoholkranke haben die Neigung zu stärkeren Blutungen, selbst bei kleinen Wunden. Das fettlösliche Vitamin kommt in Kohl und grünem Blattgemüse vor.

Die Therapie der Vitamindefizite erfolgt in der Regel über Supplemente, in Form von Kapseln, Tabletten und/oder Tropfen. 

In den beiden Therapiezentren werden im Rahmen der Ernährungsmedizin die Relevanz der ausgewogenen Ernährung, die ausreichende Versorgung mit Vitaminen, sowie die bei unzureichender Versorgung auftretenden Mangelerscheinungen besprochen.

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